Psychische, Gesundheit

Psychische Gesundheit: 120.000 Präventionskurse sollen Menschen stärken

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 08:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

ÖÄK verlangt mehr psychiatrische Kapazitäten; Daten zeigen hohe Diagnosezahlen und zunehmende Arbeitsausfälle durch psychische Erkrankungen.

Psychische Gesundheit: Ärztekammer fordert bessere Versorgung und Prävention
Ein ruhiger Waldweg im Herbstlicht, der als Symbol für Erholung und psychische Gesundheit dient. Illustration mit AI erstellt.

Zum Welttag der psychischen Gesundheit rücken Initiativen und Ärzteorganisationen den steigenden Behandlungsbedarf und Präventionskonzepte in den Mittelpunkt. Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) mahnt eine frühzeitige Vorbeugung, den Ausbau der psychiatrischen Versorgung sowie eine stärkere Verankerung psychischer Gesundheit in Präventionsprogrammen und schulischen Lehrplänen an.

ÖÄK-Präsident Johannes Steinhart und der Psychiater Manfred Müller heben hervor, dass Faktoren wie Einsamkeit, soziale Isolation, Krisen, Armut und existenzielle Belastungen erhebliche Risiken für die seelische Gesundheit darstellen.

Versorgungsengpässe und Einbindung von Fachkräften

Nach Angaben der ÖÄK fehlen seit Jahren Kassenpsychiater sowie Fachärzte in ambulanten und stationären Einrichtungen, ebenso wie Mediziner in der Facharztausbildung. Um die bestehenden Engpässe abzufedern, verlangt ÖÄK-Präsident Steinhart, auch 1.500 Ärztinnen und Ärzte anderer Fachrichtungen mit sogenannten Psy-1–3-Diplomen angemessen in die Finanzierung psychosozialer, psychosomatischer und psychotherapeutischer Leistungen einzubinden.

Parallel dazu verweisen gesetzliche Krankenkassen anlässlich der Woche der seelischen Gesundheit auf bestehende qualitätsgesicherte Angebote. Im Bereich des Stress- und Ressourcenmanagements stehen bundesweit nahezu 50.000 Präsenzkurse und rund 2.500 Onlineangebote bereit.

Insgesamt beläuft sich das Spektrum auf mehr als 120.000 zertifizierte Kurse zu Stressmanagement, Bewegung, Ernährung und Suchtmittelkonsum, für die gesetzlich Versicherte finanzielle Förderungen erhalten können.

Statistische Entwicklung bei Diagnosen und Fehltagen

Die Belastung der Bevölkerung spiegelt sich auch in epidemiologischen Erhebungen wider. Laut dem DAK-Gesundheitsreport und Daten der Mental-Health-Surveillance des Robert Koch-Instituts erhielten im Jahr 2024 in Deutschland 40,9 % der Erwachsenen die Diagnose einer psychischen Störung, wobei der Anteil bei Frauen bei 44,3 % und bei Männern bei 36,8 % lag.

Psychische Erkrankungen machten 2024 insgesamt 17,4 % aller Fehltage am Arbeitsplatz aus. Das entsprach 341,4 Arbeitsunfähigkeitstagen (AU-Tagen) je 100 Versicherte, nach 340,5 Tagen im Vorjahr.

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Durchschnittlich verursachten psychische Erkrankungen 32,9 AU-Tage pro Fall, während Depressionen auf 182,6 AU-Tage je Fall kamen. Zwischen 2019 und 2025 stiegen die AU-Tage infolge von Burn-out um 33 % und die Krankheitsfälle um 46 %. Im Jahr 2023 kletterten die Arbeitsausfälle aufgrund von Depressionen, Belastungsreaktionen und Ängsten um 52 %.

Rehabilitation und gesellschaftliche Initiativen

Die Deutsche Rentenversicherung Bund beziffert die Zahl der in Deutschland an psychischen Erkrankungen leidenden Menschen auf rund 8 Millionen. Reha-Leistungen aufgrund psychischer oder psychosomatischer Erkrankungen stiegen von rund 139.000 im Jahr 2005 auf 193.000 im Jahr 2025, was einem Zuwachs von etwa 39 % entspricht. Diese Diagnosen machen knapp 18 % des gesamten Reha-Aufkommens aus.

Zwei Jahre nach einer solchen Maßnahme stehen rund 78 % der Betroffenen weiterhin dem Arbeitsmarkt zur Verfügung und beziehen keine Erwerbsminderungs- oder Altersrente. Eine stationäre Reha dauerte 2025 im Schnitt rund 37 Tage. Ein Chefarzt einer DRV-Klinik hielt fest, dass etwa 30 % der Patienten von einer gezielten Therapie gegen problematische Handynutzung profitieren würden.

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Zugleich suchen Betroffene nach alltagsnahen Formen der Entlastung. Laut einer DIW-Panelstudie aus dem Jahr 2025 fühlen sich 19 % der Menschen in Deutschland manchmal oder häufiger einsam, verglichen mit 14 % vor der Pandemie.

Als Reaktion auf den Bedarf an sozialem Austausch entstehen in Städten wie Berlin, Dresden, Leipzig, Frankfurt, Hamburg und Oldenburg sogenannte Spazierclubs, zu denen laut Veranstaltern teils Hunderte Teilnehmer kommen.

Ein im Juli 2026 gegründeter Spazierclub in Dresden setzt beispielsweise auf rund 3 Kilometer lange, barrierefreie Runden im städtischen Raum. Der Sport- und Sozialpsychologe Jens Kleinert ordnet Spazierclubs als ein neues Format ein, spricht dabei jedoch nicht von einem flächendeckenden Boom.

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