Prostatakrebs: Aktive Überwachung steigt im SEER-Register auf 83,4 Prozent
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie therapeutische Herangehensweise bei Prostatakrebs im Frühstadium hat sich in den Vereinigten Staaten grundlegend gewandelt. Bei Tumoren mit geringem Risiko verzichten Ärzte und Patienten immer häufiger auf unmittelbare operative Eingriffe oder Bestrahlungen.
Stattdessen setzt sich die aktive Überwachung, bei der das Krebswachstum engmaschig kontrolliert wird, zunehmend als regulärer Standard durch. Das belegt eine im Fachjournal CANCER veröffentlichte Auswertung von US-Registerdaten vom 26. Oktober 2026.
Deutlicher Anstieg des Verzichts auf invasive Therapien
Aus den im Fachblatt CANCER publizierten Daten geht hervor, dass der Verzicht auf eine sofortige Strahlentherapie oder operative Prostataentfernung massiv zugenommen hat. Im US-amerikanischen SEER-Krebsregister stieg der Anteil der Niedrigrisiko-Patienten ohne radikale Erstbehandlung bis zum Jahr 2023 von 33,6 % auf 83,4 %.
Noch deutlicher fiel dieser Trend im Gesundheitssystem des Kriegsveteranenministeriums (Veterans Affairs, VA) aus: Dort wuchs der Anteil unbestrahlter und unoperierter Männer mit Niedrigrisikobefund bis 2024 von 51,6 % auf 96,3 %.
Parallel dazu sank der relative Anteil der Fälle mit niedrigem Risikoprofil bei der Erstdiagnose. In den SEER-Daten ging dieser Wert im Zeitraum von 2010 bis 2023 von 28,8 % auf 24,0 % zurück. Im VA-System verringerte sich der Anteil zwischen 2010 und 2024 von 32,3 % auf 21,9 %.
Wie Studienleiter Steven M. Monda von der Universität Michigan darlegte, sei der moderate Rückgang bei den Diagnosen von Niedrigrisiko-Tumoren wohl auf den vermehrten Einsatz von Magnetresonanztomografien (MRT) im Rahmen der Früherkennung zurückzuführen. Zudem betonte Monda, dass die Mehrheit der Niedrigrisiko-Fälle mittlerweile beobachtet statt sofort invasiv behandelt werde.
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Rückläufiger Anteil von Niedrigrisiko-Fällen bei Bestrahlungen
Der Wandel spiegelt sich ebenfalls in den Behandlungsstatistiken der Strahlentherapie wider. Unter 207.196 bestrahlten Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom sank der Niedrigrisiko-Anteil im SEER-Register von 33,7 % auf 6,5 %.
Im VA-System reduzierte sich diese Quote von 22,9 % auf 2,0 %. Ergänzende Erhebungen des Michigan Radiation Oncology Quality Consortiums (MROQC) für die Jahre 2021 bis 2025 wiesen den Anteil bestrahlter Niedrigrisiko-Patienten in einer spanne von 2,8 % bis 4,2 % aus.
Zugleich weist die Untersuchung methodische Grenzen auf: Bei der CANCER-Analyse handelt es sich um eine Beobachtungsstudie ohne randomisierte Endpunktdaten. Die Arbeit liefert keine Angaben zu Konfidenzintervallen, Hazard Ratios oder p-Werten, quantifiziert das Gesamtüberleben nicht und belegt die langfristige klinische Konsequenz der Entwicklung nicht abschließend.
Verlauf und Kontrollintervalle in der klinischen Praxis
Fachonkologen am Roswell Park Comprehensive Cancer Institute in Buffalo verweisen darauf, dass 40 % bis 60 % der Männer unter aktiver Überwachung im späteren Verlauf zu einer aktiven Therapie konvertieren. Die 10- und 15-Jahres-Überlebensraten lägen bei über 97 % und seien damit auf demselben Niveau wie bei einer sofortigen Behandlung.
Ein betroffener Patient, Tim O'Shea, der seine Diagnose im Jahr 2024 erhielt, befindet sich am Roswell Park seit zwei Jahren unter engmaschiger Beobachtung mit Kontrolluntersuchungen alle sechs Monate sowie jährlichen MRT-Scans und Blutanalysen.
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Mediziner betonen, dass bei Tumoren mit niedrigem Grad eine aktive Überwachung mit PSA-Wert-Kontrollen alle drei Monate durchgeführt werden kann. Für die Vorsorge empfehlen Fachärzte einen Screening-Start ab einem Alter von 40 Jahren bei familiärer Vorbelastung und ansonsten bis zum 55. Lebensjahr, begleitet von mindestens jährlichen Kontrollen.
