Prostatakrebs-Screening: Systematische Tests senken Sterblichkeit um 50%
12.06.2026 - 09:53:31 | boerse-global.de
Die Wiener Ärztekammer spricht sich Mitte Juni 2026 für ein nationales, strukturiertes Screening-Programm für Prostatakrebs aus. In Österreich ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung bei Männern – statistisch jeder achte ist betroffen. Vizepräsidentin Naghme Kamaleyan-Schmied betont: Ein systematisches Screening könnte die Sterblichkeit um mehr als die Hälfte senken.
Bisher stützt sich die Früherkennung primär auf opportunistische PSA-Tests. Shahrokh Shariat vom AKH Wien kritisiert eine sozial unfaire Verteilung und das Risiko von Überdiagnosen. Die Lösung: ein risikoadaptiertes Screening mit gezielten Einladungen. Das soll die Genauigkeit erhöhen und unnötige Eingriffe minimieren.
Cochrane-Review zeigt Nutzen und Risiken
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Ein im Juni 2026 veröffentlichter Cochrane-Review mit sechs Studien und rund 800.000 Teilnehmern liefert differenzierte Daten. Ergebnis: Durch das Screening sinkt die Sterblichkeit um zwei Todesfälle pro 1.000 untersuchte Männer. Der statistisch messbare Nutzen zeigt sich jedoch erst nach langer Beobachtungszeit.
Dem Nutzen stehen erhebliche Risiken gegenüber. Die Studie verweist auf Überdiagnosen und Folgeschäden durch unnötige Behandlungen. Zwischen 8 und 47 Prozent der behandelten Patienten leiden unter Inkontinenz, häufig wird auch über Impotenz berichtet. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) berät seit Oktober 2025, ob ein risikoadaptiertes Screening als Kassenleistung aufgenommen wird.
Steigende Erkrankungsraten – regionale Unterschiede groß
Daten der AOK Hessen belegen einen deutlichen Anstieg: 2023 waren 2,64 Prozent der versicherten Männer in Hessen an Prostatakrebs erkrankt – ein Plus von 18 Prozent gegenüber 2018. Hauptursache: die alternde Gesellschaft.
Die regionalen Schwankungen sind enorm. Während im Hochtaunuskreis die Erkrankungsrate bei 2,17 Prozent lag, verzeichnete der Kreis Hersfeld-Rotenburg 3,74 Prozent. Parallel stiegen auch Brustkrebsraten bei Frauen um 13 Prozent auf 2,63 Prozent.
Neue Therapien: VIR-5500 zeigt hohe Wirksamkeit
In der Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms gibt es vielversprechende Ansätze. Auf einem Symposium in San Francisco wurden im Juni 2026 Ergebnisse zum Wirkstoff VIR-5500 vorgestellt. Bei 58 Patienten mit fortgeschrittenem Krebs zeigte der sogenannte T-Zell-Engager hohe Wirksamkeit. In der höchsten Dosierung sank der PSA-Wert bei 82 Prozent der Probanden um mindestens die Hälfte. Bei einem Patienten verschwanden nach sechs Behandlungszyklen alle 14 Metastasen.
Auch chirurgisch gibt es Neuerungen. Die Klinik Kittsee setzt seit Mai 2026 ein modernes High-Power-Holmium:YAG-Lasersystem ein. Die Technik kommt bei gutartigen Prostatavergrößerungen und in der Steintherapie zum Einsatz. Vorteile: kürzere Operationszeiten, weniger Blutungen, schnellere Entlassung – oft bereits am ersten Tag.
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Informationsangebote für Patienten
Begleitend zu den medizinischen Entwicklungen finden im Juni 2026 verschiedene Informationsveranstaltungen statt. Am 15. Juni bietet das Zollernalb Klinikum Balingen Fachvorträge zu Beckenbodenproblemen und Inkontinenz an – im Rahmen der Weltkontinenzwoche. Das Universitätsklinikum Freiburg thematisierte bereits spezielle Ansätze zur Behandlung von Inkontinenz nach Geburten.
Weitere Patientenforen, etwa am 20. Juni in Mannheim, widmen sich orthopädischen und unfallchirurgischen Themen. Für pflegende Angehörige gibt es zudem regionale Austauschmöglichkeiten zur häuslichen Versorgung und psychischen Entlastung.
