Säureblocker: 65 Prozent höheres Risiko für Vitamin-B12-Mangel
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 07:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rund ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland nimmt regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel ein. Allerdings warnen mehrere aktuelle Berichte vor teils erheblichen Risiken: Neben mangelnder Produktqualität bei bestimmten Vitamin- und Kalziumpräparaten drohen vor allem gefährliche Wechselwirkungen, wenn Supplemente unbedacht mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln kombiniert werden.
Bekannte Wechselwirkungen zwischen Präparaten und Medikamenten
Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann die Wirkung von Arzneimitteln spürbar verändern oder Nebenwirkungen verstärken. Nach Angaben von Rundum gesund bestehen beispielsweise bei drei Kombinationen erhebliche Risiken: Hoch dosiertes Vitamin E kann laut den US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern das Blutungsrisiko steigern. Werden Vitamin-A-Präparate zusammen mit dem Aknemedikament Isotretinoin verwendet, drohen Überdosierungsbeschwerden.
Zudem kann Magnesium die Aufnahme von Bisphosphonaten beeinträchtigen, weshalb zwischen der Einnahme von Magnesium und dem Medikament ein Abstand von mindestens zwei Stunden eingehalten werden sollte. Grundsätzlich sollten Patientinnen und Patienten solche Präparate mit einer Arztpraxis oder Apotheke abstimmen.
Auch Säureblocker greifen in die Nährstoffaufnahme ein: Eine US-Studie mit rund 26.000 Betroffenen zeigte, dass eine Einnahme von Protonenpumpenhemmern über mindestens zwei Jahre mit einem um 65 % erhöhten Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel einherging.
Eine langfristige Säurehemmung beeinträchtigt demnach die Aufnahme des Vitamins aus der Nahrung. Da etwa jeder Vierte über 65 Jahren von einem B12-Mangel betroffen ist, wird empfohlen, den Versorgungsstatus ärztlich prüfen zu lassen und die weitere Notwendigkeit der Säureblocker zu hinterfragen.
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Qualitätsmängel und überhöhte Dosierungen
Die Verbraucherzentrale hebt hervor, dass Nahrungsergänzungsmittel rechtlich als Lebensmittel gelten und kein behördliches Zulassungsverfahren wie Arzneimittel durchlaufen. Die Meldung beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wird lediglich auf formale Vollständigkeit überprüft. Hoch dosierte Produkte bergen die Gefahr einer unnötig hohen Nährstoffzufuhr.
Für die Mehrheit gesunder Menschen reicht eine ausgewogene Ernährung aus; ein Zusatznutzen besteht meist nur in Sondersituationen wie einer Schwangerschaft (Folsäure), bei veganer Ernährung (Vitamin B12) oder bei medizinisch diagnostizierten Mangelzuständen. Vitamin C wiederum verhindert Erkältungen nach aktueller Datenlage nicht, sondern kann allenfalls Dauer und Schwere geringfügig beeinflussen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt Höchstmengen je Tagesdosis für Erwachsene sowie Jugendliche ab 15 Jahren:
- Vitamin C: 250 µg
- Vitamin D: 20 µg
- Vitamin E: 30 mg
- Vitamin B6: 0,9 mg
- Magnesium: 250 mg (verteilt auf mindestens zwei Portionen)
Dass diese Vorgaben im Handel oft ignoriert werden, zeigte eine Untersuchung von Öko-Test gemeinsam mit Fachleuten der Goethe-Universität Frankfurt an 28 Magnesiumpräparaten.
Jedes zweite Produkt überschritt die empfohlene Höchstmenge von 250 mg Magnesium pro Tag, ein Mittel wies sogar 400 mg täglich aus. In vier Produkten wurde zudem Talkum nachgewiesen, das von der IARC als möglicherweise krebserregend eingestuft wird.
Acht Präparate enthielten synthetische Süßungsmittel; ferner fanden sich Carboxymethylcellulose und Polysorbat 80, Stoffe, die in Tierstudien die Darmflora beeinträchtigten. Öko-Test hält eine Magnesiumsupplementierung bei gesunden Personen für unnötig, da sie Muskelkrämpfen nicht vorbeuge.
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Risiken bei Schmerzmitteln und Detox-Kuren
Zusätzliche Gefahren entstehen durch den unkritischen Konsum frei verkäuflicher Mittel im Alltag. Berichte von sport.de warnen vor einer routinemäßigen Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen rund um sportliche Belastungen. Diese Wirkstoffe können Magen-Darm-Trakt und Nieren schädigen.
Ibuprofen wechselwirkt zudem mit Blutdrucksenkern, Gerinnungshemmern und anderen NSAR. Eine Übersichtsarbeit von 2024 verdeutlicht, dass NSAR in Kombination mit Dehydrierung das Risiko für Nierenschäden vergrößern. Bei Paracetamol drohen bei Überschreitung der Tagesdosis schwere Leberschäden.
Auch sogenannte Detox-Mischungen mit Zutaten wie Zitronenschale, Zimt oder Ingwer entgiften laut medizinischer Einordnung durch das OP-Zentrum Leipzig keineswegs die Leber, da Entgiftungsprozesse dauerhaft über Leber und Nieren ablaufen.
Größere Mengen solcher Getränke können zu Magenbeschwerden führen und Wechselwirkungen auslösen, weshalb insbesondere bei Einnahme von Blutverdünnern oder Diabetesmedikamenten ärztlicher Rat eingeholt werden sollte.
