Psychische, Gesundheit

Psychische Gesundheit im Job: Fehlzeiten bei AOK-Beschäftigten steigen um 42 Prozent

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychische Erkrankungen verursachten 2025 längere Ausfälle; zugleich klaffen die Einschätzungen von Beschäftigten und Arbeitgebern zur Unterstützung auseinander.

Psychische Belastungen im Job: Fehlzeiten steigen, Betriebe reagieren
Ein heller, ruhiger Büroraum mit großen Fenstern und natürlichem Licht, der eine entspannte Arbeitsatmosphäre vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Rund um den Welttag für mentale Gesundheit rücken zahlreiche Betriebe und Institutionen psychische Belastungen in den Fokus. Mit Aktionstagen, digitalen Gesundheitsprogrammen und gezielten Präventionsangeboten reagieren Organisationen auf eine anhaltende Zunahme psychisch bedingter Fehlzeiten in der Arbeitswelt.

Wachsender Druck und steigende Fehlzeiten in Betrieben

Dass Handlungsbedarf besteht, unterstreichen aktuelle Auswertungen aus dem Gesundheitssektor. Nach Angaben des Fehlzeiten-Reports 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) stiegen die Fehlzeiten infolge psychischer Erkrankungen bei AOK-versicherten Beschäftigten innerhalb von zehn Jahren um knapp 42 Prozent.

Kamen 2016 auf 100 Mitglieder noch 284 Ausfalltage, waren es 2025 bereits 403 Tage. Während psychische Diagnosen im Jahr 2025 mit 14,1 Fällen je 100 Mitglieder seltener auftraten als Atemwegserkrankungen mit 80,3 Fällen, verursachten sie mit durchschnittlich 28,5 Tagen je Fall die längsten Ausfallzeiten.

Burnout-Diagnosen legten um 77 Prozent zu. Die Krankengeldausgaben beliefen sich 2025 auf 21,6 Milliarden Euro. Carola Reimann vom AOK-Bundesverband mahnte vor diesem Hintergrund betrieblichen Handlungsbedarf an, während Steffi Riedel-Heller von der Universität Leipzig betonte, dass Arbeit auch als Ressource wirken könne.

Ähnliche Tendenzen verzeichnen andere Erhebungen. Laut den asz Arbeitspsycholog:innen dauerten psychisch bedingte Krankenstände im Jahr 2025 durchschnittlich 36,7 Tage, verglichen mit 9,1 Tagen über alle Diagnosen hinweg.

Als Haupttreiber gelten Arbeitsverdichtung und Personalmangel: Im Fachkräfteradar 2026 berichteten 81 Prozent der betroffenen Betriebe von steigender Arbeitsintensität und 64 Prozent von zusätzlichen Überstunden.

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Laut einer Auswertung der SRH stiegen die Ausfalltage bei DAK-versicherten Beschäftigten 2025 auf rund 366 Tage je 100 Versicherte, was einem Zuwachs von 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Wahrnehmungslücke bei betrieblicher Unterstützung

Trotz verstärkter Initiativen besteht eine spürbare Diskrepanz zwischen Unternehmensleitung und Belegschaft. Gemäß der Great Employee Benefits Studie 2026 empfinden 49 Prozent der befragten Beschäftigten in Deutschland ihre Arbeitsbelastung langfristig nicht als nachhaltig.

Während 83 Prozent der Arbeitgebenden angaben, das Wohlbefinden im Betrieb ausreichend zu fördern, fühlten sich lediglich 53 Prozent der Mitarbeitenden tatsächlich unterstützt. Zudem sprachen nur 50 Prozent der Befragten Stress offen bei Führungskräften an. Zugleich planen 64 Prozent der deutschen Betriebe, ihre Budgets für Zusatzleistungen im Jahr 2027 aufzustocken.

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Seitens der Arbeitnehmervertretungen wird ebenfalls mehr Engagement gefordert. Claudia Neumayer-Stickler vom Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) erklärte, psychische Gesundheit dürfe keine Privatsache sein, und forderte wirksame Maßnahmen, ausreichend Personal sowie lebensphasenorientierte Modelle, insbesondere da Frauen durch unbezahlte Sorgearbeit stark belastet seien.

Regionale Aktionen und digitale Formate

Um betriebliche Hilfen zu verankern, setzen Verbände und Träger auf unterschiedliche Formate. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) verwies zur Woche der Seelischen Gesundheit vom 10. bis 20. Oktober 2026 unter dem Motto „Miteinander statt nebeneinander“ auf die Gefährdungsbeurteilung und ihr Praxisangebot für Arbeitsgestaltung.

Die gesetzlichen Krankenkassen stellten bundesweit nahezu 50.000 Präsenzkurse sowie rund 2.500 Onlineangebote zum Stress- und Ressourcenmanagement bereit.

Auf regionaler Ebene schlossen sich über 60 Betriebe, Schulen und Gemeinden einer Sensibilisierungsaktion von Gesundheit Schwyz an, während in Passau ein Bündnis aus sieben Einrichtungen Beratungsangebote bündelte.

Gleichzeitig erreichen digitale Plattformen ein breites Publikum: Am 8. Oktober 2026 verzeichnete der digitale Gesundheitstag von pme Familienservice und Mindance mehr als 35.000 Teilnehmende, bei dem Fachleute unter anderem über den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Medizin und den Umgang mit psychischen Dauerbelastungen referierten.

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