REM-Schlaf: Längere Phasen senken Demenz-Risiko um 46 Prozent
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 12:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen die weitreichenden Auswirkungen der Schlafqualität und der Verteilung einzelner Schlafphasen auf die menschliche Gesundheit.
Eine im September 2026 vorgestellte großangelegte Analyse der Peking University, basierend auf Daten der UK Biobank, untersuchte die Zusammenhänge zwischen Schlafstadien und über 1.000 Krankheitsbildern. Die Forscher um Wangnan Cao werteten hierfür die Daten von 95.559 Teilnehmern mit einem Durchschnittsalter von 56 Jahren aus, die mittels Bewegungssensoren erfasst worden waren.
Die Bedeutung von REM- und Tiefschlafphasen für die Prävention
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung, die im September 2026 veröffentlicht wurde, betrifft den sogenannten REM-Schlaf (Rapid Eye Movement). Den Daten zufolge ist eine Verlängerung der REM-Dauer um 47,6 Minuten mit einem signifikant niedrigeren Risiko für 83 verschiedene Krankheiten assoziiert.
Besonders deutlich zeigten sich diese Effekte bei neurologischen und kardiovaskulären Erkrankungen: Das relative Risiko für Herzinsuffizienz sank um 26 Prozent, für Demenz um 46 Prozent und für Parkinsonismus sogar um 80 Prozent.
Auch die Tiefschlafphase erwies sich als kritischer Faktor für die Gesundheitsvorsorge. Eine Zunahme des Tiefschlafs um 47,5 Minuten korrelierte mit einem verringerten Risiko für sieben spezifische Erkrankungen. Hierzu zählen eine Senkung des Risikos für Typ-2-Diabetes um 11 Prozent, für Depressionen um 14 Prozent und für Schlafapnoe um 22 Prozent.
Die Forscher nutzten für die Identifizierung der Schlafstadien den Deep-Learning-Algorithmus SleepNet, der an über 1.100 Nächten mittels Polysomnografie validiert wurde, wobei die Autoren die Klassifikationsleistung als moderat einstuften.
Optimale Schlafdauer und klinische Risikoprofile
Die Forschungsergebnisse unterstreichen die Existenz eines optimalen Zeitfensters für die nächtliche Ruhe. Bei 69 der untersuchten Krankheitsbilder wurde das geringste Risiko bei einer Schlafdauer zwischen sechs und acht Stunden festgestellt. In diesem Bereich erreichten auch die Anteile von REM-Schlaf (22,2 Prozent) und Tiefschlaf (27,2 Prozent) ihre Höchstwerte.
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Demgegenüber stehen erhebliche Risiken bei Schlafmangel. Ein Großteil der ungünstigen gesundheitlichen Zusammenhänge – 37 von 41 – trat bei einer Schlafdauer von weniger als fünf Stunden auf. Werden regelmäßig weniger als sechs Stunden geschlafen, steigt das Risiko für Herzschwäche, COPD und akutes Nierenversagen deutlich an.
Eine im September 2026 diskutierte Metaanalyse aus China bestätigt zudem einen U-förmigen Zusammenhang beim Typ-2-Diabetes: Sowohl eine Dauer von weniger als sieben Stunden als auch von mehr als acht Stunden erhöht das Erkrankungsrisiko.
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Fachleute wie Dr. Christine Blume von der Universität Basel weisen darauf hin, dass chronischer Schlafmangel die nächtliche kardiovaskuläre Erholung beeinträchtigen kann. Dies könne langfristig zu Bluthochdruck und einer trägeren Gefäßregulation führen. Hans-Günter Weeß, Leiter eines Schlafzentrums, betont zudem, dass das Schlafbedürfnis bei der Mehrheit der Menschen zwischen sieben und neun Stunden liege und stark genetisch bedingt sei.
Situation in Deutschland und methodische Einordnung
In Deutschland berichten laut Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) fast jeder dritte Erwachsene über Durchschlafprobleme. Die GEDA-Auswertung 2023 zeigt, dass knapp 40 Prozent der Erwachsenen an Wochentagen weniger als sieben Stunden schlafen, bei Männern mittleren Alters liegt dieser Anteil sogar über 50 Prozent.
Demgegenüber stehen Zahlen des Statistischen Bundesamtes vom Juni 2024, nach denen die durchschnittliche Schlafdauer in Deutschland bei 8 Stunden und 37 Minuten liegt, wobei an Wochenenden fast eine Stunde länger geschlafen wird als an Werktagen.
Trotz der deutlichen statistischen Zusammenhänge betonen die Autoren der Peking-University-Studie, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, aus der keine direkten Kausalitäten abgeleitet werden können. Die Stichprobe bestand zudem überwiegend aus weißen und vergleichsweise gesunden Teilnehmern.
Eine weitere systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 gibt zudem zu bedenken, dass Wearables zwar brauchbare allgemeine Schätzungen liefern, bei der exakten Bestimmung von Schlafstadien jedoch relevante Abweichungen gegenüber der klinischen Polysomnografie aufweisen können.
