Psychische Gesundheit: Recovery Colleges verbinden Bildung und Selbsthilfe
07.06.2026 - 11:18:47 | boerse-global.de
Neue Versorgungsmodelle setzen auf Erfahrungswissen statt reine Klinikbehandlung. Recovery Colleges verbinden Bildung, Austausch und Selbsthilfe.
Recovery College „inFormaMentis“ startet in Verona
Anfang Juni 2026 öffnete in Verona das Recovery College „inFormaMentis“ seine Türen. Die Initiative wird von der psychiatrischen Abteilung Uoc Psichiatria B unter Leitung von Professor Corrado Barbui getragen – in Kooperation mit der Stadt, der Universität und mehreren Verbänden.
Das Konzept unterscheidet sich grundlegend von klassischen Therapieansätzen. Recovery bedeutet hier nicht zwingend vollständige Heilung. Ziel ist ein zufriedenstellendes Leben trotz möglicher Einschränkungen.
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Monatliche Treffen sind offen für Betroffene, Angehörige, Fachpersonal und interessierte Bürger. Themen wie Mindfulness-Praktiken, Umgang mit Stigmatisierung und rechtliche Aspekte wie Amtsvormundschaft stehen auf dem Programm.
Fachtag in Berlin: Erfahrungswissen als Profession
Einen Tag zuvor, am 6. Juni 2026, fand an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin ein Fachtag statt. Im Fokus: indizierte Suchtprävention und die Integration von Erfahrungswissen.
Experten wie Professor Dr. Rebekka Streck und Sven Steffes-Holländer von den Heiligenfeld Kliniken diskutierten, wie ehemals Betroffene ihre Perspektive in professionelle Kontexte einbringen können. Parallel dazu forderte ein nationaler Kongress der Fachkräfte für psychiatrische Rehabilitation (TeRP) in Turin mehr Kontinuität in der therapeutischen Begleitung über verschiedene Lebensphasen hinweg.
„Mut-Tour“ und Festival: Psychische Gesundheit in die Öffentlichkeit
Seit Ende Mai 2026 ist die bundesweite „Mut-Tour“ mit Tandems durch Deutschland unterwegs. Die Aktion macht psychische Erkrankungen im öffentlichen Raum sichtbar und will Vorurteile abbauen. Endpunkt ist im September Bremen.
Für Anfang Oktober 2026 ist in Berlin-Neukölln ein Recovery Festival geplant. Veranstalter wie junik und die Junge Selbsthilfe Berlin kombinieren kreative Aktivitäten und traumasensibles Boxen mit dem Austausch von Recovery-Geschichten. Zielgruppe: 18- bis 35-Jährige.
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Auch langfristige Angebote etablieren sich. Das Inselcafé in Troisdorf bietet seit März 2026 einen offenen Raum für Trauerarbeit – ohne Anmeldung, ohne Verpflichtung.
Finanzierungsstopp in Wien: Suchthilfe unter Druck
Nicht überall läuft der Ausbau reibungslos. In Wien protestierten Suchthilfeeinrichtungen im Juni 2026 gegen die Pensionsversicherungsanstalt (PVA). Grund: Die PVA stellte die Finanzierung eines Alkoholtherapie-Projekts ein.
Fachleute warnen vor weniger Therapieplätzen und längeren Wartezeiten. Der Bedarf steigt, die Mittel schrumpfen.
Digitale Kompetenz als Prävention
Ein weiterer Baustein: Medienkompetenz. Fachärzte sehen die Offenheit über mentale Gesundheit in sozialen Netzwerken positiv – warnen aber vor Selbstdiagnosen und vereinfachten Darstellungen.
Plattformen wie „HeyCuramenta“ versuchen, fachlich fundierte Informationen für Kinder, Jugendliche und Eltern bereitzustellen. Ziel ist es, die psychische Widerstandsfähigkeit zu stärken, bevor Probleme eskalieren.
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