Qigong, Minuten

Qigong: Schon 7 Minuten tägliche Praxis sollen Alltagsbelastungen begegnen

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 16:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sanfte Trainingsformen gewinnen an Zuspruch; PUMA plant ein Innovationszentrum mit eigenen Räumen für Yoga und Pilates.
Ein minimalistisch eingerichteter Yogaraum mit Holzboden, einer Ballettstange an der Wand und weichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Klassische Fitnessangebote sind traditionell auf messbare Leistungssteigerung, Kalorienverbrauch und permanente Selbstoptimierung ausgelegt. Zunehmend gewinnt jedoch ein gegenläufiger Trend an Bedeutung: Das sogenannte Konzept des Soft Wellness rückt Entspannung, Achtsamkeit und das individuelle Körpergefühl in den Vordergrund.

Anstelle von Hochleistungsintervallen und digitaler Körpermessung setzen Trainingsanbieter verstärkt auf Formate, die physische Regeneration mit mentalem Ausgleich verbinden.

Fokus auf Entlastung und Erholung

In Studios wie dem Sats im schwedischen Helsingborg spiegelt sich diese Verschiebung in der Kurspraxis wider. Dort treffen Angebote auf Nachfrage, die gezielt auf Entschleunigung setzen: In einem Yogakurs im Keller versammeln sich beispielsweise 18 Teilnehmer bei 38 Grad, angeleitet von Kursleiterin Alexandra Orsmark. Das Format richtet sich bewusst gegen die Hektik getriebener Maximalleistung und etabliert eine ruhigere Trainingsumgebung.

Auch in anderen europäischen Städten verzeichnen spezialisierte Boutique-Studios ein hohes Interesse. Einrichtungen wie Casa Barré, eines der ersten Barré-Studios in Madrid, und das MYND Pilates Movement Studio melden trotz höherer Preise im Vergleich zu konventionellen Fitnesscentern voll belegte Kurse.

Alegra Ellman, Mitgründerin von MYND, hebt hervor, dass Trainierende vor allem für persönliche Aufmerksamkeit bezahlen und nicht lediglich für die Teilnahme an einer standardisierten Trainingseinheit.

Die dort praktizierten Disziplinen zeichnen sich durch spezifische Bewegungsmuster aus. Das Training an der Ballettstange (Barré) kombiniert eine niedrige Belastung mit hoher Intensität, die über lang anhaltende Muskelspannung und zahlreiche Wiederholungen erreicht wird. Gleichzeitig etablieren sich alternative Varianten im Wasser: So hält etwa Aqua-Yoga, angeboten von Kursleiterin Janine Nolde, Einzug in Schwimmbäder in Osnabrück.

Neurologische und körperliche Effekte achtsamer Bewegung

Dass ruhige Bewegungsformen auch über das subjektive Wohlbefinden hinaus wirken, legen neurowissenschaftliche Untersuchungen nahe. Berichten zufolge können Körper-Geist-Praktiken wie Yoga, Tai-Chi oder traditionelles Bogenschießen zu einer Verdickung der Großhirnrinde führen, wobei insbesondere der linke Frontallappen messbare Veränderungen aufweist.

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Praktiken wie Tai-Chi setzen auf langsame, fließende Bewegungen in Kombination mit bewusster Atmung. Diese Übungen dienen dem Stressabbau und zielen auf eine verbesserte Konzentration, Mobilität und Stabilität ab, während Beine, Bauch und Haltungsmuskulatur gekräftigt werden.

Entsprechende Einheiten dauern je nach Niveau zwischen 10 und 60 Minuten und stehen Trainierenden jeder Altersklasse offen. Auch Qigong kombiniert Bewegung, Atmung und Achtsamkeit, um Alltagsbelastungen zu begegnen. Instruktor Cyrill Lam empfiehlt dabei eine tägliche Praxis von mindestens 7 Minuten.

Weitere Ansätze stellen die Körperwahrnehmung noch radikaler in das Zentrum. Methoden wie Feldenkrais widmen sich etwa der Erforschung der Atembewegung und der daran beteiligten 22 Muskeln anhand spezieller Bewegungsabfolgen in Rücken-, Bauch- und Vierfüßlerlage. Das in Unterammergau angesiedelte Konzept IntuiMotion verbindet sanfte Übungen und intuitive Bewegungen mit Momenten der Stille, um ein direktes Erleben des Körpers abseits von psychologischer Analyse, Leistungsanspruch oder spirituellen Systemen zu ermöglichen.

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Betriebliche Programme und wachsende Belastungszahlen

Der Trend zu regenerativen Bewegungskonzepten gewinnt vor dem Hintergrund steigender mentaler Belastungen an Gewicht. Laut einer über zehn Jahre angelegten Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) stiegen die Fehlzeiten infolge psychischer Erkrankungen bei Versicherten der AOK PLUS in Sachsen um 55 % und in Thüringen um 68 %.

Die entsprechenden Burnout-Diagnosen haben sich in Thüringen mehr als verdoppelt und nahmen in Sachsen um 50 % zu. Als Gegenmaßnahme übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten für bis zu zwei zertifizierte Gesundheitskurse pro Jahr und stellen digitale Hilfen zur Verfügung.

Auch Wirtschaftsunternehmen reagieren auf die veränderten Anforderungen ihrer Beschäftigten. Der Sportartikelhersteller PUMA erweiterte sein Hauptquartier in Herzogenaurach mit dem Spatenstich für ein rund 1.500 Quadratmeter großes Innovationszentrum.

Der Neubau, dessen Fertigstellung für das Frühjahr oder den Sommer 2027 geplant ist, umfasst neben Testlaboren auch ein betriebseigenes Trainingszentrum. Dieses sieht neben Sportbereichen für Kraft- und Ausdauerformate zwei separate Räume vor, die speziell für Yoga, Pilates und funktionelles Training reserviert sind.

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