Präzisionsfermentiertes, Protein

Präzisionsfermentiertes Protein: EU-Zulassung fehlt trotz 120 Prozent Preisanstieg

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 22:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

WPC80 verteuerte sich um 120 Prozent; während EU-Genehmigungen fehlen, bereiten Hersteller die industrielle Produktion fermentierter Proteine vor.

Präzisionsfermentation: Molkenpreise steigen, EU-Zulassung bleibt aus
Edelstahl-Bioreaktor in einer modernen Produktionsanlage für Lebensmittel Illustration mit AI erstellt.

Knappe Molkenressourcen stellen die Lebensmittel- und Sporternährungsindustrie vor wachsende Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund setzen Unternehmen verstärkt auf Proteine aus Präzisionsfermentation, bei der gentechnisch veränderte Mikroorganismen gezielt einzelne Milchproteine wie beta-Lactoglobulin, Casein oder Ovalbumin herstellen.

Während die technologische Entwicklung und Skalierung voranschreiten, warten diese Produkte in Europa jedoch weiterhin auf ihre behördliche Zulassung.

Preisexplosion bei Molkenproteinen verstärkt Marktdruck

Zwischen Oktober 2025 und Juli 2026 stieg der Preis für das Molkenproteinkonzentrat WPC80 um 120 Prozent. Dieser deutliche Preisschub treibt die Suche nach Ausweichmöglichkeiten voran.

Dennoch fehlt in der Europäischen Union mit Stand Oktober 2026 eine Zulassung für präzisionsfermentiertes Milchprotein nach der Novel-Food-Verordnung 2015/2283.

Die Genehmigungsverfahren gestalten sich langwierig. Das Unternehmen Perfect Day reichte bereits 2022 einen Antrag für Molkenprotein bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ein, der von der Behörde jedoch zurückgesendet wurde.

In Großbritannien liegt der Antrag des Unternehmens seit April 2022 bei der FSA und stand dort im September 2026 erneut auf der Tagesordnung. Auch das Unternehmen Remilk erhielt 2023 den Bescheid, dass sein Zulassungsantrag nicht geeignet sei.

International zeigen sich unterschiedliche regulatorische Geschwindigkeiten: Israel genehmigte Milchproteine von Remilk im Jahr 2023. In den Vereinigten Staaten schlug die Food and Drug Administration (FDA) im August 2026 vor, die Selbsteinstufung nach dem GRAS-Verfahren abzuschaffen.

Dass fermentierte Proteine europäische Prüfungen prinzipiell bestehen können, belegt das Hämprotein von Impossible Foods, für das die EFSA 2024 keine Sicherheitsbedenken als Zusatzstoff sah. Für das Süßungsprotein Brazzein des Anbieters Oobli, das 2.000- bis 5.000-mal süßer als Zucker ist, erging 2024 ein behördliches Schreiben der FDA ohne Einwände.

Skalierung und technologische Eigenschaften

Hersteller bereiten ungeachtet mehrjähriger EU-Zulassungsverfahren die industrielle Fertigung vor. Das Unternehmen Verley skaliert die Produktion von beta-Lactoglobulin (BLG) per Präzisionsfermentation auf 200.000-Liter-Tanks bei Dritt-Auftragsherstellern und plant den vollen kommerziellen Verkauf für 2027. Als Zielmärkte visiert das Unternehmen die Golfstaaten (GCC), Kanada und langfristig Asien an.

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Der WPC80-Preis ist zwischen Oktober 2025 und Juli 2026 um 120 Prozent gestiegen — doch eine EU-Zulassung für präzisionsfermentiertes Milchprotein fehlt weiterhin. Wer jetzt Beschaffung und Produktlaunch plant, braucht einen belastbaren Überblick über Zulassungsstand, Alternativen und Skalierungspfade. Kostenlosen Protein-Report jetzt anfordern

Die Preisparität mit extrahiertem BLG von Arla liegt nach Angaben von CEO Stéphan Mac Millan bei über 40 US-Dollar pro Kilogramm; mehr als 20 aktive Anwendungen befinden sich in Entwicklung.

Technologisch liefert das BLG von Verley 25 Gramm Protein in einem 100-Milliliter-Shot. Ein darauf basierender Protein-Joghurt erreicht einen Proteingehalt von 13 Prozent gegenüber der konventionellen Texturgrenze von rund 9 Prozent.

Analysen zu Casein-Proteinen von NewMilkBuzz BV und der Formo Foods GmbH zeigen spezifische Produkteigenschaften: Ihre Spezifikation sieht mindestens 90 Gramm Protein pro 100 Gramm und mehr als 97 Prozent AlphaS1-Casein vor.

Getestete Chargen wiesen 93,16 bis 96,54 Gramm Protein pro 100 Gramm auf, bei Calciumwerten unter 10 Milligramm pro Kilogramm, Phosphor von 150 bis 3.500 Milligramm pro Kilogramm, Natrium von 260 bis 9.200 Milligramm pro Kilogramm und Endotoxingehalten von 6 bis 105 EU pro Milligramm.

In sämtlichen Chargen wurde keine Phosphorylierung nachgewiesen, während das native Kontrollprotein an drei von acht Stellen phosphoryliert war. Daten zu Micellen-, Bruch- oder Schmelzverhalten wurden dabei nicht berichtet.

Ökobilanzielle Einordnung

Untersuchungen zu den Umweltauswirkungen zeigen differenzierte Ergebnisse. Eine Ökobilanz von WSP aus dem Jahr 2021 wies für Perfect Day 85 bis 97 Prozent weniger Treibhausgase im Vergleich zu herkömmlichem Molkenprotein aus.

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Während die EFSA-Verfahren für präzisionsfermentiertes Milchprotein weiterlaufen, skalieren Hersteller bereits auf 200.000-Liter-Tanks und visieren Preisparität oberhalb von 40 US-Dollar pro Kilogramm an. Wer die Skalierung verschläft, verliert den Anschluss an die nächste Protein-Generation. Roadmap für Protein-Skalierung jetzt sichern

Eine finnische VTT-Studie aus dem Jahr 2022 bezifferte den Ausstoß hingegen auf 5,5 bis 17,6 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Kilogramm Fermenter-Milchprotein, verglichen mit rund 10 Kilogramm bei neuseeländischem Molkereiprotein.

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