Robotik-Boom, Amazon

Robotik-Boom: Amazon investiert 10 Milliarden in europäische Logistik

09.06.2026 - 04:39:26 | boerse-global.de

Amazon, NVIDIA und Koenig & Bauer treiben mit Milliardeninvestitionen die No-Code-Robotik und Physical AI voran.

Automatisierungsbranche: Milliarden-Investments und No-Code-Robotik im Juni 2026
Robotik-Boom - Robotic arms working on a production line in a modern, automated factory, symbolizing no-code robotics and autonomous factories. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Millionenschwere Partnerschaften und Milliardeninvestitionen prägen die Automatisierungsbranche im Juni 2026.

Die globale Industrie erlebt einen historischen Wandel. Gleich mehrere Großkonzerne und Technologieunternehmen kündigten Anfang Juni strategische Allianzen und Investitionen in Milliardenhöhe an. Ziel ist die Bekämpfung des Fachkräftemangels durch „Physical AI“ – autonome Systeme, die kaum noch Programmierkenntnisse erfordern.

No-Code-Robotik erobert die Produktion

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Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer und der Robotikspezialist RobCo gaben am 8. Juni eine strategische Partnerschaft bekannt. Gemeinsam wollen sie No-Code-Robotik in die Druck- und Verpackungsbranche bringen. Das Projekt ist Teil des „IMPACT“-Rahmenprogramms und zielt auf den Bereich der Druckweiterverarbeitung ab – von der Materialzuführung bis zur Palettierung. Die erste Kundeninstallation ist für das erste Quartal 2027 geplant. „Wir reagieren damit direkt auf den weltweiten Mangel an Fachkräften“, heißt es aus dem Unternehmen.

Parallel dazu präsentierte das Detroit-Startup Inbolt neue KI-gestützte Bildverarbeitungsfunktionen. Die Module „Robot Programming“ und „Robot Guidance“ erzeugen Roboterbahnen direkt aus CAD-Modellen. Was früher Wochen dauerte, soll künftig in einem einzigen Durchlauf möglich sein. Die Technologie ist bereits für Marken wie FANUC, Universal Robots und Yaskawa verfügbar und wird bei Stellantis, General Motors und Toyota eingesetzt. Auf der Messe Automate 2026 in Chicago will Inbolt die Neuerungen Ende Juni vorstellen.

Amazon investiert Milliarden in Europa

Ein besonders dickes Brett bohrt Amazon. Der Online-Riese kündigte am 8. Juni Investitionen von über zehn Milliarden Euro für den Ausbau seines europäischen Logistiknetzes an. Im Zentrum stehen neue Robotersysteme, die bis Ende des Jahrzehnts rund 25.000 Arbeitsplätze schaffen sollen.

Als Teil dieser Offensive kommt der autonome Roboter Proteus 2.0 zum Einsatz – geplant für die erste Jahreshälfte 2027. Weltweit betreibt Amazon bereits über eine Million Roboter. Das „STARK“-Robotiksystem soll bis 2027 auf 15 europäische Standorte ausgeweitet werden. Zusätzlich integriert Amazon das „Vulcan“-Modell in Logistikzentren wie das in Hamburg.

NVIDIA treibt „Physical AI“ voran

Der Chip-Riese NVIDIA forciert seine Strategie im Bereich „Physical AI“ mit zwei Großprojekten. Gemeinsam mit der LG Group entsteht eine KI-Fabrik, die Entwicklungen in Robotik, autonomem Fahren und GPU-Cloud-Diensten beschleunigen soll. NVIDIAs Plattformen Isaac Sim und GR00T werden in LGs Robotik-Entwicklung integriert – inklusive des Haushaltsroboters CLOiD.

Auch der südkoreanische Doosan-Konzern weitet seine Zusammenarbeit mit NVIDIA auf vier Geschäftsbereiche aus. Doosan Robotics entwickelt ein „Agentic Robot OS“ auf Basis von NVIDIA-Bibliotheken – mit dem Ziel, die Einsatzgeschwindigkeit um 30 Prozent zu steigern. Doosan Enerbility prüft den Einsatz von Gasturbinen und kleinen modularen Reaktoren (SMRs) zur Stromversorgung der stromhungrigen „DSX“-KI-Fabriken. Doosan Electro-Materials wiederum liefert Spezial-Kupferfolien-Laminate für NVIDIAs MGX-Plattform. Die Massenproduktion in einer neuen thailändischen Fabrik soll 2028 anlaufen.

Zur Unterstützung dieser Ökosysteme launchte NVIDIA am 8. Juni „Cosmos 3“ – ein offenes „World Foundation Model“. Es nutzt eine Mixture-of-Transformers-Architektur und vereint Text, Bilder, Video und physische Aktionen. Das Ziel: kürzere Trainingszeiten für autonome Fahrzeuge und Industrieroboter.

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Rekordzahlen und neue Dynamik

Der Investitionsschub folgt auf ein Rekordquartal für die Automatisierungsbranche. In Nordamerika wurden im ersten Quartal 2026 58.400 Roboter bestellt – ein Plus von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Investitionsausgaben für Fabrikautomation stiegen bei S&P-500-Unternehmen 2025 um 28 Prozent, für 2026 wird ein weiteres Plus von 22 Prozent erwartet.

Analysten führen das Wachstum auf mehrere Faktoren zurück: den US-amerikanischen CHIPS Act, den Inflation Reduction Act und hohe Zölle auf chinesische Importe. Die Beschäftigung in der Fertigung blieb mit rund 13,1 Millionen Arbeitnehmern stabil – doch die Produktivität pro Arbeiter stieg seit 2023 um 18 Prozent. Und: In hochautomatisierten Fabriken liegen die Löhne inzwischen 23 Prozent über denen traditioneller Werke.

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