Proteinmilch, NielsenIQ

Proteinmilch: NielsenIQ meldet 21,5 Prozent Umsatzplus bei angereicherten Produkten

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 10:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Proteinprodukte wachsen stärker als andere Milchprodukte, erzielen höhere Preise und stehen zugleich wegen Zutaten und Nährwertangaben in der Kritik.

Protein- und Ballaststoffprodukte verändern den Milchmarkt
Moderne industrielle Anlage zur Lebensmittelverarbeitung mit Edelstahlrohren und Ventilen in einer hellen Produktionshalle. Illustration mit AI erstellt.

Der Markt für klassische Trinkmilch steht unter erheblichem Veränderungsdruck. Während der Konsum von Milch in ihrer reinen Form an Attraktivität verliert, gewinnen Milchmischgetränke, die mit Aromen, Proteinen oder funktionalen Zusätzen wie Ballaststoffen und Mineralien angereichert sind, als Lifestyle-Produkte an Bedeutung. Aktuelle Marktdaten und Unternehmensstrategien verdeutlichen diesen Trend hin zu Produkten mit spezifischem Zusatznutzen.

Investitionen in Proteinsegmente und Marktentwicklung

Große Akteure der Branche reagieren auf die verschobene Nachfrage. Die Bayerische Milchindustrie (BMI) verfolgt das Ziel, bis Ende 2028 rund 40 Millionen Euro in ihre Ingredients-Sparte zu investieren. Davon soll insbesondere das Werk in Zapfendorf profitieren.

Ein wesentlicher Bestandteil dieser Strategie ist die Erweiterung des Sortiments um proteinreiche Produkte. So ist ab Oktober 2026 die Einführung eines weiteren High-Protein-Käses aus dem Werk Jessen geplant, für den eine unverbindliche Preisempfehlung von 16 Euro pro Kilogramm vorgesehen ist.

Die wirtschaftliche Relevanz dieses Segments belegen Daten von NielsenIQ. Demnach stieg der Umsatz mit protein-gekennzeichneten Produkten der sogenannten Weißen Linie in den zwölf Monaten bis März 2026 um 21,5 Prozent. Im Vergleich dazu verzeichneten Produkte ohne entsprechenden Hinweis lediglich ein Plus von 2,2 Prozent.

Dieser Trend spiegelt sich auch in der Preisgestaltung wider: Während eine Packung mit Protein-Hinweis im Schnitt 1,50 Euro kostete, lag der Preis für Produkte ohne diesen Hinweis bei 1,07 Euro – ein Aufpreis von rund 40 Prozent.

Ballaststoffe als neue funktionale Komponente

Neben Proteinen rücken zunehmend Ballaststoffe in das Zentrum der Produktentwicklung. Das Unternehmen Oatly hat in Deutschland die Varianten Fiber Barista Edition und Fiber Low-Calorie eingeführt, die pro 250-ml-Portion 5 Gramm Ballaststoffe liefern. Die fett- und kalorienreduzierte Version enthält dabei 20 kcal je 100 ml und verzichtet auf Zucker.

Hintergrund dieser Markteinführungen sind Ernährungsempfehlungen: Das Max Rubner-Institut gibt an, dass die durchschnittliche Aufnahme in Deutschland 11 Gramm unter dem Richtwert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) von 30 Gramm täglich liegt.

International zeigt sich ein ähnliches Bild. Das Unternehmen Pure Genius Protein adressiert mit Protein + Fiber, einem Shot mit 20 Gramm Protein und 5 Gramm präbiotischen Tapiokafasern, den US-Markt.

