Psychische, Gesundheit

Psychische Gesundheit im Job: 38 Fehltage pro Erkrankung im Schnitt

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Verband verlangt mehr arbeitsmedizinische Beteiligung, gleichen ePA-Zugang und stärkere Maßnahmen für psychische Gesundheit im Betrieb.
Ein heller, minimalistischer Büroraum mit Blick ins Grüne, der eine ruhige und gesunde Arbeitsumgebung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Der Berufsverband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) dringt darauf, arbeitsmedizinische Expertise künftig systematisch in Gesundheitsreformen und Maßnahmen der Prävention einzubeziehen. Auf dem 42. Deutschen Betriebsärzte Kongress in Mainz stellte der Verband zentrale Handlungsfelder vor, um die Gesundheitsversorgung der arbeitenden Bevölkerung angesichts des demografischen Wandels und veränderter Belastungsprofile neu auszurichten.

VDBW-Präsidentin Susanne Liebe unterstrich, dass die Gesundheit der Beschäftigten bei der Fachkräftesicherung und der Gestaltung längerer Erwerbsbiografien im Mittelpunkt stehen müsse.

Zu den Kernanliegen des Verbands zählt eine engere Verzahnung mit Haus- und Facharztpraxen, Krankenhäusern sowie Rehabilitationseinrichtungen. Zudem spricht sich der VDBW für eine verbindliche Einbindung qualifizierter Arbeitsmediziner in die Lungenkrebs-Früherkennung aus, unterstützt durch die Deutsche Krebshilfe.

Digitale Infrastruktur und Datenzugang

Ein wesentlicher Streitpunkt bleibt die Integration der Betriebsärzte in die digitale Gesundheitsinfrastruktur. Der VDBW verlangt eine Gleichstellung beim Zugang zur elektronischen Patientenakte (ePA).

Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) sowie dem Bundesverband selbstständiger Arbeitsmediziner und freiberuflicher Betriebsärzte (BsAfB) hatte der VDBW bereits im Zusammenhang mit dem geplanten Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GeDIG) auf bestehende Einschränkungen bei den ePA-Zugriffsrechten für arbeitsmedizinische Fachkräfte hingewiesen.

Initiativen für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz

Flankiert werden die Verbandsforderungen von Initiativen nationaler und europäischer Gremien, die den Schutz der psychischen Gesundheit in Betrieben anmahnen.

Die Nationale Präventionskonferenz (NPK) verlangt in einem Positionspapier ein stärkeres Engagement der Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Gesundheitspolitik sowie den Ausbau digitaler und vereinfachter Gefährdungsbeurteilungen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

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Weiterhin fordert die NPK eine Anhebung des steuerlichen Freibetrags für betriebliche Gesundheitsförderung, der bislang bei 600 Euro je Beschäftigtem und Jahr liegt, sowie eine Verzahnung von Arbeitsschutz, betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) und betrieblichem Eingliederungsmanagement (BEM).

DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Stephan Fasshauer hob hervor, dass Arbeit ein maßgeblicher Faktor für die seelische Verfassung sei und diese wiederum die Arbeitsfähigkeit direkt beeinflusse.

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Für das Jahr 2024 wiesen Daten für Deutschland 147,3 Millionen krankheitsbedingte Fehltage aus; 42 Prozent aller Erwerbsminderungsrenten waren in diesem Zeitraum auf psychische Gesundheitsprobleme zurückzuführen.

Ergänzend verdeutlichte der BKK-Gesundheitsreport für 2024 die Dauer der Ausfälle: Während eine Krankschreibung infolge einer Infektion im Schnitt fünf Fehltage bedeutete, lag die Ausfallzeit bei einer psychischen Erkrankung bei durchschnittlich 38 Tagen.

Auf europäischer Ebene widmet sich die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) dem Thema im Rahmen der Kampagne für sichere und gesunde Arbeitsplätze für die Jahre 2026 bis 2028. Daten der EU-OSHA-Erhebung „OSH Pulse 2025“ verdeutlichen den Handlungsbedarf: Demnach gaben 44 Prozent der befragten Beschäftigten in der Europäischen Union an, unter starkem Zeitdruck oder Arbeitsüberlastung zu stehen. 37 Prozent berichteten über allgemeine Erschöpfung, während bei 29 Prozent Stress, Depressionen oder Angstzustände durch die berufliche Tätigkeit verursacht oder verstärkt wurden.

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