Sandworm-Angriffe, Russische

Sandworm-Angriffe: Russische Hacker tarnen Malware als CAPTCHA

Veröffentlicht am: 16.07.2026 um 23:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hacker tarnen Malware als CAPTCHAs und Business-Apps. Sandworm, UAT-11795 und ClickLock Stealer gefährden Unternehmen und Privatnutzer.

Cyberangriffe auf Deutschland: Getarnte Schadsoftware im Vormarsch
Verschattete Gestalt in Kapuzenjacke tippt auf Laptop, grüner Code spiegelt sich in den Augen, digitale Sicherheitssymbole schweben umher. Illustration mit AI erstellt.

Staatliche Hacker und professionelle Cyberkriminelle setzen verstärkt auf eine perfide Masche: Sie tarnen Schadsoftware als harmlose Systemabfragen oder gecrackte Business-Programme. Die Angriffswelle rollt über die Ukraine, Europa und Amerika – und erreicht nun auch Deutschland.

Sandworm im Visier: Ukrainische Webseiten als Köder

Das ukrainische Computer-Notfallteam CERT-UA schlug am heutigen Donnerstag Alarm. Seit dem Frühjahr 2026 kapert die russische Elite-Gruppe Sandworm gezielt Webseiten – mindestens zehn sind bereits kompromittiert. Besucher werden dort mit einem gefälschten CAPTCHA konfrontiert, das sie auffordert, einen PowerShell-Befehl auszuführen.

Wer der Anweisung folgt, lädt unbemerkt Schadsoftware wie GhettoVibe und ScoutCurl herunter. Die Infektionskette ist raffiniert: Zuerst installiert sich GhettoVibe, dann folgt ScoutCurl zur Ausspähung des Systems. Weitere Schädlinge wie FreakyPoll, FluidLeech und LoadLoop runden das Arsenal ab. Besonders perfide: Sandworm hat auch Android-Nutzer im Visier und verteilt gefälschte Sicherheits-Apps.

Trojanisierte Business-Software: Von WebEx bis Zoom

Parallel dazu treibt eine Gruppe namens UAT-11795 ihr Unwesen. Seit Juni 2025 verteilt sie manipulierte Installationsdateien beliebter Geschäftsanwendungen – darunter WebEx, Zoom, MobaXterm, DBeaver und FaceIT. Die Opfer: Unternehmen und Privatnutzer in den USA, Deutschland, Rumänien und Venezuela.

Hinter den scheinbar harmlosen Installern verbirgt sich der Starland Remote Access Trojan (RAT). Er stiehlt Zugangsdaten und Kryptowährungen – und schleust bei Bedarf weitere Schädlinge wie CastleStealer oder Remcos RAT nach. Die Hacker sichern ihre Kommandozentrale mit einer ausgeklügelten Fallback-Strategie ab: Sie nutzen Polygon-Smart-Contracts, um die Kontrolle über infizierte Geräte zu behalten.

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Mac-Nutzer im Visier: ClickLock Stealer legt Systeme lahm

Die Clickfix-Masche hat längst das Apple-Ökosystem erreicht. Seit Mai 2026 treibt der ClickLock Stealer sein Unwesen – mindestens 100 Opfer in 33 Ländern sind bestätigt, mehr als die Hälfte davon in Europa.

Der Angriff tarnt sich als Cloudflare-Überprüfung. Ist das System erst infiziert, startet die Malware eine sogenannte „Kill-Loop“: Sie beendet immer wieder essentielle macOS-Prozesse – Finder, Dock und Webbrowser. Bis zu 83 Stunden lang, oder bis das Opfer sein System-Passwort in ein gefälschtes Fenster eingibt. Das Ziel: Keychain-Daten, Browser-Zugänge und über 30 Kryptowährungs-Wallets. Die gestohlenen Daten werden per Telegram abfließen.

Malware-as-a-Service: TELEPUZ kommt als Baukasten

Seit Ende April 2026 verbreitet sich ein neuer modularer Schadsoftware-Baukasten namens TELEPUZ. Die Infektion startet klassisch per Clickfix: Ein PowerShell-Befehl lädt den Vidar-Stealer, der wiederum den TELEPUZ-Starter nachlädt.

TELEPUZ ist in C programmiert und extrem schwer zu entdecken. Die Software prüft, ob sie in einer virtuellen Maschine läuft, filtert Länder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten aus und umgeht Sicherheitsmonitore. Ihre Fähigkeiten: Keylogging, Screenshots, Web-Injection und Dateimanipulation. Auch hier dienen Telegram, Steam, DNS und Polygon-Smart-Contracts als Ausweich-Kanäle für die Steuerung.

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Gamaredon: Die alte Schule lebt noch

Während Clickfix derzeit die Schlagzeilen dominiert, bleibt die russische FSB-Gruppe Gamaredon ihren Methoden treu. Im Juli 2026 nutzt sie eine Sicherheitslücke in WinRAR (CVE-2025-8088), um ukrainische Ziele anzugreifen. Die Schädlinge GammaWorm und GammaSteel werden per VBScript verteilt. GammaWorm kommuniziert über Telegram, GammaSteel nutzt AWS S3-Buckets zum Abtransport gestohlener Daten.

Die Botschaft der Sicherheitsexperten ist klar: Ob gefälschtes CAPTCHA, trojanisierte Software oder ausgenutzte Schwachstellen – die Angreifer werden kreativer und dreister. Unternehmen und Privatnutzer sollten bei unerwarteten Systemabfragen und Downloads äußerste Vorsicht walten lassen.

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