Rezept, Bewegung

Rezept für Bewegung: 126.000 Sportangebote für Patienten seit Mai

24.06.2026 - 20:22:27 | boerse-global.de

Brasilien, Vietnam und Deutschland integrieren traditionelle Heilmethoden und neue Berufsbilder in ihre öffentlichen Gesundheitssysteme.

Globale Trends: Komplementärmedizin in der staatlichen Gesundheitsversorgung
Rezept - Eine Gruppe von Menschen, die verschiedene ganzheitliche Wellness-Aktivitäten ausüben, darunter Akupunktur, Meditation und Kräutermedizin. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Brasilien, Vietnam und Deutschland zeigen, wie traditionelle Heilmethoden und erweiterte Berufsprofile die klassische Schulmedizin ergänzen sollen.

Brasilien setzt auf integrative Palliativversorgung

Das brasilianische Gesundheitsministerium hat eine technische Richtlinie (Nota Técnica Conjunta nº 244/2025) veröffentlicht. Sie empfiehlt die Integration von komplementären Praktiken (PICS) in die Palliativversorgung des öffentlichen Gesundheitssystems SUS. Das Spektrum reicht von Akupunktur über Meditation und Yoga bis hin zu Musik-, Kunst- und Aromatherapie. Auch Ayurveda, Hypnose und chinesische Medizin sind aufgeführt.

Bereits jetzt bieten rund 28 Prozent der medizinischen Grundeinheiten in Brasilien solche Praktiken an. Ein Schwerpunkt liegt auf der Phytotherapie – etwa Guaco gegen Husten oder die Teufelskralle zur Schmerzbehandlung. Die Angebote erstrecken sich über alle Altersgruppen, inklusive der pädiatrischen Palliativversorgung.

Vietnam: Traditionelle Medizin als Kurort-Tourismus

Die vietnamesische Provinz Lam Dong verfolgt einen anderen Ansatz. Eine im Juni 2026 verabschiedete Richtlinie sieht vor, bestehende Krankenhäuser in Fachzentren für traditionelle Medizin umzuwandeln. Kern der Initiative: die Verknüpfung von medizinischer Behandlung mit Kurorttourismus und der Schutz einheimischer Heilpflanzen.

Deutschland: Apotheken als neue Gesundheitsdienstleister

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken betonte auf dem Hauptstadtkongress im Juni 2026: Die geplante Apothekenreform sei ein wesentlicher Baustein für das System. Apotheken sollen künftig mehr als nur Medikamente abgeben – Impfungen mit Totimpfstoffen, Point-of-Care-Tests und Blutabnahmen zur Medikamentenkontrolle stehen auf dem Programm. Der Bundesrat billigte die Anpassungen bereits.

Chronisch Kranke können in Ausnahmefällen rezeptpflichtige Medikamente ohne sofortige Neuverordnung beziehen. Eine echte Entlastung für Patienten und Ärzte?

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Community Health Nurses fürs Land

Im Allgäu geht man neue Wege. In Lindenberg übernehmen akademisch qualifizierte Pflegekräfte – sogenannte Community Health Nurses – Aufgaben in der Vorsorge und Behandlung einfacherer Krankheitsbilder. Von Blasenentzündungen bis zu Impfungen. Das Modellprojekt orientiert sich an internationalen Vorbildern und soll die überlasteten Hausärzte entlasten.

Bewegung auf Rezept

Seit Mai 2026 ist das Projekt „Rezept für Bewegung“ direkt in die Praxissoftware vieler Mediziner integriert. Eine Kooperation der Deutschen Krebshilfe und des Deutschen Olympischen Sportbundes. Ärzte können Patienten nun gezielt in Sportangebote vermitteln – eine Datenbank mit über 126.000 Angeboten steht bereit.

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Phytotherapie bleibt im Fokus

In Waging wurde im Juni 2026 ein Apothekergarten eröffnet. Themenbeete zu Immunsystem und Wohlbefinden sollen die öffentliche Aufmerksamkeit für pflanzliche Heilmittel stärken. Der österreichische Kneippbund bestätigte auf seiner Mitgliederversammlung im Mai 2026: Die Traditionen bleiben zukunftsfähig durch neue Aktiv-Clubs und einen frisch gewählten Vorstand.

Milliarden für die Transformation

Die Reformen kosten Geld. Der Bund plant, den Zuschuss für versicherungsfremde Leistungen schrittweise von 250 Millionen Euro (2027) auf bis zu 1,5 Milliarden Euro (2030) zu erhöhen. Geänderte Verträge zur hausärztlichen Versorgung (HZV) fordern ab Juli 2026 eine stärkere Honorierung von Teampraxen. Zuschläge für Physician Assistants oder Primary Care Manager sollen den Einsatz nicht-ärztlicher Fachkräfte wirtschaftlich attraktiver machen.

Trotz der Investitionen bleibt die Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung eine Herausforderung. Ministerin Warken verweist auf Strukturreformen wie die Notfallreform und Digitalisierung. Belastbare Alternativvorschläge zur Finanzierung des drohenden Defizits fehlen jedoch. Für den Sommer 2026 ist ein neues Gesundheitssicherstellungsgesetz angekündigt – es soll die weiteren Rahmenbedingungen setzen.

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