Sarkopenie, Studie

Sarkopenie: Studie mit 38.000 Senioren zeigt Protein-Geheimnis

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien belegen: Ausreichend Eiweiß und gezieltes Training können Sarkopenie entgegenwirken. Erdnussbutter zeigt überraschende Effekte auf die Muskelkraft.

Muskelabbau im Alter: Proteinbedarf und Bewegung als Schlüssel
Eine Person über 50 bereitet eine gesunde Mahlzeit mit proteinreichen Zutaten in einer modernen Küche zu. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine alternde Gesellschaft stellt neue Anforderungen an die Gesundheitsvorsorge. Besonders der Erhalt von Muskelmasse rückt in den Fokus. Aktuelle Studien zeigen: Die richtige Ernährung und gezielte Bewegung sind entscheidend im Kampf gegen Sarkopenie.

Protein – der Baustoff für starke Muskeln

Forscher haben die Daten von über 38.000 Erwachsenen ab 50 Jahren aus 27 europäischen Ländern ausgewertet. Das Ergebnis: Wer zu wenig Eiweiß zu sich nimmt, leidet häufiger unter Muskelschwäche. Alltägliche Bewegungen wie Gehen oder Treppensteigen fallen dann schwerer.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Fachleute halten das für ältere Menschen für zu wenig. Sie raten zu höheren Werten: 1,0 bis 1,2 Gramm zur Gewichtserhaltung, 1,2 bis 1,5 Gramm bei Gewichtsabnahme und bis zu 1,8 Gramm bei Krafttraining.

Besonders Frauen in den Wechseljahren unterschätzen oft ihren Bedarf. Sie nehmen häufig nur 40 bis 60 Gramm Protein täglich zu sich – nötig wären 80 bis 120 Gramm. Die Folgen: beschleunigter Muskelabbau, erhöhtes Risiko für Osteoporose und Parodontose.

Erdnussbutter als überraschender Helfer

Die besten Proteinquellen sind natürliche Lebensmittel. Hähnchenbrust liefert rund 31 Gramm pro 100 Gramm, Lachs 20 Gramm und Magerquark 18 Gramm pro 150-Gramm-Portion. Auch pflanzliche Quellen wie Linsen (9 Gramm pro 100 Gramm) oder Tofu (8 bis 15 Gramm) sind effektiv.

Eine Studie der Deakin University testete einen ungewöhnlichen Kandidaten: Erdnussbutter. 120 Teilnehmer zwischen 66 und 89 Jahren aßen täglich 43 Gramm natürliche Erdnussbutter. Nach sechs Monaten zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Muskelkraft – gemessen an der Geschwindigkeit beim Aufstehen von einem Stuhl.

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Hochverarbeitete Proteinprodukte wie spezielle Riegel oder Limonaden sieht die Wissenschaft kritisch. Sie enthalten oft künstliche Süßstoffe und sind bei ausgewogener Ernährung meist überflüssig.

Bewegung aktiviert die Muskulatur auf Zellebene

Die richtige Ernährung allein reicht nicht. Eine Studie im Fachjournal Nature Ageing belegt: Strukturiertes Training von mindestens drei Stunden pro Woche verhindert rund 56 Prozent der altersbedingten Veränderungen der Genexpression in Muskelzellen. Besonders Energiestoffwechsel und Mitochondrien profitieren.

Die Weltgesundheitsorganisation hat ihre Leitlinien im Juli 2026 aktualisiert. Schon 3.000 Schritte täglich können den Verlauf von Alzheimer verlangsamen. Bei 5.000 bis 7.500 Schritten sind die Effekte noch stärker. Zusätzlich empfehlen die Experten wöchentlich 40 bis 60 Minuten Krafttraining zur Vermeidung von Knochenbrüchen.

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Neue Wege in der Forschung

Die Biotechnologie entwickelt innovative Ansätze. Das Unternehmen Samyang Roundsquare präsentierte „Spindle Muscle+" – ein Postbiotikum auf Basis des Wirkstoffs Akkermansia MYO. In einer Studie mit über 60-Jährigen steigerte es die Muskelkraft und senkte den Myostatin-Spiegel, einen natürlichen Hemmstoff des Muskelwachstums.

Noch tiefer in die Grundlagenforschung gehen Wissenschaftler von Calico und Revel Pharmaceuticals. Sie entwickelten ein Enzym, das spezifische Glykierungsendprodukte aus Proteinketten entfernen kann. Getestet wurde es bisher nicht am lebenden Organismus – die Ergebnisse eröffnen aber Perspektiven für die regenerative Medizin.

Eine randomisierte Pilotstudie mit 38 Erwachsenen ab 65 Jahren zeigt zudem: Die Supplementierung mit Spermidin kann die Immunantwort nach Impfungen verbessern. Das trägt indirekt zur Vitalität und Belastbarkeit im Alter bei.

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