Salzkonsum, Männern

Salzkonsum bei Männern: Langzeitstudie findet schnelleren Gedächtnisverlust

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 08:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Höhere Natriumaufnahme ging bei älteren Männern mit schnellerem Verlust des episodischen Gedächtnisses einher; bei Frauen zeigte sich kein ähnlicher Befund.
Minimalistische, helle Laborumgebung mit Fokus auf Licht und Schatten. Illustration mit AI erstellt.

Die Auswirkungen der Ernährung auf die kognitiven Fähigkeiten stehen zunehmend im Fokus der medizinischen Forschung. Im Zentrum des Interesses steht dabei häufig der Salzkonsum.

Eine Langzeituntersuchung der australischen Edith Cowan University liefert nun differenzierte Daten darüber, wie sich die Natriumaufnahme auf das Gedächtnis älterer Menschen auswirkt. Ergänzt werden diese epidemiologischen Beobachtungen durch experimentelle Laborstudien, die den biologischen Signalwegen zwischen Darm, Gefäßen und Gehirn nachgehen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei älteren Erwachsenen

Wissenschaftler der Edith Cowan University beobachteten über einen Zeitraum von 72 Monaten mehr als 1.200 ältere Erwachsene, die zu Beginn der Untersuchung keine kognitiven Einschränkungen aufwiesen. Die Natriumaufnahme wurde zu Studienbeginn mittels Selbstauskunft erfasst, während der Verlauf der kognitiven Leistungsfähigkeit durch regelmäßige Tests dokumentiert wurde.

In der Gesamtgruppe der Probanden zeigte sich kein deutlicher Zusammenhang zwischen der Natriumaufnahme und einem allgemeinen kognitiven Abbau. Bei einer getrennten Betrachtung der Geschlechter traten jedoch deutliche Unterschiede zutage: Männer mit einer höheren Natriumaufnahme verloren schneller das episodische Gedächtnis.

Bei Frauen hingegen ließ sich kein vergleichbarer Zusammenhang feststellen. Zudem konsumierten Männer im Schnitt mehr Natrium und wiesen einen höheren diastolischen Blutdruck auf. Der Zusammenhang mit dem Gedächtnisverlust blieb jedoch auch nach der statistischen Berücksichtigung des Blutdrucks erkennbar.

Dr. Samantha Gardener von der Edith Cowan University bezeichnete die Ergebnisse als erste Hinweise und betonte die Notwendigkeit weiterer Forschung. Das Team verwies zudem auf methodische Grenzen der Untersuchung: Die Daten basieren auf Selbstauskünften zu Studienbeginn, Natrium wurde nicht wiederholt gemessen, und eine Kausalität lässt sich aus den Beobachtungsdaten nicht ableiten.

Anzeige

Wer sich mit dem Einfluss der Ernährung auf die geistige Fitness befasst, findet in diesem kostenlosen Ratgeber wertvolle Tipps zur Demenzvorbeugung und Alltagsübungen für ein starkes Gedächtnis. 7 Geheimnisse für mentale Fitness jetzt kostenlos entdecken

Experimentelle Befunde zu extremen Salzmengen

Parallel zu Beobachtungsdaten an Menschen untersuchen Labore die zellulären Mechanismen eines abweichenden Salzkonsums. Eine Untersuchung der Zhejiang University im Fachjournal Food Research International analysierte 32 männliche Mäuse mit menschlicher Darmflora über 14 Wochen hinweg.

Die Tiere erhielten Futter mit 0,1 Prozent (salzarm), 0,5 Prozent (normal) oder 8 Prozent Salz (salzreich), wobei die Forscher betonten, dass diese Prozentwerte nicht direkt auf die menschliche Ernährung übertragbar sind.

Sowohl die extrem salzarme als auch die stark salzreiche Ernährung verschlechterten im Vergleich zur Kontrollgruppe das Kurzzeit- und Wiedererkennungsgedächtnis, was in Tests wie dem Y-Labyrinth und Objekterkennungstests sichtbar wurde. Auf molekularer Ebene fanden sich im Hippocampus geringere Werte von SYN1, PSD95 und BDNF sowie eine gedämpfte CREB-Aktivität.

Beide Extreme führten zudem zu einem Rückgang von Propionat und Butyrat im Darm. Bei salzarmer Nahrung sanken zusätzlich Acetat und Isobutyrat ohne Anzeichen einer systemischen Entzündung, während die salzreiche Gruppe vermehrt entzündungsfördernde Darmbakterien, Entzündungsbotenstoffe im Blut sowie Störungen im Lipidstoffwechsel aufwies.

Anzeige

Da ein erhöhter Blutdruck oft mit Ernährungsgewohnheiten einhergeht und langfristig das Gehirn belasten kann, bietet dieser Fachbericht natürliche Strategien zur Regulierung der Werte ohne Medikamente. 8 Maßnahmen gegen Bluthochdruck gratis als PDF sichern

Die Übertragbarkeit auf den Menschen bleibt jedoch offen, da klinische Studien fehlen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen weiterhin, täglich weniger als 5 Gramm Salz zu sich zu nehmen.

Gefäß- und Nervenprozesse im Tiermodell

Frühere Untersuchungen verdeutlichen ähnliche Signalwege: Arbeiten um Faraco et al., veröffentlicht in Fachjournalen wie Nature Neuroscience (2018) und Nature (2019), testeten an männlichen Mäusen über zwölf Wochen Futter mit 4 oder 8 Prozent Salz kombiniert mit 1 Prozent Salz im Trinkwasser.

Die Tiere zeigten eine schwächere Objekterkennung ohne statistisch gesicherte Blutdrucksteigerung. Im Darm vermehrten sich TH17-Zellen, im Blut stieg IL-17, und in den Hirngefäßen sank das Stickstoffmonoxid, was den Hirnblutfluss reduzierte. Ein IL-17-blockierender Antikörper konnte diese Gefäßstörungen und Defizite verhindern.

Vier Wochen nach der Rückkehr zu normalem Futter verbesserten sich die Testwerte wieder. Im Jahr 2019 stellten die Forscher zudem fest, dass Salz die Tau-Phosphorylierung förderte, während Tau-Knockouts oder Tau-Antikörper kognitiven Defiziten vorbeugten.

An der japanischen Fujita Health University zeigten Untersuchungen unter Prof. Akihiro Mouri und Dr. Hisayoshi Kubota (Neurochemistry International), dass salzreiche Nahrung bei Nagern zu Bluthochdruck, reduzierten sozialen Interaktionen und schlechterer Objekterkennung führte, während Motorik und Angstverhalten unbeeinflusst blieben.

Der Wirkstoff LPC70, eine konzentrierte Form eines Sojalecithin-Bestandteils, senkte den Blutdruck und besserte das Abschneiden in den Verhaltenstests. In den Nieren senkte der Salzüberschuss COX-2 und EP3, LPC70 reduzierte beide weiter; im präfrontalen Cortex stellte der Wirkstoff den durch Salz verringerten Rezeptor DP1 wieder her.

Bei hohem Natriumspiegel sank zudem die Arachidonsäure, während nach Gabe von LPC70 die Prostaglandinproduktion zunahm. Auch hier betonen die Forscher, dass vor einer klinischen Anwendung am Menschen noch weitere Studien erforderlich sind.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70412612 |