Rente, Kabinett

Rente mit 68: Kabinett plant größte Reform seit Jahrzehnten

24.06.2026 - 17:40:03 | boerse-global.de

Die Bundesregierung plant eine umfassende Rentenreform mit höherem Eintrittsalter und einer neuen Kapitalrente nach schwedischem Vorbild.

Rentenreform 2026: Rente mit 68 und Ende der Frührente geplant
Rente - Nahaufnahme der Hände einer älteren Person, die einen Taschenrechner mit steigenden Zahlen hält, im Hintergrund eine verschwommene Stadtlandschaft bei Sonnenaufgang. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Grundlage sind 33 Empfehlungen einer Expertenkommission, die im Juni 2026 vorgelegt wurden. Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas signalisierten bereits, das Paket umfassend umzusetzen. Ziel: Die langfristige Finanzierung sichern und das Rentenniveau stabilisieren.

Rente erst mit 68 – Frührente fällt weg

Ein Kernpunkt der Pläne: Das Renteneintrittsalter steigt schrittweise. Die Kommission schlägt vor, die Altersgrenze an die Lebenserwartung zu koppeln – nach einem sogenannten 2:1-Modell. Bis 2041 könnte die Grenze auf 67,5 Jahre steigen, bis 2051 auf 68 Jahre. Langfristige Berechnungen deuten darauf hin: Heute vierjährige Kinder würden erst mit 70 in Rente gehen.

Parallel dazu soll die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren – bekannt als Rente mit 63 – entfallen. Merz verteidigte diesen Schritt im Bundestag als notwendig. Als Ausgleich für gesundheitlich Eingeschränkte ist eine neue Schutzrente geplant. Sie soll zwei Jahre vor der regulären Altersgrenze ohne Abschläge möglich sein.

Kapitalrente nach schwedischem Vorbild

Das Rentenniveau soll bei etwa 50 Prozent stabil bleiben. Dafür ist eine ergänzende Kapitalrente geplant – angelehnt an das schwedische Modell. Finanziert wird sie über einen zusätzlichen Beitrag von zwei Prozent, den sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer hälftig teilen. Merz nannte das Modell „wegweisend“ und „zukunftsfest“.

Nach Berechnungen vom 23. Juni 2026 könnten Versicherte nach 45 Beitragsjahren eine monatliche Zusatzrente von bis zu 770 Euro erhalten. Ab 2031 soll zudem ein verstärkter Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenformel greifen, um die Beitragsentwicklung zu steuern.

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Mehr Beitragszahler, Ende der Minijobs

Die Reform erweitert den Kreis der Beitragszahler deutlich. Künftig sollen auch Selbstständige sowie Politiker und Parlamentarier in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Beamte bleiben ausgenommen.

Ein weiterer Einschnitt betrifft Minijobs: Die Kommission empfiehlt ihr weitgehendes Ende. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga warnte bereits vor negativen Folgen für die Branche.

Widerstand formiert sich

Trotz geschlossener Präsentation durch die Regierungsspitze gibt es heftige Kritik. Unionspolitiker wie Daniel Günther lobten das Paket. Aus der SPD, etwa von Manuela Schwesig, kommt die Forderung nach Nachverhandlungen. Besonders die Anhebung des Rentenalters ist umstritten. Juso-Chef Philipp Türmer kritisiert die Koppelung an die Lebenserwartung. DGB-Chefin Yasmin Fahimi lehnt sowohl den Wegfall der Frührente als auch die verpflichtende Kapitalrente ab.

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Arbeitgeberpräsident Ingo Kampeter spricht sich gegen die Zwangs-Kapitalrente und das Ende der Minijobs aus. Sozialverbände wie der VdK warnen vor einem „heißen Rentensommer“ und steigender Altersarmut. Auch Vertreter der Linken und ostdeutsche SPD-Mitglieder teilen diese Sorge.

Die Regierung will das Gesetz zügig auf den Weg bringen. Ein Koalitionsausschuss am 1. Juli 2026 soll weitere Details klären. Ziel: Die Reform bis Ende 2026 gesetzlich verankern. Rentenkürzungen schloss der Kanzler am 24. Juni explizit aus.

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