PPI-Dauertherapie, Risiko

PPI-Dauertherapie: 65 Prozent höheres Risiko für Vitamin-B12-Mangel

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bestimmte Präparate beeinflussen Arzneimittel oder den Nährstoffhaushalt; auch Fehler bei der Medikamentengabe sind verbreitet.

Medikamente und Nahrungsergänzung: Risiken bei Kombinationen
Ein steriler Labortisch mit einem Glasbecher in hellem, natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Gesundheitsratgeber weisen vermehrt auf die Risiken hin, die bei der gleichzeitigen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneistoffen entstehen können. Werden frei verkäufliche Präparate unbedacht mit verordneten Therapien kombiniert, drohen unerwünschte Nebeneffekte oder eine verminderte Wirksamkeit der Wirkstoffe.

Verbraucherzentralen und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnen bereits seit Jahren vor hochdosierten Präparaten und raten dazu, jede Einnahme mit Ärzten oder Apotheken abzusprechen.

Kritische Nährstoff- und Wirkstoffkombinationen

Besondere Vorsicht ist bei bestimmten Vitamin- und Mineralstoffgaben geboten. Nach Angaben des US-amerikanischen Office of Dietary Supplements der National Institutes of Health (NIH) birgt hochdosiertes Vitamin E in Verbindung mit Blutverdünnern ein gesteigertes Blutungsrisiko.

Auch Retinoide dürfen laut dem NIH nicht mit Vitamin-A-Präparaten kombiniert werden. Bei einer gleichzeitigen Anwendung von Vitamin A und dem Aknemittel Isotretinoin besteht die Gefahr einer Überversorgung, die sich in trockener Haut, spröden Lippen, Kopfschmerzen und Übelkeit äußern kann.

Zudem können Mineralstoffe die Resorption von Arzneien behindern: Zwischen der Einnahme von Magnesium und Bisphosphonaten sollte ein zeitlicher Abstand von mindestens zwei Stunden eingehalten werden, da Magnesium sonst die Aufnahme des Wirkstoffs beeinträchtigt.

Grenzen und Gefahren stark wirksamer Medikamente

Fehlannahmen über die Unbedenklichkeit bestehen auch bei verschreibungspflichtigen Präparaten. Wie die Stiftung Warentest in einem Bericht Anfang Oktober 2026 hervorhob, ist Isotretinoin ausschließlich für schwere, therapieresistente Akneformen wie Acne conglobata zugelassen und nicht für kosmetische Zwecke geeignet.

Das Mittel verändert weder knöcherne noch knorpelige Nasenstrukturen, sondern verkleinert lediglich die Talgdrüsen. Es kann zudem Leber- und Blutfettwerte verschlechtern, die Sonnenbrandanfälligkeit erhöhen sowie gereizte Augen hervorrufen.

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Für Schwangere ist der Wirkstoff wegen schwerer Fehlbildungsrisiken tabu, während bei Depressionen eine strenge ärztliche Abwägung erforderlich ist. Seit dem Herbst 2025 meldeten mehrere Hersteller dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Lieferengpässe bei entsprechenden Präparaten, was zeitlich plausibel mit Trends in sozialen Medien zusammenfällt.

Auch bei rezeptfreien Schmerzmitteln bestehen Risiken. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend, belasten jedoch den Magen-Darm-Trakt sowie die Nieren. Ibuprofen interagiert zudem mit Gerinnungshemmern und Blutdrucksenkern.

Eine 2024 veröffentlichte Übersichtsarbeit zeigte, dass NSAR in Kombination mit Dehydrierung und hoher Belastung im Sport das Nierenrisiko steigern können. Paracetamol wiederum wirkt nicht entzündungshemmend und kann bei einer Überdosierung schwere Leberschäden verursachen.

Mangelerscheinungen durch Dauertherapien

Arzneimittel können umgekehrt auch den Nährstoffhaushalt belasten. Protonenpumpenhemmer (PPI) wie Pantoprazol oder Omeprazol drosseln die Produktion von Magensäure, was bei einer langfristigen Einnahme die Aufnahme von Vitamin B12 beeinträchtigen kann.

Ein daraus resultierender Mangel kann Nervenschäden verursachen. Eine im Fachjournal JAMA publizierte US-Studie von Lam et al. aus dem Jahr 2013 mit rund 26.000 Betroffenen belegt, dass eine PPI-Einnahme über zwei Jahre oder länger mit einem um 65 Prozent erhöhten Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel einhergeht.

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Fachleute weisen darauf hin, dass etwa jeder Vierte über 65 Jahren generell von einem B12-Mangel betroffen ist. Bei einer PPI-Dauertherapie sollten Blutwerte kontrolliert und Symptome wie Konzentrationsprobleme, Müdigkeit oder Taubheitsgefühle ärztlich abgeklärt werden.

Risiken in der häuslichen Pflege

Die Komplexität der Arzneimittelanwendung zeigt sich besonders im häuslichen Umfeld. Eine Umfrage des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) unter bundesweit 1.012 pflegenden Angehörigen verdeutlichte das Ausmaß von Anwendungsfehlern: Rund 50 Prozent der Befragten berichteten von einer falschen oder versäumten Medikamentengabe innerhalb der vergangenen sechs Monate, 19 Prozent sogar von wiederholten Fehlern.

Um die Sicherheit zu erhöhen, empfiehlt die Organisation einen aktuellen Medikationsplan aus der Hausarztpraxis, der auch frei gekaufte Präparate und Nahrungsergänzungsmittel vollständig erfasst. Zudem sollten Verfallsdaten geprüft, Tabletten bei Schluckproblemen nicht eigenmächtig zerkleinert und Dosierboxen nur nach Rücksprache genutzt werden.

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