Proteinqualität: Tofu schlägt Fleisch mit 36 von 40 Punkten
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 09:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen der National Nutrition Week Anfang September 2026 wurde mit dem PAN India White Paper ein neuer Leitfaden vorgestellt, der die verbreitete Unterversorgung mit Proteinen bei Erwachsenen thematisiert. Das Dokument gibt spezifische Empfehlungen für verschiedene Bevölkerungsgruppen und stützt sich dabei auf aktuelle ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse.
Differenzierte Empfehlungen nach Bevölkerungsgruppen
Die im White Paper zitierten Empfehlungen des ICMR-NIN sehen für gesunde Erwachsene in Indien eine tägliche Zufuhr von 0,83 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht vor. Dies entspricht etwa 50 g Protein pro Tag für einen Erwachsenen mit einem Körpergewicht von 60 kg. Für Personengruppen mit erhöhtem Bedarf, darunter Kinder, Stillende, Sportler und ältere Menschen, kann die empfohlene Menge auf bis zu 2 g pro Kilogramm Körpergewicht steigen.
Ein besonderes Augenmerk legt der Leitfaden auf die Bewertung der Proteinqualität. Demnach sei die Angemessenheit der Versorgung nur über fünf verschiedene Ebenen bewertbar und nicht allein durch die Grammanzahl pro Tag zu definieren. Als Risikogruppen für eine Unterversorgung werden neben Kindern und Senioren explizit Schwangere, Stillende sowie kranke Menschen genannt.
Bewertung pflanzlicher und tierischer Proteinquellen
Entgegen verbreiteter Annahmen weist das PAN India White Paper darauf hin, dass pflanzliche Proteine alle neun essentiellen Aminosäuren enthalten. Eine Kombination verschiedener pflanzlicher Quellen innerhalb einer einzelnen Mahlzeit sei daher nicht zwingend erforderlich.
Beobachtungsdaten einer großangelegten Studie mit über 715.000 Personen deuten zudem darauf hin, dass eine höhere Zufuhr von pflanzlichem Protein mit einem geringeren Sterberisiko korreliert. Insbesondere der Ersatz von 3 % der täglichen Kalorien aus tierischem Protein, vor allem aus verarbeitetem Fleisch, wurde mit einer Senkung dieses Risikos in Verbindung gebracht.
Dr. Chris Macdonald von der University of Cambridge bewertete in einer im September 2026 thematisierten Untersuchung 20 Proteinquellen anhand des sogenannten BPI-Scores. Dabei erreichte Tofu mit 36 von 40 Punkten den Spitzenplatz, während Cheddar-Käse auf dem letzten Platz landete.
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In der Analyse wurden unter anderem Proteingehalte von 16 g pro 100 g bei Tofu, 23 g bei Linsen und Hähnchenbrust sowie 29 g bei Erdnüssen aufgeführt.
Risiken hoher Zufuhr und klinische Perspektiven
Trotz der Bedeutung einer ausreichenden Versorgung warnen Wissenschaftler auch vor einem exzessiven Proteinverzehr. Der Altersforscher Morten Scheibye-Knudsen verwies auf eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit von über 350 Studien, wonach eine zu hohe Zufuhr das Zellwachstum und das Krebsrisiko steigern könne.
Dänische Empfehlungen setzen den Bedarf für Erwachsene unter 70 Jahren bei 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht an, während er für über 70-Jährige auf 1,2 bis 1,5 g steigt.
Dr. Dudley Lamming von der University of Wisconsin-Madison berichtete in einem Review ebenfalls über die Effekte einer Proteinrestriktion. In Versuchen führte eine Halbierung der üblichen Zufuhr auf etwa 7 bis 9 % der Gesamtkalorien kurzfristig zu Gewichtsverlust und einer verbesserten Insulinsensitivität.
Weitere gesundheitliche Aspekte beleuchtet die EPIC-Oxford-Studie aus Großbritannien. Bei der Untersuchung von fast 55.000 Menschen über einen Zeitraum von durchschnittlich 17,6 Jahren wurde bei Veganern ein um 43 % höheres Risiko für Knochenbrüche im Vergleich zu Fleischessern festgestellt.
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Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bewertete die vegane Ernährung im Jahr 2024 neu und stufte sie für gesunde Erwachsene bei sorgfältiger Planung und Supplementierung von Vitamin B12 als potenziell gesundheitsfördernd ein.
Innovationen in der Lebensmitteltechnologie
Um den steigenden Bedarf an nachhaltigen Proteinquellen zu decken, widmen sich Forschungsprojekte der Nutzbarmachung von Nebenströmen. Das niederländische Projekt VASCO arbeitet mit einem Budget von knapp 4 Millionen Euro daran, Proteine aus Raps, Kartoffeln und Hülsenfrüchten mittels Extraktion und Fermentation für Fleischalternativen oder Snacks verfügbar zu machen.
In der Quinoa-Forschung wurden zudem Fortschritte bei der Gewinnung des besonders proteinreichen Keims erzielt. Während der Keim bei herkömmlichem Getreide nur einen geringen Anteil ausmacht, liegt er bei Quinoa bei etwa 30 %. Eine im Journal of Food Science veröffentlichte Studie zeigte, dass die Anreicherung von Pasta mit bis zu 20 % Quinoa-Keim die Proteinqualität signifikant steigern kann, ohne die Produktakzeptanz zu gefährden.
