Psychische Gesundheit im Alter: 14,75 Prozent der Über-70-Jährigen betroffen
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie seelische Verfassung älterer Menschen rückt zunehmend in den Mittelpunkt geriatrischer und psychiatrischer Fachdiskussionen. Vor diesem Hintergrund hat die Plattform Som Salud Mental 360 im Palau Robert in Barcelona den Bericht „Miradas: Respuestas a los desafíos de la salud mental en las personas mayores“ vorgestellt.
Das Papier widmet sich den gravierenden Auswirkungen von Angststörungen, Depressionen und Demenzerkrankungen in der späten Lebensphase und beleuchtet bestehende Lücken in den Hilfsstrukturen.
Multidisziplinäre Perspektiven auf Versorgungsbarrieren
An der Erarbeitung des Dokuments beteiligten sich 16 Fachleute aus den Bereichen Psychogeriatrie und intermediäre Versorgung. Maßgeblich eingebunden waren unter anderem Fachkräfte der Institution Parc Sanitari Sant Joan de Déu sowie der Geriater und Psychogeriatrie-Experte Pedro J. Regalado.
Die Autoren befassen sich eingehend mit der Problematik ungewollter Einsamkeit sowie bestehenden Versorgungsbarrieren, die betroffenen Personen den rechtzeitigen Zugang zu therapeutischer Unterstützung erschweren.
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Um diesen Defiziten zu begegnen, fordert die Expertengruppe eine Neuausrichtung der Unterstützungssysteme. Notwendig sei ein integriertes, personenzentriertes Modell, das Gesundheits- und Sozialdienste eng miteinander verzahnt. Nur durch eine strukturierte Kooperation der verschiedenen Sektoren könne sichergestellt werden, dass psychische Belastungen älterer Menschen frühzeitig wahrgenommen und umfassend begleitet werden.
Globale Verbreitung und strukturelle Lücken
Die Relevanz dieses Ansatzes spiegelt sich in weltweiten Erhebungen wider. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben global rund 14,75 Prozent der Menschen ab einem Alter von 70 Jahren mit depressiven Störungen oder Angsterkrankungen. Dabei zählen Einsamkeit und soziale Isolation zu den wesentlichen Risikofaktoren für das Entstehen und die Chronifizierung seelischer Leiden im Alter.
Zugleich offenbart die internationale Lage erhebliche Versäumnisse bei der gezielten Versorgung älterer Bevölkerungsgruppen. Der Mental Health Atlas 2024 der WHO verdeutlicht am Beispiel von Ländern wie Vietnam, dass dort eine eigenständige Politik oder strategische Planung für die psychische Gesundheit älterer Menschen fehlt, während gleichzeitig ein spürbarer Mangel an Fachpersonal herrscht. Dies betrifft eine kontinuierlich wachsende Bevölkerungsgruppe: Laut der dortigen Volks- und Wohnungszählung von 2024 lebten rund 14,2 Millionen Menschen ab 60 Jahren in dem Land, für das Jahr 2030 wird eine Zunahme auf knapp 18 Millionen prognostiziert.
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Forderung nach Prävention und Früherkennung
Vor diesem Hintergrund plädiert die Plattform Som Salud Mental 360 in ihrem Bericht für eine intensivierte Präventionsarbeit. Neben dem gezielten Ausbau der Früherkennung müsse der barrierefreie Zugang zu spezialisierten Angeboten flächendeckend gewährleistet werden.
Ziel müsse es sein, das Zusammenspiel von körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren systematisch zu erfassen und älteren Menschen eine bedarfsgerechte Betreuung zur Verfügung zu stellen.
