Schilddrüse: DGE warnt vor gefährlichen Nahrungsergänzungsmitteln
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion, etwa infolge einer Hashimoto-Thyreoiditis, erfordert in der Regel eine präzise abgestimmte Therapie mit dem Hormon L-Thyroxin. Während viele Betroffene versuchen, ihr Wohlbefinden zusätzlich durch frei verkäufliche Präparate zu steigern, warnen Fachleute der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in aktuellen Stellungnahmen aus dem August 2026 vor den Gefahren einer unkontrollierten Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Diese könnten nicht nur die Wirkung der verschriebenen Medikamente beeinträchtigen, sondern im Einzelfall sogar gesundheitsschädliche Folgen haben.
Fehlende Wirksamkeitsnachweise für gängige Supplemente
Im Zentrum der Analyse stehen Substanzen, die häufig im Zusammenhang mit der Schilddrüsengesundheit beworben werden, darunter Selen, Cholin und Extrakte aus der Mariendistel. Nach Einschätzung der DGE vom August 2026 gibt es für diese Stoffe keinen wissenschaftlich fundierten Nachweis einer therapeutischen Wirksamkeit bei einer bestehenden Schilddrüsenunterfunktion.
Die Experten weisen darauf hin, dass die unkritische Supplementierung biologische Prozesse stören kann, die für die Hormonregulation essenziell sind. Anstatt die Symptome der Unterfunktion zu lindern, können unpassende Präparate die Einstellung des Hormonspiegels durch L-Thyroxin erschweren.
Physiologische Wechselwirkungen und kardiovaskuläre Risiken
Besondere Aufmerksamkeit widmet die DGE den spezifischen Inhaltsstoffen und deren Wirkung auf zellulärer Ebene. Ein Beispiel ist Silychristin, ein Wirkstoff aus der Mariendistel. Fachleute betonen, dass dieser Stoff den sogenannten MCT8-Transporter hemmen kann. Da dieser Transporter eine entscheidende Rolle dabei spielt, Schilddrüsenhormone in die Zielzellen zu schleusen, könnte eine Hemmung die Wirksamkeit der Hormontherapie direkt untergraben.
Auch bei Cholin wurden bedenkliche Zusammenhänge festgestellt. Analysen der DGE zeigen, dass eine Supplementierung mit Cholin mit einem erhöhten TSH-Wert (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) assoziiert ist, was auf eine veränderte hormonelle Lage hindeutet. Darüber hinaus wird die Einnahme von Cholin-Präparaten mit einem gesteigerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Nahrungsergänzungsmittel nicht ohne medizinische Notwendigkeit einzunehmen.
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Die Bedeutung der präzisen Hormonsubstitution
Das Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) fungiert als zentraler Regler für den menschlichen Stoffwechsel. Bei einer Unterfunktion ist der Körper auf die exogene Zufuhr von L-Thyroxin angewiesen, um lebenswichtige Funktionen aufrechterhalten zu können. Die korrekte Dosierung ist dabei ein empfindlicher Prozess, der durch eigenmächtige Interventionen mit Supplementen empfindlich gestört werden kann.
Die DGE warnt in diesem Zusammenhang auch vor den Folgen einer Überdosierung oder einer fehlerhaften Einstellung der Hormonzufuhr. Eine zu hohe Konzentration von L-Thyroxin im Körper könne zu Herzrasen und einem beschleunigten Knochenabbau führen. In schweren Fällen seien laut den Experten sogar lebensbedrohliche Zustände möglich.
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Empfehlungen für Patienten und medizinisches Personal
Angesichts der komplexen Wechselwirkungen empfiehlt die DGE Patienten, die trotz einer bestehenden Therapie mit L-Thyroxin weiterhin unter Beschwerden leiden, dringend von einer Selbstmedikation abzusehen. Symptome sollten stattdessen im Rahmen einer ärztlichen Konsultation abgeklärt werden. Nur durch eine professionelle Diagnostik lässt sich feststellen, ob eine Anpassung der Hormondosis erforderlich ist oder ob andere Ursachen für die Beschwerden vorliegen. Die Analyse macht deutlich, dass Nahrungsergänzungsmittel kein Ersatz für eine evidenzbasierte medizinische Behandlung sind und im Kontext von Schilddrüsenerkrankungen mit großer Vorsicht eingesetzt werden sollten.
