Rückenmarkverletzungen, Training

Rückenmarkverletzungen: Training senkt chronische Schmerzen nach sechs Monaten

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 22:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein betreutes Bewegungsprogramm verringerte bei einigen Betroffenen Schmerzen; größere Untersuchungen sollen die Ergebnisse noch bestätigen.
Ein heller, moderner Physiotherapieraum mit Trainingsgeräten und Blick in den Wald, der eine ruhige Atmosphäre vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Körperliche Aktivität gilt in der Rehabilitation seit Langem als wichtiger Baustein, doch belastbare Belege für spezifische Patientengruppen blieben bislang oft lückenhaft. Eine Untersuchung der UBC Okanagan, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Archives of Physical Medicine and Rehabilitation, liefert nun erste Erkenntnisse aus einer randomisierten kontrollierten Studie.

Die Wissenschaftler untersuchten dabei gezielt, ob die Einhaltung internationaler Bewegungsrichtlinien für Menschen mit Rückenmarkverletzungen chronische Schmerzen verringern kann.

Signifikante Schmerzreduktion im Studienverlauf

An der Untersuchung der UBC Okanagan nahmen 46 Erwachsene teil, die infolge einer Rückenmarkverletzung unter chronisch neuropathischen oder muskuloskelettalen Schmerzen litten. Während eine Hälfte der Probanden ihre gewohnte Aktivität fortsetzte, absolvierte die andere Gruppe ein personalisiertes Ausdauer- und Kraftprogramm. Dieses wurde von zertifizierten Trainern begleitet und durch eine wöchentliche Bewegungsberatung ergänzt.

Bei der Auswertung zeigte sich für das primäre Schmerzmaß, das die Schwere und die allgemeine Beeinträchtigung kombiniert erfasst, ein uneindeutiges Bild. Auf dem spezifischen Schmerzintensitätsmaß für Rückenmarkverletzungen dokumentierten die Forscher hingegen nach drei sowie nach sechs Monaten eine signifikante Abnahme.

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Nach sechs Monaten verzeichneten 8 von 18 Personen in der Trainingsgruppe eine klinisch bedeutsame Schmerzreduktion von mindestens 30 Prozent. In der Kontrollgruppe traf dies lediglich auf 2 von 16 Teilnehmenden zu. Darüber hinaus wies die Trainingsgruppe nach drei Monaten eine geringere Schmerzbeeinträchtigung im Alltag sowie bei der Stimmung auf und berichtete über eine höhere Vitalität.

Erschwert wurde die Durchführung durch externe Faktoren: Die Rekrutierung musste aufgrund von COVID-19 und Waldbränden auf 46 Personen begrenzt werden, nachdem ursprünglich 84 Teilnehmende vorgesehen waren. Studienleiterin Dr. Kathleen Martin Ginis ordnete die Befunde vorsichtig ein und hielt fest, dass Bewegung kein Allheilmittel darstelle und zur weiteren Bestätigung größere Studien erforderlich seien.

Breiter wissenschaftlicher Nutzen gezielter Bewegung

Die UBC-Okanagan-Untersuchung reiht sich in ein wachsendes Feld von Arbeiten ein, die den Stellenwert körperlicher Aktivität bei Schmerzzuständen untermauern. Eine umfassende Übersichtsarbeit in PAIN Reports, die 157 Reviews mit 2.736 Einzelstudien und 221.279 Teilnehmern zusammenfasste, verdeutlicht die generelle Tragweite dieses Ansatzes.

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Die Hauptanalyse von 144 Meta-Analysen mit mehr als 197.000 Personen zeigte eine große, statistisch signifikante Schmerzreduktion im Vergleich zu inaktiven Kontrollgruppen.

Die Auswertungen in PAIN Reports belegen Vorteile bei diversen Krankheitsbildern, darunter Rückenschmerzen, Osteoarthritis, Fibromyalgie, rheumatoide Arthritis, Kopfschmerzen und Migräne sowie krebs- und schwangerschaftsbedingte Beschwerden.

Verschiedene Bewegungsformen wie Aerobic, Krafttraining, Pilates, Yoga, Tai-Chi oder Wassergymnastik erwiesen sich als wirksam, wobei niedrigintensive Einheiten im Mittel größere Effekte erzielten als mittlere oder hohe Intensitäten. Programme mit einer Dauer von unter zwölf Wochen und einem wöchentlichen Umfang von unter 120 Minuten wiesen dabei besonders deutliche Schmerzreduktionen auf.

Dass körperliche Aktivität eine zentrale Rolle in der Versorgung spielen sollte, unterstreichen auch Schmerzmediziner. Rudolf Likar vom Klinikum Klagenfurt, Generalsekretär der Österreichischen Schmerzgesellschaft, verweist auf multimodale, interdisziplinäre Konzepte aus Medikamenten, Bewegung, Physiotherapie sowie psychologischen und physikalischen Verfahren als wirksamste Therapieform.

Nach seiner Einschätzung ließen sich mindestens 30 Prozent der chronischen Schmerzzustände durch regelmäßige Bewegung verhindern. Dennoch behandeln Schmerzambulanzen, wie Likar mit Blick auf Österreich feststellt, Betroffene weiterhin zu rund drei Vierteln primär mit oralen Medikamenten.

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