Psychische Gesundheit: Brettspiel LOOK INSIDE stärkt Empathie bei 56 Teilnehmenden
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 13:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Interaktive Spiele und strukturierte Bildungsprogramme gewinnen in der Präventionsarbeit zunehmend an Bedeutung. Sie werden gezielt eingesetzt, um das Verständnis für psychische Belastungen bei Jugendlichen sowie Erwachsenen zu vertiefen und Hemmschwellen beim Sprechen über seelische Krisen abzubauen.
Angesichts steigender Fallzahlen und knapper Therapieplätze setzen Fachleute und Institutionen verstärkt auf spielerische und pädagogische Konzepte, um Betroffene und ihr Umfeld frühzeitig zu erreichen.
Digitale und analoge Spiele fördern Empathie und Prävention
Ein Beispiel für diesen spielerischen Ansatz ist das Brettspiel LOOK INSIDE des Stuttgarter Startups mend-o. Das für Jugendliche und Erwachsene ab 14 Jahren konzipierte Spiel soll das Verständnis für seelische Nöte schärfen und offene Gespräche erleichtern. Mehr als 200 Menschen haben das Projekt bereits getestet.
Begleitend zeigte eine Pilotstudie der Universität Heidelberg und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim unter Leitung von Prof. Dr. Peter Kirsch mit 56 Teilnehmenden einen statistisch signifikanten Anstieg prosozialer Emotionen gegenüber Personen mit Depressionen.
Zwar liefert die Untersuchung noch keinen Nachweis langfristiger Verhaltensänderungen, wohl aber erste wissenschaftliche Belege für den Nutzen des Formats. Das Spiel wird auf der Fachmesse SPIEL in Essen vom 22. bis 25. Oktober vorgestellt.
Auch im Bereich der Sucht- und Verhaltensprävention kommen spielerische Formate zum Einsatz. Das Universitätsklinikum Würzburg erprobt mit dem am Deutschen Zentrum für Präventionsforschung Psychische Gesundheit entwickelten Smartphone-Spiel X-CAN eine Anwendung zur Cannabisprävention bei Jugendlichen.
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Das Vorhaben wird vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention gefördert und in Kooperation mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie dem IKE-B der Julius-Maximilians-Universität Würzburg umgesetzt.
Die dazugehörige wissenschaftliche Online-Studie richtet sich an 13- bis 17-Jährige, umfasst drei bis vier Befragungstermine über einen Zeitraum von bis zu zwölf Monaten und bietet eine Aufwandsentschädigung von rund 40 Euro. Das Programm unterscheidet zwischen der Verhinderung eines Ersteinstiegs – etwa bei Jugendlichen mit Symptomen wie ADHS – und der Reduktion eines bestehenden Konsums.
Kommunale Initiativen und Bildungsangebote vor Ort
Auf regionaler Ebene greifen öffentliche Einrichtungen den Trend zum spielerischen Austausch auf. Das Gesundheitsamt Südwestpfalz initiierte für den 14. Oktober die barrierefreie und kostenlose Veranstaltung „Spielend gesund“ im Pirmasenser Kreistagsaal.
Das Amt verweist darauf, dass Brettspiele das psychische Wohlbefinden, soziale Kontakte sowie Konzentrations- und Problemlösefähigkeiten stärken können.
Vor Ort bietet der Sozialpsychiatrische Dienst Beratung an, während die Stadtbibliotheken Pirmasens und Zweibrücken das Spielmaterial bereitstellen. Über ähnliche Aktionen für mentale Gesundheit berichtete auch der Südwestrundfunk aus Kaiserslautern.
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Parallel dazu rücken Schulprojekte das Thema Seelengesundheit in den Mittelpunkt. Im Landratsamt Ansbach eröffnete Landrat Marco Meier anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Präventionsprojekte „Verrückt?
Na und!“ und „Aufmachen!“ die bis zum 30. Oktober terminierte Ausstellung „Der schwarze Hund wird bunt!“, für die Schüler Skulpturen gestalteten. Im hessischen Dreieich erprobt die Pädagogin Dana Weber an drei Grundschulen ein Koffersystem mit Atemübungen und spielerischen Elementen.
Kompetenzaufbau für Fach- und Lehrkräfte
Auch in der Ausbildung von Lehrpersonen werden strukturierte Methoden zur psychischen Stabilisierung verankert. Die Pädagogische Hochschule Wien entwickelte das Emotionsregulationstraining für Lehrpersonen als Wahlpflichtlehrveranstaltung im Bachelorstudium.
Eine Studie in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychology untersuchte 86 Studierende mit Training im Vergleich zu 42 Teilnehmenden ohne Schulung. In der Trainingsgruppe verringerte sich das Grübeln deutlich, während kognitive Neubewertungen und körperliche Regulationsübungen zunahmen.
Die Vielfalt dieser Initiativen spiegelt den von der bayerischen Gesundheitsministerin Judith Gerlach geforderten Systemwechsel wider, der darauf abzielt, Menschen frühzeitig zu gesundheitsförderndem Verhalten zu befähigen und so das Versorgungssystem langfristig zu entlasten.
