Psychische Belastung: Jeder fünfte 15-24-Jähriger depressiv
23.06.2026 - 11:03:12 | boerse-global.de
Umfassende Studien aus Deutschland und der Schweiz zeichnen ein alarmierendes Bild: Junge Menschen leiden zunehmend unter psychischen Belastungen. Während körperliche Aktivität zunimmt und der Alkoholkonsum sinkt, steigen Depressionsraten und Schulstress dramatisch an.
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Schweizer Monitoring zeigt drastischen Rückgang der Lebenszufriedenheit
Der am Montag veröffentlichte Bericht „KidsHealthCH“ des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit analysierte rund 100 Schlüsselindikatoren. Die Daten zeigen: Die Lebenszufriedenheit bei den 11- bis 15-Jährigen fiel innerhalb von zwei Jahrzehnten von 67 auf 55 Prozent.
Bei den 15- bis 24-Jährigen weist mittlerweile jeder fünfte Befragte mittelschwere bis schwere Depressionssymptome auf. Seit 2017 entspricht dies einem Anstieg von fast 50 Prozent. Besonders betroffen sind Mädchen und junge Frauen – bei ihnen stiegen Hospitalisierungen aufgrund psychischer Erkrankungen oder Suizidversuchen überproportional.
Der Bericht dokumentiert zudem eine Zunahme somatischer Beschwerden wie Kopf-, Bauch- oder Rückenschmerzen. Positiv bewerten die Autoren hingegen den Anstieg körperlicher Bewegung sowie den Rückgang beim Konsum von Alkohol, Cannabis und zuckerhaltigen Getränken.
Schulischer Leistungsdruck: Zwei Drittel fühlen sich überfordert
Das „Deutsches Schulbarometer 2025/26“ untermauert diese Trends. Demnach gelten 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 17 Jahren als psychisch auffällig – im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 21 Prozent.
Rund 61 Prozent der Befragten gaben an, dass die Schule hohe Anforderungen stelle. Fast die Hälfte lernt auch an Wochenenden. Zwei Drittel der Jugendlichen fühlen sich durch den Schulalltag überfordert.
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Mobbing verschärft die Situation zusätzlich. Ein Drittel der 11- bis 17-Jährigen erfährt monatlich Ausgrenzung oder Aggressionen. Bei den 14-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei 38 Prozent. Die Belastungen spiegeln sich auch bei Lehrkräften wider: 46 Prozent nannten das Verhalten der Schüler – Motivationsmangel, Aggressivität und Konzentrationsprobleme – als größte berufliche Belastung.
Einsamkeit als Dauerphänomen der Generation Z
Untersuchungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigen die Problematik der Einsamkeit unter jungen Erwachsenen. Rund 21 Prozent der 21- bis 30-Jährigen fühlen sich stark einsam – deutlich mehr als in älteren Altersgruppen. Die Forscher betonen: Dies sei kein vorübergehendes Phänomen, sondern eine anhaltende psychosoziale Belastung.
Frauen sind mit 36 Prozent häufiger betroffen als Männer mit 32 Prozent. Den kontrastierenden Blickwinkel liefert eine Studie der Universität Zürich: Trotz der messbaren Belastungen gaben 83 Prozent der befragten Jugendlichen an, dass ihre prägenden Erlebnisse überwiegend positiv seien. Vor allem Erfahrungen in der Ausbildung, Freundschaften und persönliche Reisen wurden als bedeutsam hervorgehoben.
Lange Wartezeiten auf Therapieplätze
Die Gesundheitsversorgung hält mit der Entwicklung nicht Schritt. In der Schweiz stagnieren die Kapazitäten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. In Deutschland zeigen Daten eines Krankenkassen-Reports für den Zeitraum 2019 bis 2024 eine deutliche Zunahme diagnostizierter Angst- und Essstörungen.
Experten kritisieren insbesondere lange Wartezeiten auf Therapieplätze – teils bis zu sechs Monate. Als Reaktion werden in einzelnen Regionen Modellprojekte erprobt. Schulpsychologen übernehmen dort eine beschleunigte Vermittlung zu psychotherapeutischen Erstgesprächen. Ziel ist es, frühzeitig zu intervenieren, bevor sich psychische Belastungen chronifizieren oder zum Abbruch der Bildungsbiografie führen.
