Prädiabetes, Risiko

Prädiabetes: 40,2 Prozent Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse in 20 Jahren

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Frühe Stoffwechselstörungen können trotz unauffälliger Glukosewerte Herz-Kreislauf-Gefahren erhöhen; Lebensstiländerungen senkten das Diabetesrisiko in einer Studie.
Symbolbild: Stethoskop neben einem Glas Wasser Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Berichte warnen davor, dass scheinbar unauffällige Blutzuckerwerte eine voranschreitende Insulinresistenz und beginnende Gefäßschädigungen verdecken können. Das Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt dadurch oft schon viele Jahre vor einer formellen Diabetes-Diagnose massiv an.

Da der Blutzuckerspiegel bei beginnenden Stoffwechselproblemen häufig als letzter Parameter ausschlägt, wiegen reguläre Laborbefunde Betroffene nicht selten in falscher Sicherheit.

Tückische Latenzzeit vor dem Glukoseanstieg

Ein unauffälliger Nüchternblutzucker oder ein normaler HbA1c-Wert schließen eine ausgeprägte Insulinresistenz keineswegs aus. Der Arzt Mark Hyman weist darauf hin, dass die Glukosewerte im Blut over lange Zeit stabil bleiben können, während die Bauchspeicheldrüse bereits das Drei- bis Vierfache an Insulin ausschütten muss, um diesen Zustand aufrechtzuerhalten.

Auch die Ärztin Dr. Audrey Levy betont, dass ein metabolisches Ungleichgewicht oft über Jahre, teilweise über ein ganzes Jahrzehnt vor der klinischen Diagnose besteht. Die Erblichkeit von Typ-2-Diabetes liegt bei 20 bis 40 Prozent, beruht jedoch nicht auf einem einzelnen Gen.

Zur frühzeitigen Erkennung dienen Berechnungen aus dem Nüchternblut wie der QUICKI oder der HOMA-IR-Index, der sich aus der Formel Glukose (mmol/L) multipliziert mit Insulin (µUI/mL) geteilt durch 22,5 ergibt. Ein HOMA-IR-Wert unter 2 weist auf eine normale Insulinsensitivität hin, Werte zwischen 2 und 2,5 auf ein beginnendes Problem und Werte ab 2,5 bis 3 auf eine wahrscheinliche Resistenz.

Ab einem Wert von 4 liegt eine ausgeprägte Insulinresistenz vor. Die Ärztin Dr. Valérie Foussier sieht den primären Nutzen dieser Marker in der präventiven Diagnostik vor dem Ausbruch eines manifesten Diabetes.

Kardiovaskuläre Gefahren und das Phänomen schlanker Betroffener

Besonders spät wird eine Insulinresistenz bei normalgewichtigen Menschen erkannt. Beim sogenannten TOFI-Phänomen („Thin Outside, Fat Inside“) ersetzt viszerales Bauchfett vor allem nach dem 50. Lebensjahr bei Bewegungsmangel zunehmend die Muskulatur. Dieses innere Fettgewebe agiert als endokrines Organ und mindert über entzündungsfördernde Botenstoffe die Insulinsensitivität.

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Bei Normalgewicht gilt ein Nüchterninsulin von maximal 5 bis 7 µIE/ml als optimal, während ein Triglycerid-zu-HDL-Verhältnis von über 1,5 bis 2 bereits auf ein erhöhtes Risiko hindeutet.

Die kardiologischen Folgen sind erheblich. Wie Kardiologin Joseane Tonussi hervorhebt, geht das kardiovaskuläre Risiko weit über isolierte Cholesterin- oder Blutdruckwerte hinaus.

Eine vom Arzt Yang Zongheng zitierte 20-Jahres-Kohortenstudie belegt, dass Personen mit Prädiabetes – definiert über eine Nüchternglukose von 100 bis 125 mg/dL oder einen HbA1c von 5,7 bis 6,4 Prozent – ein 40,2-prozentiges Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie die koronare Herzkrankheit aufweisen, verglichen mit 30,2 Prozent bei dauerhaft normalen Werten. Kommt es innerhalb von zehn Jahren zur Progression zum Diabetes, steigt das kardiovaskuläre Risiko auf das 2,46-fache.

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Chancen der frühzeitigen Intervention

Prädiabetes und die zugrunde liegende Insulinresistenz gelten jedoch als reversibel. Das US-amerikanische Diabetes Prevention Program mit über 3.200 Erwachsenen aus dem Jahr 2002 zeigte, dass eine strukturierte Lebensstiländerung mit sieben Prozent Gewichtsreduktion und 150 Minuten Bewegung pro Woche das Diabetesrisiko über knapp drei Jahre um 58 Prozent gegenüber Placebo senkte.

Prof. Dr. Michael Roden vom Deutschen Diabetes-Zentrum am Universitätsklinikum Düsseldorf verweist darauf, dass sich die Erkrankung meist über Jahre bis Jahrzehnte entwickelt, wobei zuckerhaltige Getränke erhebliche Stoffwechselbelastungen darstellen.

Zur Gegensteuerung empfehlen Fachleute neben Kraft- und Ausdauertraining eine Kost mit reduziertem Zucker- und Stärkeanteil, ausreichend Eiweiß, Ballaststoffen und ungesättigten Fetten sowie gezielte Bewegung direkt nach den Mahlzeiten.

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