Revolut-Phishing: 680 Kunden verlieren Ausweise und Selfies
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 04:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Digitalbank Revolut ist Ziel eines gezielten Identitätsbetrugs geworden, bei dem vertrauliche Kundendaten infolge einer manipulierten Behördenanfrage preisgegeben wurden. Das Unternehmen reagierte nach eigenen Angaben auf eine E-Mail, die als offizielle staatliche Anfrage getarnt war. Dabei gelangten sensible Dokumente wie Ausweiskopien und Verifizierungs-Selfies in die Hände Unbefugter.
Umfangreiche Datensätze an externe Akteure gelangt
Nach vorliegenden Informationen nutzten die Angreifer für ihre Anfrage eine legitime Behörden-Domain eines südeuropäischen Landes, für die sie über gültige Zugangsdaten verfügten. Ein technisches Eindringen in die Serverstrukturen von Revolut fand nach Unternehmensangaben nicht statt. Stattdessen wurden die Daten im Rahmen eines Social-Engineering-Angriffs durch die Bank selbst übermittelt.
Die Liste der betroffenen Informationen ist umfangreich. Dazu gehören neben Namen, E-Mail-Adressen, Postanschriften und Telefonnummern auch Geburtsdaten sowie Angaben zum Beruf.
Besonders kritisch wird die Preisgabe von Ausweiskopien – darunter Reisepässe, Führerscheine und Personalausweise – sowie von Selfies gewertet, die zur Identitätsprüfung der Kunden dienen. Darüber hinaus wurden Bankkontonummern (IBANs), Kontoauszüge, Transaktionshistorien inklusive Bitcoin-Transaktionen und Wallet-Referenzen übermittelt.
Revolut betonte, dass die biometrische Gesichtstelemetrie sowie die IT-Systeme und die eigentlichen Kundengelder nicht von dem Vorfall betroffen seien. Das Unternehmen bezeichnete den Vorfall als einen ausgeklügelten externen Identitätsbetrug.
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Erpressungsversuche und Veröffentlichungen auf Telegram
Über das genaue Ausmaß der betroffenen Kunden gibt es unterschiedliche Angaben. Während die Bank von einer begrenzten Anzahl spricht, berichten andere Quellen von mindestens 680 Kunden, die unmittelbar informiert wurden. Mark Karpelès, ehemaliger CEO von Mt. Gox, soll am 12. September im Morgengrauen eine entsprechende Benachrichtigung erhalten haben.
Die mutmaßlichen Täter haben bereits begonnen, erste Datensätze auf der Plattform Telegram zu veröffentlichen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Dort finden sich unter anderem Informationen zu Alexander Shevchenko und Felix Römer. Auch Daten eines deutschen Gründers sollen dort aufgetaucht sein.
Die Angreifer drohen damit, täglich weitere Leaks zu veröffentlichen, sollte kein Lösegeld gezahlt werden. Unbestätigten Berichten zufolge beläuft sich die Forderung auf 10,000 Bitcoin, was einem Gegenwert von mehr als 782 Millionen US-Dollar entspricht. Eine Bestätigung für diese Summe seitens der Bank oder der Ermittlungsbehörden liegt bislang nicht vor.
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Hintergrund und aufsichtsrechtliche Prüfung
Das britische Information Commissioner's Office (ICO) hat bereits Kenntnis von dem Vorfall erlangt und prüft den Sachverhalt. Revolut hat die betroffene Kommunikationsadresse gesperrt und die zuständigen Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet.
Analysen von Medienberichten aus den Niederlanden deuten darauf hin, dass neben deutschen Kunden auch Nutzer in den Niederlanden, Korea, Bulgarien und Malta betroffen sein könnten.
Die Redaktion von BNR Nieuwsradio gab an, entsprechende Datensätze aus diesen Ländern gesichtet zu haben. Revolut bestätigte das Leck gegenüber Medienvertretern, machte jedoch keine detaillierten Angaben zu den betroffenen Märkten oder der exakten Anzahl der Geschädigten.
Revolut betreut weltweit über 80 Millionen Privatkunden und rund 800.000 Geschäftskunden. In Deutschland wird die Kundenzahl auf über 3 Millionen geschätzt. Die Bank operiert in Europa mit einer Lizenz der Europäischen Zentralbank über Litauen, womit die Einlagen bis zu einer Höhe von 100.000 Euro abgesichert sind.
