Psychische Belastung wird zum Hauptkündigungsgrund
05.05.2026 - 12:29:08 | boerse-global.deDas belegt eine aktuelle Umfrage aus Österreich, die am 4. Mai veröffentlicht wurde. Demnach gaben 38,4 Prozent der Befragten an, ihren Job primär wegen Überlastung aufgegeben zu haben. Damit liegt psychische Belastung noch vor Arbeitszeiten (36,2 Prozent) und Gehalt (30,6 Prozent).
Besonders betroffen sind Pflege- und Sozialberufe. Dort hat der Fachkräftemangel bereits kritische Ausmaße erreicht.
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Krankenstand sinkt – psychische Fehltage steigen
Die Techniker Krankenkasse meldet für das erste Quartal 2026 einen leichten Rückgang des allgemeinen Krankenstands auf 5,55 Prozent. Grund sind weniger Erkältungskrankheiten. Gleichzeitig stiegen die Fehltage wegen psychischer Diagnosen auf 0,99 Tage pro Versichertem – im Vorjahr waren es 0,92 Tage.
Der TK-Gesundheitsreport basiert auf Daten von rund 6,2 Millionen Versicherten. Er unterstreicht: Mentale Gesundheit wird zum entscheidenden Faktor für Arbeitsfähigkeit.
Noch deutlicher wird das beim Burn-out. Die AOK verzeichnet einen drastischen Anstieg: 2004 kamen auf 1.000 Mitglieder 0,6 Fälle, 2023 waren es 7,7. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung bedeutete das 2024 rund 4,7 Millionen Krankheitstage durch Burn-out. Weltweit fühlt sich etwa jeder vierte Manager ausgebrannt.
Mental Load: Die unsichtbare Belastung der Eltern
Ein wesentlicher Treiber der Erschöpfung ist der sogenannte Mental Load – die dauerhafte Denkarbeit bei der Organisation des Familienalltags. Eine Studie der R+V Versicherung zeigt: 80 Prozent der Familien in Deutschland fühlen sich mental belastet. 78 Prozent der Eltern müssen ständig an alle anfallenden Aufgaben denken. Bei Müttern liegt der Wert bei 89 Prozent.
„Erschöpfung ist kein persönliches Versagen, sondern ein strukturelles Problem“, sagt Expertin Laura Fröhlich. Mehr als 60 Prozent der Befragten berichten von Dauerstress. Die Folge: 75 Prozent wünschen sich stärkere staatliche Aktivitäten, 72 Prozent spezielle Hilfsangebote.
Der Hausärzteverband warnt vor massiven gesundheitlichen Folgen. Weil die Familien organisation in mehr als der Hälfte der Haushalte ungleich verteilt ist, entsteht dauerhafte Überforderung. Das wirkt sich negativ auf die berufliche Leistungsfähigkeit aus.
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Gesundheitswesen und Bildung besonders betroffen
Die WHO Europa hat Anfang Mai die Europäische Woche der öffentlichen Gesundheit gestartet. Im Fokus steht der MeND-Bericht zur Situation des Gesundheitspersonals. Erste Ergebnisse aus rund 90.000 Antworten: Ein Drittel des Personals leidet unter Depressionen oder Angstzuständen. Zehn Prozent hatten bereits Suizidgedanken.
Auch im Bildungsbereich schlagen die Zahlen Alarm. Etwa ein Viertel bis ein Drittel der deutschen Lehrkräfte ist burn-out-gefährdet. 36 Prozent fühlen sich mehrmals pro Woche emotional erschöpft. International zeigt sich ein ähnliches Bild: In Italien haben 68 Prozent der Lehrer bereits Burn-out-Erfahrungen gemacht – unabhängig von ihrer Dienstzeit. Fast alle fordern eine staatliche Anerkennung ihres Berufs als besonders erschöpfende Tätigkeit.
In Österreich verursachen psychisch bedingte Krankenstände laut WIFO-Daten volkswirtschaftliche Kosten von rund 5,8 Milliarden Euro pro Jahr.
Was Unternehmen tun können
Angesichts der Personalverluste suchen Firmen nach Wegen, die Widerstandsfähigkeit ihrer Mitarbeiter zu stärken. Professor Klaus Lieb vom Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz betont: „Soziale Netzwerke sind das wichtigste Werkzeug zur Bewältigung von Krisen.“ Resilienz sei zu großen Teilen erlernbar. Eine gesunde Basis aus Sport, Schlaf und Ernährung unterstütze die psychische Stabilität.
Die Humboldt-Schule in Kiel hat bereits konkrete Maßnahmen umgesetzt: regelmäßige Umfragen, spezielle Onboarding-Prozesse und Entspannungsübungen. Schulleiter Timo Off setzt auf soziale Aktivitäten und Gestaltungsfreiräume für das Personal.
Gleichzeitig gewinnen digitale Therapieangebote an Bedeutung. Sie überbrücken die langen Wartezeiten auf klassische Therapieplätze, die oft mehrere Monate betragen. Ärztin Juliane Meiners von der GAIA AG erklärt: „Digitale Anwendungen auf Rezept bieten eine sofort verfügbare Alternative.“ Auch das „Combat-Coaching“ aus dem Bereich der Bundeswehr wird zunehmend für die zivile Stressprävention diskutiert.
Ausblick: Prävention als Wettbewerbsvorteil
Die Stabilisierung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz bleibt eine zentrale Herausforderung. Während die Forschung an neuen medikamentösen Ansätzen voranschreitet, liegt der Fokus in Europa auf strukturellen Präventionsmaßnahmen.
Die WHO fordert eine Integration der psychischen Gesundheit in alle Politikbereiche. Dazu gehören gesetzliche Regelungen zum Schutz von Kindern vor digitaler Überlastung. Für Unternehmen wird die Fähigkeit, ein gesundes Arbeitsumfeld ohne toxische Verhaltensmuster zu schaffen, zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil im Kampf um Fachkräfte. Nur eine Kombination aus individueller Resilienzförderung und organisatorischen Veränderungen kann den Trend zur stressbedingten Kündigung umkehren.
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