Sarkopenie: Griffkraft über 24 kg senkt Sterberisiko um 33%
03.07.2026 - 12:36:16 | boerse-global.de
Juli rückt ein stilles Gesundheitsrisiko in den Fokus: den Verlust von Muskelmasse. Schon ab 40 Jahren beginnt der Abbau – und die Folgen sind gravierend.
Fachgesellschaften wie die Österreichische Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie (ÖGGG) schlagen Alarm. Rund zehn Prozent der 60-Jährigen sind betroffen, bei den über 80-Jährigen steigt der Anteil auf 50 Prozent. Die Folgen reichen von Gangunsicherheit und Stürzen bis zu erhöhter Gebrechlichkeit und gesteigerter Sterblichkeit.
Griffkraft als Lebensindikator
Eine Langzeitstudie der Women's Health Initiative mit 5.472 Teilnehmerinnen zwischen 63 und 99 Jahren liefert konkrete Zahlen. Über durchschnittlich 8,3 Jahre beobachteten Forscher: Frauen mit einer Griffkraft über 24 Kilogramm hatten ein um 33 Prozent geringeres Sterberisiko als die schwächste Gruppe mit unter 14 Kilogramm.
Noch deutlicher: Eine Steigerung der Griffkraft um sieben Kilogramm reduzierte die Sterblichkeit um zwölf Prozent. Auch der Aufsteh-Test erwies sich als verlässlicher Marker. Wer fünfmal in unter 11,1 Sekunden vom Stuhl aufsteht, senkt sein Risiko um 37 Prozent – im Vergleich zu Personen, die länger als 16,7 Sekunden brauchen. Diese Effekte zeigten sich unabhängig von Bewegung, Sitzzeiten oder Entzündungswerten.
Hitze und Bewegungsmangel als Gefahrenmix
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Ein internationales Konsortium aus 40 Wissenschaftlern warnt vor den Risiken von Inaktivität bei hohen Temperaturen. In Wiener Senioren-Wohnungen wurden Spitzenwerte über 34 Grad gemessen. Thomas E. Dorner, seit 1. Juli Professor für Gerontologie an der MedUni Wien, empfiehlt mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche – aber ohne direkte Sonneneinstrahlung.
Die volkswirtschaftlichen Kosten sind enorm. Rund 70 Prozent der Österreicher bewegen sich zu wenig. Eine Halbierung dieser Inaktivität könnte jährlich 1,2 Milliarden Euro und 1,6 Millionen Krankenhausaufenthalte einsparen. Gefordert wird eine integrierte Gesundheits- und Klimapolitik mit barrierefreien Gehwegen und besserer thermischer Sanierung von Wohnraum.
Krafttraining ab 40 als Prävention
Mediziner empfehlen gezieltes Krafttraining – besonders ab 40. Übungen wie Kniebeugen, Ausfallschritte oder Liegestütze erhalten die Knochendichte und beugen Osteoporose-Frakturen vor, von denen jede zweite Frau über 50 betroffen ist. Idealerweise zwei- bis dreimal pro Woche, ergänzt durch eiweißreiche Ernährung und Vitamin D.
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Auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gibt es neue Angebote. „Rollastic“ – ein Gymnastikprogramm für Rollatornutzer – wurde im Mai 2025 auf einer Fachmesse vorgestellt und soll ab Spätsommer 2025 breiter verfügbar sein. Parallel eröffneten am 1. Juli neue Primärversorgungseinheiten in St. Pölten und Purkersdorf mit multiprofessionellen Teams aus Physiotherapie und Psychologie.
Initiativen wie „Bewegt im Park“ fördern den niederschwelligen Zugang zu Sport. In städtischen Grünanlagen gibt es bis September 2026 kostenlose Bewegungseinheiten wie Qigong – für soziale Teilhabe und körperliche Aktivität in allen Altersgruppen.
