Psychische Gesundheit: 28,6 Prozent der 18- bis 25-Jährigen zeigen Warnsignale
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 04:45 Uhr | Redaktion boerse-global.deInternationale Studien und Berichte untersuchen die mentale Verfassung sowie kognitive Warnsignale junger Menschen. Aktuelle Erhebungen heben insbesondere die Sorgen jüngerer Generationen und Konzentrationsschwierigkeiten im Alltag hervor. Wissenschaftliche Untersuchungen aus mehreren Ländern verdeutlichen, dass Jugendliche und junge Erwachsene unter erheblicher emotionaler und psychischer Belastung stehen.
Globale Erhebung zeigt Belastung bei jungen Erwachsenen
Eine im Journal Social Indicators Research veröffentlichte Untersuchung der Columbia University unter der Leitung von Kai Ruggeri wertete Befragungen von 50.000 Personen in 92 Ländern aus.
Die Ergebnisse belegen, dass die psychische Gesundheit weltweit rückläufig ist, wobei die Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen besonders stark betroffen ist. In dieser Kohorte weisen lediglich 14,7 % der Befragten keine Krankheitsanzeichen auf, während 28,6 % mittelschwere bis schwere Indikatoren für Depressionen oder Ängste zeigen.
Über alle Altersgruppen hinweg gelten nur 6,5 % der Befragten als gänzlich aufblühend. Während Beziehungen, Sinn und Kompetenz vergleichsweise hohe Werte erreichen, fallen Vitalität, emotionale Stabilität und Resilienz besonders niedrig aus.
Die Auswertung zeigt zudem, dass ein höheres Einkommen, eine feste Beschäftigung, jeder zusätzliche Bildungsabschluss sowie größere Haushalte mit einer besseren mentalen Verfassung verknüpft sind; zugleich erweist sich Hybridarbeit als vorteilhafter gegenüber reiner Fernarbeit.
Die Forschenden der Columbia University dokumentierten am 02.11.2026, dass der weltweite Trend weitgehend linear verläuft und auch OECD- sowie nordeuropäische Staaten betrifft. Ruggeri forderte konkrete Maßnahmen gegen Jobverluste durch künstliche Intelligenz, Burnout und Versorgungsengpässe und bewertete die Lage als Warnsignal für die gesamte Bevölkerung.
Langzeitfolgen der Pandemie und klinische Einschätzungen
Die langfristigen Nachwirkungen gesellschaftlicher Krisen belegt auch eine fünfjährige, staatlich geförderte Untersuchung der niederländischen Institutionen Nivel, RIVM, GGD GHOR und ARQ. Demnach erlitten 16- bis 25-Jährige die schwersten und nachhaltigsten psychischen Schäden durch die Covid-Pandemie und deren Schutzmaßnahmen.
Besonders stark belastet sind Alleinlebende, Personen mit finanziellen Nöten, Stadtbewohner sowie Menschen mit Vorerkrankungen. Zwar zeigte sich Ende 2025 eine leichte Besserung, das Niveau vor Beginn der Pandemie wurde jedoch nicht wieder erreicht, während Suizidgedanken stark anstiegen.
Michel Dückers von Nivel verwies auf Zuwächse bei Depressionen sowie Ängsten infolge von Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen und empfahl regelmäßige Messungen des Wohlbefindens.
Auch Fachärzte bestätigen den wachsenden Druck im Ausbildungsalltag. Der Psychiater Marc Risch betonte im Rahmen eines Fachvortrags am Berufs- und Weiterbildungszentrum Buchs Sargans, dass rund 20 % der Menschen das Risiko tragen, psychisch zu erkranken, und etwa 10 % konkrete Unterstützung benötigen. Zu den zentralen Treibern zählen Einsamkeit, Ausgrenzung, Schlafmangel und Bewegungsmangel, die sich häufig in Angst- oder Zwangsstörungen äußern.
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Hohe Erschöpfungswerte und Bildungsdefizite in Deutschland
Erhebungen aus Deutschland spiegeln diese Entwicklung wider. Laut der Studie „Zukunft Gesundheit 2026“ der Krankenkasse vivida bkk, für die im August 2026 1.045 Personen im Alter von 14 bis 34 Jahren befragt wurden, fühlen sich 8 von 10 jungen Menschen häufig gestresst.
Bei 75 % der Betroffenen führt dieser Stress zu mentaler Erschöpfung, während über zwei Drittel über Schlafprobleme klagen. Zudem berichten 7 von 10 Befragten von finanziellen Sorgen, und 57 % fühlen sich durch die gesellschaftlich-politische Lage beeinträchtigt.
Der Präventionsradar der DAK auf Basis von Daten des IFT-Nord Kiel aus dem Schuljahr 2024/2025, an dem 26.586 Schüler der Klassen 5 bis 10 teilnahmen, verdeutlicht zudem deutliche Defizite in der Gesundheitskompetenz: 84 % weisen lediglich eine niedrige oder moderate Kompetenz auf.
Zudem gaben 65 % an, mindestens wöchentlich erschöpft zu sein. Weibliche Jugendliche sind besonders betroffen: Depressive Symptome treten bei 27 % der Mädchen auf, im Vergleich zu 7 % bei den Jungen. DAK-Chef Andreas Storm sprach sich vor diesem Hintergrund für die Einführung eines Schulfachs Gesundheit aus.
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Neue therapeutische Ansätze in der Forschung
Parallel zur Ursachenforschung werden neue Interventionsmethoden erprobt. Am ABC BRAIN Lab der Medizinischen Universität Wien untersucht ein Team unter Lilian Konicar den Einsatz der transkraniellen Gleichstromstimulation am ventromedialen präfrontalen Cortex bei 13- bis 18-Jährigen, um die Emotionsregulation zu verbessern.
Während der Stimulation sehen die Jugendlichen den Animationsfilm „Alles steht Kopf“ und absolvieren ein Computertraining. Über 90 Jugendliche haben diese zweiwöchige Studienbehandlung bereits durchlaufen; flankierend startete an der Universität das Projekt INSPIRE zur Erforschung von Neurofeedback bei ME/CFS.
