Psychische, Gesundheit

Psychische Gesundheit: 12,5% aller Krankheitstage mental bedingt

27.06.2026 - 20:09:41 | boerse-global.de

Psychische Leiden verursachen 12,5 Prozent der Fehltage. Digitaler Stress und Hitzebelastung am Arbeitsplatz nehmen zu.

Psychische Erkrankungen: Hoher Krankenstand und neue Belastungen
Psychische - Eine Person vergräbt ihr Gesicht in den Händen, beleuchtet vom Laptop-Bildschirm in einem Büro, was digitalen Stress symbolisiert. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das zeigt der aktuelle Fehlzeitenreport der AOK. In Österreich verzeichnete der Berufsverband für Psychotherapie (ÖBVP) seit 2009 einen Anstieg psychisch bedingter Krankenstände um 22 Prozent – mehr als doppelt so viel wie bei körperlichen Beschwerden.

Allein in Österreich werden schätzungsweise 900.000 Menschen wegen seelischer Probleme behandelt. Fast die Hälfte von ihnen ist im erwerbsfähigen Alter. Unternehmen reagieren mit sogenannten Employee Assistance Programs (EAP) – Beratungsangeboten, die oft rund um die Uhr und in mehreren Sprachen verfügbar sind.

Anbieter wie das Fürstenberg Institut, INSITE oder pme Familienservice haben sich darauf spezialisiert. Die Kosten variieren: Für digitale Plattformen wie Lyra liegen sie zwischen 39 und 123 Euro pro Mitarbeiter und Jahr.

Digitaler Stress: Wenn das Handy zur Belastung wird

Über 80 Prozent der Menschen in Deutschland nutzen ihr Smartphone stündlich. Das belegen Erhebungen des Berufsverbandes der Präventologen. Die ständige Erreichbarkeit treibt die mentale Erschöpfung – selbst wenn die Schlafdauer objektiv ausreicht.

Symptome wie innere Unruhe, Konzentrationsstörungen und emotionale Gereiztheit nehmen zu. Der Präventologe Markus Kamps warnt vor den Folgen dieser Entwicklung.

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Die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmt zunehmend. Der Arbeitsmediziner Muchammad Arief Gunawan beobachtet, dass besonders jüngere Generationen und Berufseinsteiger anfällig für Stress sind. Hoher Leistungsdruck und die Anpassung an neue Hierarchien belasten sie zusätzlich. Experten empfehlen konsequentes Arbeitslast-Management und feste Bildschirm-Pausen.

Hitzestress: Wenn Temperaturen zur Gefahr werden

Nicht nur der digitale Druck belastet Beschäftigte. Extreme Wetterereignisse werden zum Problem am Arbeitsplatz. Ein Bericht des Europäischen Gewerkschaftsinstituts (ETUI) identifizierte rund 130 Millionen Beschäftigte in Europa, die Hitzestress ausgesetzt sind.

Die Folgen sind gravierend: Jährlich kommt es zu tausenden Verletzungen und Todesfällen. Eine EU-OSHA-Umfrage aus dem Jahr 2025 bestätigte, dass jede fünfte Person in der EU extremer Hitze ausgesetzt ist.

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Die wirtschaftlichen Verluste sind messbar. In Mitteleuropa sinkt die Produktivität pro Hitzewelle um 8 bis 14 Prozent. Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) fordert deshalb bezahlte Abkühlpausen. Ab 30 Grad Celsius steigt das Unfallrisiko um etwa 7 Prozent. Die IG Metall empfiehlt nächtliches Lüften und den Verzicht auf unnötige elektrische Geräte.

Hilfe für kleine Unternehmen und Ehrenamt

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben es oft schwerer, Gesundheitsförderung umzusetzen. Spezialisierte Beratungsangebote sollen helfen. In Bremen unterstützt die BGF-Koordinierungsstelle Betriebe bei der Implementierung. In Österreich bot die Initiative fit2work am 26. Juni 2026 einen Beratungstag für KMU an.

Auch in der Ausbildung wird das Thema aufgegriffen. Die IHK-Regionen in Sachsen-Anhalt veranstalteten Ende Juni 2026 Workshops zur Gesprächsführung und Prävention.

Und die psychische Gesundheit beschränkt sich nicht auf die Erwerbsarbeit. Die 10. Freiwilligentage der Metropolregion Rhein-Neckar im September 2026 werben für breite Beteiligung unter dem Motto der Vielfalt. Programme des Unionhilfswerks in Berlin zeigen: Soziale Einbindung und regelmäßige Begegnungen sind wesentliche Schutzfaktoren gegen psychische Erschöpfung.

de | wissenschaft | 69641935 |