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Psychische Gesundheit: Öffentliche Läufe und Friseure sollen Tabus brechen

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Laufveranstaltungen, Informationsangebote und ein neues Brettspiel sollen den Austausch über psychische Erkrankungen erleichtern.

Psychische Gesundheit: Öffentliche Aktionen fördern Austausch und Aufklärung
Ein friedlicher, von herbstlichen Bäumen gesäumter Weg in einem Park, der ein Gefühl von Ruhe und Zuversicht vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Niedrigschwellige Angebote in alltäglichen Umgebungen wie Friseursalons oder gemeinsame Aktivitäten wie öffentliche Läufe gewinnen an Bedeutung, um das gesellschaftliche Tabu rund um psychische Erkrankungen abzubauen.

Vor dem Hintergrund steigender Diagnosen und spürbarer Engpässe in der psychiatrischen und therapeutischen Versorgung setzen Organisationen, Behörden und Verbände verstärkt auf Aktionen im öffentlichen Raum, um Hilfsangebote sichtbar zu machen und Betroffene miteinander zu vernetzen.

Begegnung und Sichtbarkeit im öffentlichen Raum

Dass Bewegung und Vernetzung helfen können, Barrieren abzubauen, zeigten mehrere Aktionen anlässlich des jährlichen Welttags der psychischen Gesundheit, der 1992 durch den Weltverband für psychische Gesundheit ins Leben gerufen wurde und von der Weltgesundheitsorganisation unterstützt wird.

Am 10. Oktober 2026 nahmen im Schweizer Kanton Aargau rund 50 Personen – darunter Fachkräfte, Betroffene und Angehörige – an einem gemeinsamen Lauf von Baden nach Windisch teil, organisiert vom Verein «Spattzig» und den Psychiatrischen Diensten Aargau.

Ramona Patt vom Verein «Spattzig» hob hervor, dass niemand schwere Phasen allein durchstehen müsse, während Eva-Maria Pichler, Chefärztin der Psychiatrischen Dienste Aargau, das Gefühl der Verbundenheit als wesentlichen Schutzfaktor einstufte. Auf dem Weg legten Teilnehmende Steine mit der Aufschrift «Zuversicht» nieder.

In Schaffhausen informierten das Recovery College Schaffhausen, die Organisation Stand by You und die psychiatrische Spitex Libra auf dem Fronwagplatz über Unterstützungsmöglichkeiten. Isabelle Währen vom Recovery College betonte dabei die Verfügbarkeit von professioneller Hilfe und Begleitung.

Ähnliche Schwerpunkte gab es in Österreich: In Graz organisierten Vertreter von pro mente steiermark am 7. Oktober einen Rundgang mit über 100 Teilnehmenden, während die Stadt Graz eine Informationsinitiative mit einem digitalen Stadtplan für seelische Gesundheit startete. In der Steiermark leben rund 180.000 Menschen mit einer psychischen Erkrankung.

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Zunehmende Fehlzeiten und Versorgungsengpässe

Die Notwendigkeit breiterer Aufklärung wird durch Arbeitsmarkt- und Gesundheitsdaten unterstrichen. Nach Erhebungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK stiegen die Fehlzeiten der AOK-Versicherten aufgrund psychischer Erkrankungen über einen Zeitraum von zehn Jahren um 42 Prozent.

Bei entsprechenden Problemen betrug die Ausfallzeit im Durchschnitt 28,5 Tage. In Schleswig-Holstein wiederum ergab eine Auswertung der Krankenkasse DAK für das erste Halbjahr 2026, dass seelische Leiden die häufigste Ursache für Krankschreibungen bildeten, während Betroffene teils bis zu 22 Wochen auf einen Therapieplatz warten mussten.

Auch internationale Erhebungen zeigen das Ausmaß: Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation lebte 2023 weltweit fast jeder siebte Mensch mit einer psychischen Erkrankung.

In Österreich berichteten laut einer Gesundheitsbefragung der Statistik Austria aus dem Jahr 2019 rund 9 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer ab 15 Jahren, in den vorangegangenen zwölf Monaten unter Depressionen gelitten zu haben. Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie mahnte am 10. Oktober 2026 einen leistbaren, zeitnahen Zugang zu therapeutischen Leistungen an.

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Fokus auf Jugend und neue Vermittlungsformen

Besondere Aufmerksamkeit gilt Heranwachsenden. Das Gesundheitsamt Dortmund verwies darauf, dass bereits vor der Pandemie rund 20 Prozent der Jugendlichen im Pubertätsalter von psychischen Störungen betroffen waren, wobei Depressionen sowie Sucht- und Angsterkrankungen zu den häufigsten Diagnosen zählten.

Neben Schulprojekten und kommunalen Selbsthilfestrukturen – wie etwa im hessischen Werra-Meißner-Kreis mit rund 60 Gruppen – erproben Akteure auch neue Formate.

Das Projekt mend-o stellte am 10. Oktober 2026 die erste Testversion des kooperativen Brettspiels «LOOK INSIDE» vor, das nach über dreijähriger Entwicklungszeit über spielerische Interaktion den Austausch über mentale Gesundheit anregen soll.

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