Psychische, Krise

Psychische Krise bei Jugendlichen: Jeder Dritte betroffen

08.05.2026 - 21:39:37 | boerse-global.de

Ein Bericht der Zurich Insurance zeigt: Fast ein Drittel der 15- bis 19-Jährigen leidet an psychischen Erkrankungen. Experten fordern mehr Prävention und Investitionen.

Psychische Krise bei Jugendlichen: Jeder Dritte betroffen - Foto: über boerse-global.de
Psychische Krise bei Jugendlichen: Jeder Dritte betroffen - Foto: über boerse-global.de

Das zeigt ein aktueller Bericht der Zurich Insurance Group. In Deutschland sind rund 13 Millionen Menschen betroffen – etwa 15 Prozent der Bevölkerung.

Digitale Abhängigkeiten verschärfen die Lage

PD Dr. Kerstin Paschke vom UKE warnt vor den Folgen exzessiver Mediennutzung. 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind täglich rund vier Stunden online. Bei 6 Prozent der 10- bis 17-Jährigen liegt eine Verhaltenssucht vor – rund 350.000 Betroffene.

Besonders problematisch: KI-Chatbots. Mehr als jeder zehnte Jugendliche teilt intime Informationen mit ihnen. Das erschwert die Entwicklung von Resilienz und Medienkompetenz.

Der Druck setzt sich im Studium fort. Eine Studie in JAMA Network Open zeigt: Elterliche Depressionen beeinflussen die psychische Gesundheit junger Erwachsener nachhaltig. Viele Studierende starten bereits vorbelastet ins Studium.

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Zürich investiert massiv in Prävention

Der Kanton Zürich reagiert: Die Mittel für psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen steigen von 5,7 auf 10,7 Millionen Franken. Das Geld fließt in Lebenskompetenztrainings und bessere Abklärungskapazitäten für ADHS und Essstörungen.

Auch in Deutschland tut sich etwas. In Schliengen übernahmen Schüler in einer Projektwoche Verantwortung für Achtsamkeit und Resilienz. In Rostock gab es einen Erste-Hilfe-Kurs für psychische Probleme. Hintergrund: Das Deutsche Schulbarometer meldet einen Anstieg belasteter Jugendlicher von 21 auf 25 Prozent.

Die WU Executive Academy in Wien bietet ab Herbst Resilienz-Seminare an. Wirtschaftspsychologin Selina Rex betont: „Mentale Gesundheit ist kein Privatthema mehr, sondern ein Produktivitätsfaktor."

Bewegung als Medizin

Eine Meta-Analyse im British Journal of Sports Medicine belegt: Regelmäßige Bewegung hilft bei Depressionen und Angstzuständen ähnlich gut wie Therapie oder Medikamente. Besonders effektiv: Krafttraining und Ausdauersport in Gruppen.

Eine Analyse in Nature Human Behaviour zeigt zudem: Schon einfache Alltagsbewegungen wie Treppensteigen verbessern die Stimmung.

Neue Therapieansätze jenseits der Defizit-Optik

Die Charité untersuchte psychedelisch unterstützte Therapien. Wichtige Erfolgsfaktoren: ein stabiles Umfeld und die Fähigkeit zum Loslassen. Bei bestimmten Persönlichkeitsprofilen und Suchterkrankungen mahnen Forscher zur Vorsicht.

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Vielversprechend ist die „Positive Affect Therapy" (PAT). Statt Defizite zu bearbeiten, liegt der Fokus auf der Wiederherstellung von Freude und positiven Emotionen. Studien zeigen: Bei mittelschweren Depressionen erzielt PAT bessere Langzeiteffekte als konventionelle Methoden.

Proteste gegen Sparpläne

Trotz steigender Fallzahlen steht die Versorgung unter Druck. In Berlin und Rostock protestierten Anfang Mai Ärzte und Psychotherapeuten gegen das geplante Krankenkassen-Stabilisierungsgesetz. Die Reform sieht Einsparungen in Milliardenhöhe vor.

Besonders hart trifft es die ambulante Psychotherapie. In Mecklenburg-Vorpommern demonstrierten Therapeuten und Studierende gegen Honorarkürzungen. Die Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer warnt vor Praxisaufgaben im ländlichen Raum. Für Studierende bedeuten die Kürzungen noch längere Wartezeiten auf Therapieplätze.

Versorgung sichern statt kürzen

Der 5. Deutsche Psychotherapie Kongress am 9. Juni in Berlin steht unter dem Motto „Versorgung sichern statt kürzen". Fachvertreter und Politik sollen über Konzepte diskutieren.

Die WHO drängt darauf, psychische Gesundheit in allen Politikbereichen zu verankern. Der MeND-Bericht vom Mai zeigt jedoch: Auch die Behandler selbst leiden. Ein Drittel des befragten Gesundheitspersonals berichtet über Symptome von Depressionen oder Angstzuständen.

Bis 2030 droht pro Person ein Verlust von 67 gesunden Lebenstagen pro Jahr durch psychische Beeinträchtigungen. Für Bildungseinrichtungen bedeutet das: Mentale Gesundheit muss zum integralen Bestandteil der Institutionalkultur werden. Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland hängt davon ab, wie effektiv junge Menschen unterstützt werden.

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