Psychische, Belastung

Psychische Belastung: Homeoffice verantwortlich für ein Drittel Anstieg

06.06.2026 - 11:02:40 | boerse-global.de

Viele Firmen vernachlässigen die gesetzliche Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen, was immense Kosten verursacht.

Psychische Belastung am Arbeitsplatz: Milliardenrisiko für Unternehmen
Psychische - Eine gestresste Person, den Kopf in den Händen haltend, sitzt an einem modernen Schreibtisch mit einem Laptop. 06.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die psychische Belastung am Arbeitsplatz steigt – doch viele Unternehmen ignorieren ihre gesetzliche Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung. Das kostet Milliarden.

Was das Gesetz vorschreibt

Seit 2013 schreibt das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) vor: Die Gefährdungsbeurteilung muss auch psychische Belastungen erfassen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) konkretisierte im Juni 2026 die Anforderungen in einem Handbuch.

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Als wesentliche Gestaltungsziele gelten ein angemessener Handlungsspielraum, eine bewältigbare Arbeitsmenge, klare Aufgabenstellungen sowie soziale Unterstützung und Schutz vor Gewalt. Der vollständige Arbeitsschutzprozess umfasst die Festlegung von Arbeitsbereichen, die Ermittlung und Bewertung von Belastungen, die Planung von Maßnahmen sowie eine Wirksamkeitsprüfung.

Homeoffice als Belastungsfaktor

Hohe Arbeitsintensität, anhaltender Zeitdruck und unklare Verantwortlichkeiten gelten als Hauptursachen für psychische Fehlbelastungen. Die räumliche Flexibilisierung der Arbeit wird zunehmend kritisch betrachtet.

Eine US-Studie vom Juni 2026 mit Daten von rund einer halben Million Beschäftigten (2011 bis 2024) deutet darauf hin: Homeoffice könnte für etwa ein Drittel des Anstiegs psychischer Belastungen verantwortlich sein. Besonders Alleinlebende sind betroffen – sie verbringen signifikant häufiger den gesamten Tag isoliert.

Arbeitszeit: Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte Anfang Juni 2026 Pläne zur Flexibilisierung der täglichen Höchstarbeitszeit. Laut dem DGB-Index Gute Arbeit sind nur 40 Prozent der Arbeitnehmer mit ihrer Arbeitszeit zufrieden. Ein erheblicher Teil geht bereits erschöpft aus dem Arbeitstag.

Experten betonen: Burn-out ist meist die Folge systemischer Fehler in der Arbeitsorganisation – mangelhafte Kommunikation oder fehlende Kontrolle. Nicht individuelle Schwäche ist das Problem.

Internationale Zahlen zeigen den Druck

Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. In der Schweiz liegen krankheitsbedingte Abwesenheiten laut Gewerkschaftsangaben rund 80 Millionen Stunden über dem Niveau vor der Pandemie. Die Kosten durch Präsentismus – Arbeiten trotz Krankheit – werden auf 33,7 Milliarden CHF geschätzt.

Doch nur 46 Prozent der Schweizer Unternehmen führen systematische Risikobeurteilungen durch. Zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt liegt bei 77 Prozent.

Brasilien verschärfte im Mai 2026 seine Norm NR-01. Unternehmen müssen psychosoziale Risiken wie Überlastung, Mobbing und Stress nun explizit ins Risikomanagement integrieren. Der Hintergrund: Rekordwerte bei mentalen Störungen mit über 546.000 Leistungen im Jahr 2025.

In Deutschland entfielen 2023 rund 288.000 Krankschreibungen auf psychische Diagnosen. Frauen sind überproportional betroffen.

Was Unternehmen tun können

Zur Prävention setzen Unternehmen verstärkt auf betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). Flexible Arbeitszeitmodelle, Führungskräfteschulungen und spezifische Gesundheitsangebote gehören dazu.

Fachärzte warnen: Früherkennung von Warnsignalen wie zunehmender Irritabilität oder Zynismus ist entscheidend, um chronische Erschöpfung zu verhindern.

Klinische Versorgung mit Schieflage

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In Deutschland fließen über zehn Prozent der Gesundheitsausgaben in mentale Gesundheit. Doch rund 80 Prozent dieser Mittel gehen in die stationäre Behandlung – die wiederum nur einen Bruchteil der Patienten erreicht.

In der Therapie depressiver Erkrankungen gewinnen technische Verfahren an Bedeutung. Die invasive Vagusnervstimulation zeigt bei therapieresistenten Verläufen nachweisliche Wirksamkeit, so Experten des Universitätsklinikums Freiburg. Für nicht-invasive Methoden über die Haut fehlen noch wissenschaftliche Belege.

Für Fachkräfte in Arbeitssicherheit und Personalwesen werden zunehmend spezialisierte Qualifizierungen angeboten. Ein Schwerpunkt der fachlichen Diskussion im Sommer 2026 liegt auf der Gesundheit in Pflegeberufen – mit Themen wie Gewaltprävention und digitale Belastungen.

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