Psychische, Gesundheit

Psychische Gesundheit im Betrieb: NPK fordert einfachere Prävention für KMU

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die NPK schlägt einfachere Verfahren für KMU, höhere Steueranreize und eine engere Verzahnung betrieblicher Präventionsangebote vor.
Ein ruhiger, leerer Raum mit natürlichem Lichteinfall, der eine Atmosphäre von Ordnung und mentaler Klarheit vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Die seelische Verfassung von Beschäftigten gewinnt in der deutschen Arbeitswelt zunehmend an strategischer Bedeutung. In einem Positionspapier zur psychischen Gesundheit in Betrieben drängt die Nationale Präventionskonferenz (NPK) auf ein entschlosseneres Handeln bei der Prävention.

Wie aus Berichten von Ende Oktober 2026 hervorgeht, verzeichnete Deutschland im Jahr 2024 insgesamt 147,3 Mio. krankheitsbedingte Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen. Zudem gingen in diesem Zeitraum 42 % der Erwerbsminderungsrenten auf entsprechende Diagnosen zurück.

Der NPK-Vorsitzende Dr. Stephan Fasshauer von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) stuft lange Fehlzeiten, Einsamkeit und den hohen Anteil an Erwerbsminderungsrenten als alarmierend ein.

Zunehmende Ausfalltage belasten Betriebe

Die langfristige Entwicklung verdeutlicht den Handlungsdruck auf Arbeitgeber und Sozialversicherungsträger. Auswertungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) belegen, dass die Fehlzeiten infolge psychischer Erkrankungen im Zeitraum von 2016 bis 2025 um 42 % angestiegen sind.

Betroffene fallen zudem überdurchschnittlich lange aus: Im Jahr 2025 wurden im Schnitt 28,5 Ausfalltage je Fall registriert, verglichen mit 10,4 Tagen bei allen Krankheitsursachen im Gesamtdurchschnitt.

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Rechtlich sind Unternehmen in Deutschland bereits über das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, psychische Belastungen im Rahmen der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung systematisch zu erfassen.

Zudem muss Arbeitgebern zufolge Beschäftigten nach mehr als sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit innerhalb von zwölf Monaten ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) angeboten werden, dessen Inanspruchnahme für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freiwillig bleibt.

Reformvorschläge für kleine und mittlere Betriebe

Um bestehende Hürden abzubauen, schlägt die NPK konkrete Neuerungen für die betriebliche Praxis vor. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollen durch einfachere und digitalere Verfahren bei der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung entlastet werden.

Ein weiterer Hebel liegt in den finanziellen Rahmenbedingungen: Die Organisation fordert eine Anhebung der steuerlichen Förderung für betriebliche Gesundheitsförderung. Bislang liegt der Freibetrag bei 600 € je Beschäftigtem und Jahr; eine konkrete neue Zielsumme lässt das Positionspapier offen.

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Darüber hinaus setzt sich das Gremium für gezielte Qualifizierungsangebote für Führungskräfte sowie zusätzliche Anreize für das BEM ein. Um gesellschaftliche Vorbehalte abzubauen, sollen zudem öffentlich finanzierte Entstigmatisierungskampagnen aus Steuermitteln aufgelegt werden.

Bessere Verzahnung der Präventionsstrukturen

Ein zentraler Ansatzpunkt des Papiers besteht in der engeren Verknüpfung bestehender Systeme. Arbeitsschutz, betriebliche Gesundheitsförderung und das Eingliederungsmanagement sollen künftig nahtlos ineinandergreifen, anstatt isoliert nebeneinander zu stehen.

Zudem empfiehlt die NPK, das Thema psychische Gesundheit bereits fest in Ausbildungs- und Studiengängen zu verankern, um künftige Arbeitskräfte und Führungskräfte frühzeitig zu sensibilisieren.

Die 2015 gegründete Nationale Präventionskonferenz wird von den Trägern der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), der gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) sowie der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV Bund) getragen. Seit 2017 ist auch die private Krankenversicherung (PKV) in das Gremium eingebunden.

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