Rivian und autonomes Fahren: Täglich fließen 400.000 Datensequenzen ein
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer US-amerikanische Elektrofahrzeughersteller Rivian baut seine Kapazitäten im Bereich des autonomen Fahrens durch einen Zukauf in Europa aus. Wie aus Berichten vom 22. Oktober 2026 hervorgeht, übernimmt das Unternehmen das britische Startup Third Dimension. Die junge Firma ist auf sogenannte World Models spezialisiert. Angaben zum Kaufpreis machten die beteiligten Parteien nicht.
Third Dimension wurde 2024 von Tolga Kart und Piotr Sokólski gegründet und beschäftigte zuletzt 15 Mitarbeiter. Vor der Übernahme hatte sich das Unternehmen eine Seed-Finanzierung in Höhe von 7 Mio. US-Dollar gesichert, an der unter anderem Abstract Ventures, MVP, Soma Capital und Solari Capital beteiligt waren.
Virtuelle Welten für komplexe Fahrsituationen
Die Technologieplattform von Third Dimension wandelt reale Fahrdaten in hochauflösende und steuerbare 3D-Umgebungen um. Dies ermöglicht die Generierung synthetischer Daten sowie umfassende Simulationen ganzer Umgebungen, wodurch sich komplexe Verkehrsszenarien gezielt skalieren lassen.
Rivian verfolgt mit der Integration das Ziel, Trainings- und Validierungsdaten für Fahrerassistenzsysteme sowie künftige Robotaxis zu gewinnen. Auf diese Weise sollen auch seltene und kritische Grenzfälle im Straßenverkehr digital abgebildet werden, ohne auf entsprechende Vorkommnisse im realen Fahrbetrieb warten zu müssen.
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Im Zuge der Übernahme wechseln sowohl die Führung als auch das gesamte technische Team von Third Dimension zu Rivian. Sie werden in die Einheit für Autonomie und künstliche Intelligenz unter der Leitung von James Philbin integriert, der als Senior Vice President den Bereich verantwortet. Gleichzeitig dient die Übernahme dem weiteren Ausbau des KI-Standorts von Rivian in London.
Simulationen ergänzen täglich wachsende Datenmengen
Nach Angaben von Philbin fließen dem Hersteller bereits heute täglich über 400.000 Datensequenzen aus bestehenden Kundenflotten zu. Diese Daten stammen aus Modellen wie dem Pick-up R1T, dem SUV R1S, den elektrischen Lieferwagen sowie Entwicklungsfahrzeugen des R2. Simulationen seien jedoch von zentraler Bedeutung für das Training und die Absicherung der Systeme, da sie die Autonomie-Pläne für Privatfahrzeuge wie auch für kommerzielle Mobilitätsdienste stärken. Die neue Technologie ermögliche es, anspruchsvolle Verkehrssituationen digital exakt nachzustellen und äußere Bedingungen gezielt zu variieren.
Für seine Serienfahrzeuge plant Rivian schrittweise Erweiterungen der Assistenzfunktionen. Das sogenannte Universal Hands-Free-System, das derzeit auf Autobahnen beschränkt ist, soll bis zum Jahresende 2026 auf komplette Fahrten inklusive des Stadtverkehrs ausgeweitet werden, wobei der Fahrer das Geschehen weiterhin überwachen muss.
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Darüber hinaus verfolgt der Hersteller längerfristige Pläne im Ride-Hailing-Sektor: Vollautonome Robotaxis auf Basis des kommenden Modells R2 sollen im Jahr 2028 über die Uber-App ihren Dienst aufnehmen.
