Protein-Hype: Warum 350 Studien keine Extra-Shakes für alle nahelegen
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 14:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gesunde Erwachsene in Deutschland benötigen pro Tag etwa 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Wie die Ernährungsberaterin Anna Dandekar gegenüber dem SWR erläuterte, steigt dieser Richtwert bei älteren Menschen ab 65 Jahren sowie bei Sportlern auf etwa 1 bis 1,6 Gramm je Kilogramm an.
Trotz des anhaltenden Trends zu proteinangereicherten Produkten im Handel seien Speziallebensmittel für den Großteil der Bevölkerung jedoch nicht erforderlich, wenn der tägliche Bedarf bereits über die herkömmliche Ernährung gedeckt wird.
Ausgewogene Ernährung genügt für den Tagesbedarf
Nach Angaben von Anna Dandekar reichen herkömmliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Quark und Nüsse im Alltag vollkommen aus, um die empfohlene Menge an Eiweiß aufzunehmen. Eine isolierte Erhöhung der Proteinzufuhr führe zudem nicht automatisch zu mehr Muskelmasse. Für den Muskelaufbau sei stets ein entsprechender Trainingsreiz zwingend erforderlich.
Gleichzeitig mahnt die Ernährungsberaterin zur Vorsicht bei übermäßigem Konsum: Für Menschen mit bestehenden Nierenerkrankungen kann eine dauerhaft zu hohe Proteinzufuhr gesundheitsschädlich sein.
Wissenschaftliche Debatte über Proteinmengen und Stoffwechsel
Während im Handel vermehrt eiweißreiche Snacks und Produkte beworben werden, blickt die Forschung differenzierter auf das Thema. Eine in Cell Press Blue veröffentlichte Übersichtsarbeit über mehr als 350 Studien verknüpft eine geringere Proteinzufuhr mit potenziellen Vorteilen für den Stoffwechsel und ein gesundes Altern.
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Eine Verlängerung der Lebensspanne durch gezielte Proteinrestriktion ist bislang allerdings vor allem bei Fliegen und Nagetieren belegt, während entsprechende Daten aus der Humanforschung begrenzt bleiben.
Kleine klinische Untersuchungen zeigten bei einer proteinreduzierten Ernährung Gewichts- und Körperfettverluste sowie teilweise verbesserte Nüchternblutzuckerwerte. Als mögliche Mechanismen gelten das Leberhormon FGF21 und die Aminosäuren Methionin, Isoleucin und Valin. Eine gezielte Einschränkung einzelner Aminosäuren wird derzeit jedoch noch nicht empfohlen.
Dudley Lamming von der University of Wisconsin-Madison betonte in diesem Zusammenhang, dass eine Proteinreduktion Stoffwechselwege für ein gesundes Altern beeinflussen und den FGF21-Spiegel anheben könne. Die direkte Übertragbarkeit auf den Menschen bleibe aber unklar, da viele Untersuchungen an Tieren oder unter streng kontrollierten Laborbedingungen stattfanden.
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Für US-Erwachsene wird laut Lamming eine durchschnittliche Zufuhr von rund 100 Gramm täglich verzeichnet, verglichen mit der Basisempfehlung von 0,8 Gramm je Kilogramm Körpergewicht. Zugleich wies er darauf hin, dass ältere Erwachsene, Sportler sowie Personen in der Genesungsphase durchaus höhere Proteinmengen benötigen können.
Einfluss von Bewegung auf die Eiweißverwertung
Laut Cell Press Blue könnte eine übermäßige Proteinzufuhr insbesondere für überwiegend bewegungsarme Menschen gesundheitliche Nachteile bergen. In solchen Fällen werde eine niedrigere Zufuhr mit Gewichts- und Fettverlust sowie günstigeren Blutzuckerwerten assoziiert. Regelmäßige körperliche Bewegung könne den Stoffwechsel jedoch unterstützen und vor möglichen negativen Begleiterscheinungen einer stark proteinreichen Ernährung schützen.
