Psilocybin, Studie

Psilocybin: Studie belegt Schutz vor Chemotherapie-Nervenschäden

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie zeigt im präklinischen Modell anhaltenden Nervenschutz durch Psilocybin; klinische Prüfungen zur CIPN-Prävention sollen folgen.

Psilocybin schützt Nerven im Chemotherapie-Modell
Nahaufnahme eines neuronalen Netzwerks zur Darstellung neuroprotektiver Forschungsprozesse. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen untersuchen das Potenzial von Psilocybin als präventive Maßnahme gegen Nervenschäden, die infolge von Chemotherapien auftreten. Im Fokus steht dabei die sogenannte Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN), eine häufige Nebenwirkung bei Krebspatienten.

Eine am 6. September 2026 in der Fachzeitschrift Science veröffentlichte Studie liefert neue Belege dafür, dass der Wirkstoff das Absterben von Nervenzellen in präklinischen Modellen verhindern kann.

Wirksamkeit gegen Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie

Die periphere Neuropathie stellt eine erhebliche Belastung für onkologische Patienten dar. Der Onkologe Moran Amit, einer der Autoren der Forschungsarbeiten am MD Anderson Cancer Center, wies darauf hin, dass bis zu 60 % der Patienten, die mit Platin-basierten Medikamenten behandelt werden, von dieser Nebenwirkung betroffen sind.

Betroffene leiden häufig unter einem brennenden oder tauben Gefühl in Händen und Füßen sowie einer ausgeprägten Empfindlichkeit gegenüber Kälte und mechanischen Reizen.

In einem am 6. September 2026 vorgestellten Versuchsaufbau mit einem Cisplatin-Modell konnte gezeigt werden, dass zwei Dosen Psilocybin vor Beginn der Chemotherapie eine mechanische Überempfindlichkeit vollständig verhinderten.

Diese Schutzwirkung blieb über sechs Chemotherapie-Zyklen und einen Zeitraum von acht Monaten stabil. Die Forscher beobachteten zudem, dass sowohl die Nervenenden als auch der Tastsinn bewahrt wurden, ohne dass die Antitumoraktivität der Chemotherapie durch den Einsatz von Psilocybin beeinträchtigt wurde.

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Zelluläre Mechanismen und die Rolle von Serotoninrezeptoren

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der MD-Anderson-Studie, die unter der Co-Leitung von Moran Amit und Patrick Dougherty entstand, deuten auf einen spezifischen neuroprotektiven Mechanismus hin. Demnach trägt Psilocybin dazu bei, den mitochondrialen Transport innerhalb der Axone – den Fortsätzen der Nervenzellen – aufrechtzuerhalten. Diese Ergebnisse konnten nicht nur im Tiermodell, sondern auch an ex-vivo menschlichen Nerven bestätigt werden.

Ein zentraler Aspekt der Forschung ist die Identifizierung der verantwortlichen Rezeptoren. Die Studienautoren stellten fest, dass der nicht-halluzinogene 5-HT2A-Agonist TBG einen vergleichbaren Schutz bietet wie Psilocybin. Dies lässt darauf schließen, dass die neuroprotektive Wirkung über Serotoninrezeptoren vermittelt wird, was die Entwicklung von Therapien ermöglichen könnte, die auf die psychedelische Komponente verzichten. Damit positioniert sich Psilocybin als potenzielle First-in-Class-Intervention zur Prävention von CIPN.

Klinische Perspektiven und Ausblick auf künftige Humanstudien

Adrian Ochsenbein vom Inselspital Bern bezeichnete die Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie als ein großes Problem in der Onkologie. Während die bisherigen Ergebnisse primär auf Maus- und Rattenmodellen sowie Laboruntersuchungen basieren, bereitet die Wissenschaft nun den Übergang in die klinische Anwendung vor. Am MD Anderson Cancer Center sollen klinische Studien am Menschen noch im Laufe des Jahres beginnen.

Zudem ist eine Phase-2-Studie unter dem Namen NeuroGuard (NCT07227909) geplant, um die Wirksamkeit und Sicherheit von Psilocybin zur Vorbeugung von Nervenschäden systematisch zu untersuchen. Neben der Neuroprotektion deuten weitere Forschungsdaten darauf hin, dass Psilocybin auch Symptome wie Angst, Depressionen und Übelkeit bei Krebspatienten reduzieren könnte.

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Trotz der vielversprechenden Datenlage betonen Mediziner die Notwendigkeit weiterer Forschung zur optimalen Dosierung und Sicherheit. In Berichten vom September 2026 wird explizit vor Selbstmedikation gewarnt, da die Anwendung im Rahmen kontrollierter klinischer Studien erfolgen muss, um die Patienten nicht zu gefährden.

Erste klinische Studien, welche die Auswirkungen von Psilocybin auf Chemotherapie-Nebenwirkungen bei Patienten untersuchen, sind in den USA bereits angelaufen.

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