Rindfleisch und Tofu: 64,19 zu 0,61 Kilo CO? pro 100 Gramm Protein
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 01:54 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei der Auswahl von Proteinquellen blicken Verbraucher und Fachkreise zunehmend auf mehr als reine Mengenangaben auf Verpackungen. Anstelle der reinen Grammzahl rückt die ganzheitliche Qualität in den Fokus, bei der sowohl gesundheitliche Kennzahlen als auch ökologische Faktoren berücksichtigt werden.
Eine in der Fachzeitschrift Frontiers in Sustainable Food Systems erschienene Analyse von Chris MacDonald von der Universität Cambridge in Kooperation mit dem Better Protein Institute veranschaulicht diesen differenzierten Ansatz anhand des sogenannten BPI-Scores für 20 verschiedene Eiweißquellen.
Methodik des BPI-Scores: Gesundheit und Ökologie im Blick
Das Bewertungssystem des Forschers teilt sich in zwei Hauptbereiche auf: den People Score und den Planet Score. Im Bereich der gesundheitlichen und ökonomischen Faktoren berücksichtigt die Auswertung Kriterien wie Natrium, gesättigte Fettsäuren, Cholesterin, das Vorhandensein aller neun essenziellen Aminosäuren sowie den Preis und die generelle Verfügbarkeit. Der ökologische Teil bewertet den Ausstoß von Treibhausgasen, Wasserverschmutzung sowie den Verbrauch von Land und Süßwasser.
In der Gesamtwertung erreicht Tofu mit 36 von 40 möglichen Punkten den Spitzenplatz, gefolgt von Bohnen, Chiasamen und Quinoa. Am unteren Ende des Spektrums finden sich tierische Produkte wie Mozzarella, Lammfleisch, Rindfleisch und Cheddar.
MacDonalds Berechnungen verdeutlichen insbesondere bei den Umweltauswirkungen erhebliche Unterschiede: Während 100 Gramm Protein aus Tofu rechnerisch etwa 0,61 Kilogramm Kohlenstoffdioxid verursachen und rund zwei Quadratmeter Land beanspruchen, fallen bei 100 Gramm Protein aus Rindfleisch rund 64,19 Kilogramm Kohlenstoffdioxid und eine Fläche von etwa 211 Quadratmetern an.
Portionsgrößen und praktische Einschränkungen
Trotz der deutlichen Rangfolge unterliegt das vorläufige Bewertungssystem methodischen Einschränkungen. Es handelt sich um ein wissenschaftliches Berechnungsmodell und weder um eine kontrollierte klinische Studie noch um eine offizielle Ernährungsrichtlinie. Zudem basiert die Datengrundlage auf Erhebungen in britischen Supermärkten.
Ein zentraler Punkt betrifft die Bezugsgröße: Verglichen wird einheitlich der Gehalt pro 100 Gramm Protein und nicht die übliche Portionsgröße im Alltag. MacDonald selbst beschreibt das Modell dennoch als eine solide Grundlage für eine nuanciertere Diskussion.
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Ernährungsexpertin Matthews weist in diesem Kontext auf die Diskrepanz der tatsächlichen Portionsmengen hin. So liefern 85 Gramm gekochte Hühnerbrust etwa 26 Gramm Protein, während eine halbe Tasse fester Tofu auf 10 bis 15 Gramm kommt und zwei Esslöffel Chiasamen lediglich 4 bis 5 Gramm beisteuern. Um eine Zielmenge von 25 bis 30 Gramm Eiweiß pro Mahlzeit zu decken, seien Chiasamen daher nicht die beste Hauptwahl.
Darüber hinaus betont Ernährungsexpertin Koff, dass bei der Auswahl auch die individuelle Verdauungstoleranz und persönliche Präferenzen eine Rolle spielen, da viele Menschen Tofu nur schwer verdauen. Als allgemeine Ableitung wird daher vorgeschlagen, ein bis zwei Fleischmahlzeiten pro Woche durch Hülsenfrüchte oder Tofu zu ersetzen.
Aminosäurenzusammensetzung statt reiner Grammwerte
Dass bloße Werbeaussagen wie beispielsweise „40 Gramm Protein“ auf Produktverpackungen nur bedingt Aufschluss über die tatsächliche Versorgung geben, liegt an der biochemischen Verwertbarkeit.
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Entscheidend sind die Aminosäurenzusammensetzung und das konkrete Verhältnis der acht essenziellen Aminosäuren: Leucin, Lysin, Valin, Isoleucin, Phenylalanin, Threonin, Methionin und Tryptophan. Da der menschliche Körper überschüssige Aminosäuren nicht speichern kann, werden ungenutzte Anteile teilweise zur Energiegewinnung herangezogen oder ausgeschieden.
Größere Proteinmengen sowie Begleitstoffe wie Laktose, Zuckeralkohole oder Süßungsmittel können zudem Völlegefühl und Blähungen auslösen. Für gesunde Personen lässt sich der tägliche Bedarf regulär über eine ausgewogene Ernährung abdecken, weshalb isolierte Aminosäurenpräparate keine vollwertige Mahlzeit ersetzen.
Der Trend zu High-Protein-Produkten
Die wachsende Aufmerksamkeit für das Thema spiegelt sich auch in der medialen Berichterstattung wider. Die ZDF-Dokumentation „next BITE – Proteine neu gedacht“ mit Moderator Eric Mayer hinterfragt den kommerziellen Boom rund um proteinangereicherte Puddings, Riegel, Chips und Shakes.
Gemeinsam mit Fachleuten für Sporternährung wird dort der individuelle Proteinbedarf ermittelt und der Blick auf proteinreiches Wasserbüffelfleisch, Lupinentempeh, kultivierte Pilzbällchen sowie traditionellen isländischen Skyr gerichtet.
