Sarkopenie, Review

Sarkopenie: Review verknüpft Muskelschwund mit 42 Prozent höherem Demenzrisiko

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 07:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verknüpfen Sarkopenie und Zahnverlust mit kognitiven Risiken; ein Kurztraining verbesserte bei älteren Menschen funktionelle Fähigkeiten.

Muskelkraft und Zahngesundheit stehen mit Kognition im Alter in Verbindung
Ein heller, minimalistischer medizinischer Untersuchungsraum mit einem modernen MRT-Scanner im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstärkt den Wechselwirkungen zwischen körperlichen Parametern und der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter. Im Fokus stehen dabei insbesondere körperliche Einschränkungen wie Sarkopenie – der altersbedingte Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft – sowie Zahngesundheit und Zahnverlust, die in mehreren Analysen mit einem erhöhten Risiko für kognitive Defizite in Verbindung gebracht werden.

Muskelschwund und geistige Leistungsfähigkeit

Ein Review der Curtin University, das über 80 Studien auswertete, verweist auf eine deutliche Verbindung zwischen Muskelgesundheit und Demenz. Den Ergebnissen zufolge ist Sarkopenie mit einem um 42 Prozent höheren Demenzrisiko verbunden. Dieser Zusammenhang stellte sich als ausgeprägter dar als jener bezüglich Körpergewicht oder Körperfett.

Da es sich um Beobachtungsdaten handelt, liegt kein kausaler Nachweis vor; zudem könne eine Demenzerkrankung ihrerseits zum Verlust von Muskelmasse führen. Das Review weist keine einzelne gepoolte Effektstärke aus, der Wert von 42 Prozent spiegelt einen spezifischen Vergleich im Datensatz wider.

Ergänzende Befunde liefert eine an der brasilianischen Unicamp vorgelegte Doktorarbeit von Gabriela Cipolli unter Betreuung von Mônica Yassuda, die mit dem Universitätspreis für die Periode 2025–2026 ausgezeichnet wurde.

Die Analyse von Daten von 521 älteren Teilnehmenden der Fibra-Studie aus den Erhebungszeiträumen 2008–2009 und 2016–2017 zeigte, dass kognitive Beeinträchtigungen das Auftreten von Sarkopenie nach neun Jahren vorhersagten.

Die umgekehrte Wirkungsrichtung ließ sich nicht bestätigen, was auf eine bidirektionale Verbindung hindeutet. Mittels Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) an 51 älteren Personen ohne Demenz wurden zudem Veränderungen der weißen Substanz im Corpus callosum bei körperlicher Fragilität festgestellt.

Einen weiteren Einblick in muskuläre Gewebestrukturen lieferte eine MRT-Auswertung der NAKO-Gesundheitsstudie an 11.348 Personen. Demnach hängt ein höherer Fettanteil zwischen den Muskelfasern mit ungünstigeren Stoffwechselwerten zusammen.

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Zahnverlust und kognitiver Abbau

Parallel zu Muskelparametern rückt die Mundgesundheit in den Fokus. Ein in der Fachzeitschrift JAMDA veröffentlichtes Review von 14 Studien ergab, dass der Verlust von mehr als einem Zahn bei älteren Erwachsenen mit einer fast 50 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit für kognitive Beeinträchtigungen sowie einer um 28 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit für eine Demenzdiagnose einhergeht.

Auch hier ist keine Kausalität belegt. Als denkbare Einflussfaktoren gelten chronische Entzündungen, Ernährungsveränderungen, Vorerkrankungen und der Zugang zu zahnmedizinischer Versorgung. Entzündliche Erkrankungen wie Gingivitis werden laut Harvard Health Publishing zudem mit Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und Lungenerkrankungen assoziiert.

Eine Querschnittsstudie der Hangzhou Normal University um Yudie Zhang, Xiao Shan und Ying Qian im Fachjournal BMC Public Health untersuchte fast 7.000 Personen ab 60 Jahren aus der Erhebungswelle 2018 der Chinese Longitudinal Healthy Longevity Survey.

Die Autoren stellten ein lineares Dosis-Wirkungs-Verhältnis fest, bei dem jeder weitere Zahnverlust mit einer messbar höheren Wahrscheinlichkeit kognitiver Einbußen einherging, ohne dass ein Schwellenwert ermittelt werden konnte.

Bei vollständigem Zahnverlust ohne Nutzung einer Prothese lag das adjustierte Prävalenzverhältnis im Vergleich zu Personen mit mindestens 20 Zähnen und prothese bei 2,801 (95-Prozent-Konfidenzintervall: 1,974–3,974).

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Muskelkraft und gezielte Interventionen

Über physische Befunde hinaus analysierte ein Team der University of Toronto, des CAMH und der Rush University um Bercovitch und Felsky in Neurobiology of Aging genetische Merkmale von über 25.000 Erwachsenen. Eine genetische Veranlagung für höhere Handgriffstärke ging mit besseren kognitiven Werten einher.

Im Kollektiv der Rush-Studie mit bis zu 21 Jahren Nachbeobachtungszeit wies das oberste Drittel des genetischen Scores einen um 20 Prozent besseren Erhalt der kognitiven Funktionen auf – unabhängig von körperlicher Aktivität und ohne Beziehung zu zwölf postmortal erfassten Hirnpathologien.

Dass körperliche Leistungsfähigkeit auch bei bestehenden Einschränkungen beeinflussbar bleibt, zeigt eine Untersuchung der Penn State University in PLOS One an 97 inaktiven Erwachsenen ab 65 Jahren mit Gehschwierigkeiten.

Eine 44-köpfige Interventionsgruppe absolvierte zwölf Wochen lang das tägliche, etwa vierminütige Trainingsprogramm FAST-2. Im Vergleich zur 53 Personen umfassenden Kontrollgruppe erzielte die Trainingsgruppe im 30-Sekunden-Stuhltest im Schnitt 4,2 Wiederholungen mehr, stand 3,6 Sekunden länger auf einem Bein und benötigte für fünfmaliges Aufstehen und Hinsetzen 2,3 Sekunden weniger. Das Ergebnis bezog sich ausschließlich auf funktionelle Leistungsfähigkeit, nicht auf Herz-Kreislauf-Fitness oder Gewebezusammensetzung.

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