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Während klassische Trinkmilch an Attraktivität verliert, wachsen protein-gekennzeichnete Produkte der Weißen Linie laut NielsenIQ um 21,5 Prozent — bei nur 2,2 Prozent ohne Hinweis. Wer sein Sortiment jetzt auf funktionalen Zusatznutzen ausrichtet, sichert sich den Aufpreis, den der Handel bereits akzeptiert. Der kostenlose Report bündelt Marktdaten, Launch-Checkliste und Rezeptur-Ansätze für Protein- und Ballaststoff-Getränke. Trend-Report jetzt anfordern

Laut Unternehmensangaben erreichen rund 95 Prozent der US-Amerikaner die empfohlene Ballaststoffzufuhr nicht. Der Vertrieb erfolgt über Plattformen wie Amazon und Target sowie im Direktvertrieb, wobei die Preise je nach Abnahmemenge zwischen 3 und 4 US-Dollar pro Einheit liegen.

Technologische Innovationen und wissenschaftliche Begleitung

Die Branche investiert verstärkt in Technologien, die das Nährwertprofil optimieren, ohne den Geschmack zu beeinträchtigen. Das britische Start-up MicroLub sicherte sich jüngst 7,5 Millionen Pfund an Wachstumskapital für die Entwicklung proteinbasierter Mikrogele. Diese sollen Fett in Lebensmitteln ersetzen und dabei ein cremiges Mundgefühl bewahren.

Das Unternehmen gibt an, dass Fett- und Kaloriengehalt in Anwendungen um bis zu 75 Prozent gesenkt werden können. Die Technologie sei bereits vom Pilotmaßstab in die industrielle Produktion überführt worden.

Parallel dazu gewinnen wissenschaftliche Prüfprozesse an Bedeutung. Für Produkte wie ALPHA WHEY und einen speziellen Energydrink auf Basis von Mandarine, Zitrone und Ingwer wurde eine wissenschaftliche Begleitung durch Prof. Dr. Dieter Lazik vereinbart. Dabei sollen Proteingehalt und Kennzeichnung vor der Marktfreigabe geprüft werden. An diesem Projekt ist zudem ein namentlich nicht genannter deutscher Mischkonzern finanziell beteiligt.

Kritische Einordnung der Gesundheitstrends

Trotz des Marktwachstums äußern Fachleute auch Vorbehalte gegenüber funktionalen Lebensmitteln. Experten der Verbraucherzentrale Hamburg stellten in einem Marktcheck fest, dass Proteinprodukte zwar oft zwei- bis dreimal so viel Eiweiß wie Vergleichsprodukte enthalten, aber häufig auch vermehrt Aromen, Süßungsmittel oder Zusatzstoffe aufweisen.

Zudem wird darauf verwiesen, dass die Eiweißaufnahme in Deutschland mit durchschnittlich 85 Gramm bei Männern und 64 Gramm bei Frauen oft bereits über den allgemeinen Empfehlungen liegt.

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Ein Protein-Hinweis auf der Packung kostet im Schnitt 1,50 Euro statt 1,07 Euro — rund 40 Prozent Aufpreis. Doch Verbraucherschützer monieren zugleich Zucker, Süßungsmittel und Aromen in vielen Proteinprodukten. Wer den Aufpreis verteidigen will, braucht eine Rezeptur, die Nährwert und Zutatenliste zusammen sauber hält. Der kostenlose Report zeigt, welche Formulierungen und Kennzeichnungen diesem Prüfdruck standhalten. Rezeptur- und Claim-Checkliste sichern

Kritik kommt zudem von Fachjournalisten wie Uwe Knop. In Beiträgen für ÖKO-TEST gab dieser zu bedenken, dass die Mengen der beworbenen Inhaltsstoffe in funktionalen Getränken oft unter den in Studien wirksamen Dosierungen lägen. Er ordnet die Evidenz für diese Produktkategorie als teilweise nicht belastbar ein und weist auf die erheblichen Preisdifferenzen hin: Funktionale Varianten könnten teils zum Drei- bis Fünffachen des Preises klassischer Erfrischungsgetränke verkauft werden.

Zudem merken Fachberichte an, dass die Bestimmung der Proteinmengen auf Verpackungen oft auf Verfahren aus dem 19. Jahrhundert beruhe, was zu Überschätzungen der tatsächlichen Werte führen könne.

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