Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: 39,1 Tage Ausfall pro Fall im Schnitt

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 23:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Lange Ausfallzeiten durch psychische Leiden treiben die Krankengeldausgaben auf 21,6 Milliarden Euro. Betriebliche Angebote sollen Abhilfe schaffen.

Psychische Erkrankungen treiben Krankengeld-Kosten auf Rekordniveau
Psychische - Eine Person sitzt allein an einem Schreibtisch in einem modernen Büro, den Kopf in den Händen, umgeben von Dokumenten und einem Laptop. 08.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Daten der Betriebskrankenkassen zeigen: 2025 gaben die Kassen rund 21,6 Milliarden Euro für Krankengeld aus. Seit 2016 stiegen die Krankengeldtage pro Beschäftigtem um 24,4 Prozent.

Der allgemeine Krankenstand lag bei 6,1 Prozent. Doch die eigentliche Belastung steckt im Detail: Von durchschnittlich 22,1 Ausfalltagen je Versichertem entfielen 6,8 Tage auf Krankengeld – also längere Fehlzeiten.

Psychische Diagnosen – selten, aber lang

Psychische Erkrankungen machen nur 5,4 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitsfälle aus. Trotzdem sind sie die Kostentreiber. Ein psychisch bedingter Ausfall dauert im Schnitt 39,1 Tage – weit mehr als bei anderen Diagnosen.

Das regionale Gefälle ist enorm: In München wurden 15,0 Krankengeldtage registriert, im Kyffhäuserkreis 32,9 Tage. Die Unterschiede zeigen, wie stark Arbeitsbedingungen und Versorgungsstrukturen die Fehlzeiten beeinflussen.

Betriebliche Krankenversicherung als Rettungsanker?

Vor diesem Hintergrund setzen Unternehmen verstärkt auf betriebliche Gesundheitsförderung. Die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen wird zum Schlüsselinstrument.

Eine Lösung bietet die betriebliche Krankenversicherung (bKV). Während gesetzlich Versicherte sechs bis zwölf Monate auf einen Therapieplatz warten, verkürzt die bKV den Zugang auf wenige Wochen. Schon Betriebe ab drei Mitarbeitern können solche Modelle umsetzen.

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Kritik kommt von den Kassenverbänden. BKK-Vorständin Anne-Kathrin Klemm und CDA-Vorsitzender Stefan Radtke warnen vor geplanten Maßnahmen der Koalition: Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag oder die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung seien nicht evidenzbasiert. Sie belasteten das Vertrauensverhältnis in den Betrieben, ohne die Ursachen für Langzeiterkrankungen zu bekämpfen.

Masking: Die unsichtbare Belastung

Ein in der Psychologie zunehmend beachteter Faktor ist das sogenannte „Masking“ oder „Camouflaging“. Betroffene – vor allem Menschen mit Autismus oder ADHS – verbergen bewusst oder unbewusst ihre neurodivergenten Eigenschaften, um sozialen Erwartungen zu entsprechen.

Die ständige Anpassung erleichtert kurzfristig die Teilhabe. Langfristig führt sie zu massiver Erschöpfung. Masking wird häufig mit Angstzuständen und Depressionen in Verbindung gebracht. Die direkte Kausalität ist noch Gegenstand der Forschung.

Als Gegenstrategien empfehlen Fachleute: Selbstwahrnehmung fördern, sichere Räume im Arbeitsumfeld schaffen, regelmäßige Pausen einlegen.

Prävention: Kurse, Zuschüsse und Tai Chi

Die gesetzlichen Krankenkassen investierten 2025 rund 218,4 Millionen Euro in zertifizierte Präventionskurse. Versicherte erhalten Zuschüsse zwischen 75 und 200 Euro pro Jahr – sofern sie regelmäßig teilnehmen. Ein Gesundheitsökonom bezeichnete die Ausgaben als „Investition in die langfristige Arbeitskraft“.

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Ein vielversprechender Trend: Tai Chi Walking. Studien zufolge senkt die Praxis das Sturzrisiko um bis zu 43 Prozent. Eine taiwanesische Untersuchung ermittelte sogar Reduktionen von bis zu 70 Prozent. Der Energieverbrauch entspricht dem eines zügigen Gehens mit 6 km/h.

Auch Volkshochschulen reagieren. Die VHS Krefeld und die VHS Bielefeld haben für das Wintersemester Kurse mit Schwerpunkten auf Bildungsurlaub, Stressbewältigung und digitale Teilhabe veröffentlicht. In Bielefeld stehen über 1.000 Kurse an verschiedenen Standorten zur Wahl.

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