Psychotherapie bei Jugendlichen: Fünf Minuten Achtsamkeit senken Symptome
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deStrukturierte Einstiege in psychotherapeutische Sitzungen können den Behandlungserfolg bei jungen Menschen messbar beeinflussen. Eine randomisierte Untersuchung des Zentrums für Psychologische Psychotherapie (ZPP) der Universität Heidelberg unter der Leitung von Prof. Dr. Johannes Mander und Dr. Julia Kalmar, die am 29. August 2026 im Fachblatt Journal of Clinical Psychology publiziert wurde, liefert dazu differenzierte Erkenntnisse.
Die Forschungsarbeit zeigt, dass bereits wenige Minuten Achtsamkeit zu Beginn einer Therapiesitzung die psychische Symptomatik von Jugendlichen wirksamer reduzieren können als eine Behandlung ohne standardisierte Einleitung.
Strukturierter Sitzungsbeginn im klinischen Vergleich
An der wissenschaftlichen Erhebung nahmen 90 Jugendliche im Alter von 11 bis 19 Jahren teil. Alle Probanden befanden sich aufgrund von Depressionen, Angststörungen oder ADHS in ambulanter psychotherapeutischer Behandlung. Die Teilnehmenden wurden per Zufallsprinzip auf drei Untersuchungsgruppen aufgeteilt, um den Einfluss unterschiedlicher Routinen zu Sitzungsbeginn zu überprüfen.
In der Achtsamkeitsgruppe startete jede der insgesamt 24 Therapiesitzungen mit einer kurzen Intervention von fünf bis zehn Minuten. Zum Einsatz kamen dabei praktische Elemente wie Atemübungen, Gehübungen oder ein sogenannter Body Scan, bei dem die Aufmerksamkeit schrittweise durch den eigenen Körper gelenkt wird.
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Die zweite Gruppe führte zu Beginn der Sitzungen zeitlich gleich lange Entspannungsübungen durch. Bei der dritten Gruppe verzichtete das therapeutische Fachpersonal hingegen auf einen standardisierten Sitzungsbeginn.
Effekte auf Symptomreduktion und Beziehungsqualität
Die Auswertung der Heidelberger Psychologen ergab, dass die Symptomreduktion bei den Jugendlichen in der Achtsamkeitsgruppe signifikant größer ausfiel als in der Kontrollgruppe ohne strukturierten Einstieg.
Hinsichtlich des Symptomrückgangs zeigte sich jedoch kein signifikanter Unterschied zwischen Achtsamkeits- und reinen Entspannungsinterventionen: Die Entspannungsübungen schnitten im direkten Vergleich nicht schlechter ab als die Achtsamkeitsformate.
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Über die reine Linderung der Symptome hinaus wirkte sich der strukturierte Einstieg auch auf die zwischenmenschliche Dynamik im Therapieraum aus. Aus Sicht der betroffenen Jugendlichen entwickelte sich die therapeutische Beziehung in der Achtsamkeitsgruppe positiver.
Demgegenüber schwächte sich das therapeutische Bündnis in der Kontrollgruppe ohne standardisierte Sitzungseinleitung nach den Angaben der Patienten im Behandlungsverlauf etwas ab. Bemerkenswert blieb dabei die Perspektive der Behandelnden: Aufseiten der Therapeuten selbst wurde bezüglich der Beziehungsqualität kein entsprechender Unterschied zwischen den Gruppen wahrgenommen.
Die Befunde verdeutlichen somit, welchen Stellenwert strukturierte, niedrigschwellige Routinen gerade für das subjektive Sicherheits- und Beziehungsempfinden junger Patientinnen und Patienten besitzen können.
