Postinfektiöse Beschwerden: Jeder fünfte Patient leidet langfristig
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Umgang mit wiederkehrenden Beschwerden und gezielten Maßnahmen zur Stärkung der Abwehrkräfte gewinnt nach überstandenen Atemwegserkrankungen und schweren Erschöpfungsphasen zunehmend an Bedeutung. Wenn Infektionen nicht vollständig ausheilen, stehen Betroffene oft vor langwierigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die eine schrittweise Regeneration erfordern.
Postakute Infektionssyndrome und chronische Erschöpfung
Eine Studie der Universitätsmedizin Halle (Saale) zeigt auf, dass etwa jeder finten Patient nach einem Atemwegsinfekt noch lange Zeit unter Folgewirkungen leidet. Dieses als postakutes Infektionssyndrom bezeichnete Phänomen kann nicht nur durch SARS-CoV-2, sondern ebenso durch Influenzaviren oder weitere Krankheitserreger ausgelöst werden. Die Betroffenen kämpfen dabei über Wochen oder Monate mit Erschöpfungssymptomen.
In einer Stellungnahme zu postinfektiösen Erkrankungen benennt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina mehr als 30 Handlungsoptionen für Versorgung, Forschung und Prävention. Neben Long Covid berücksichtigt die Akademie auch Erkrankungen wie ME/CFS sowie Folgen nach Influenza oder dem Epstein-Barr-Virus.
Die Leopoldina stuft ME/CFS als schwere chronische Erkrankung ein und verweist auf das Leitsymptom der Post-Exertionellen Malaise, bei dem sich Beschwerden nach Belastung verschlimmern. Ausdrücklich warnt das Gremium vor einer Verschlechterung des Zustands durch unpassende, aktivierende Rehabilitationsmaßnahmen. Der Patientenverband Fatigatio e.V. begrüßt diese Einordnung.
Versorgungsstrukturen und medizinische Betreuung
Um Betroffenen gezielter zu helfen, empfiehlt die Leopoldina eine engere Vernetzung zwischen Hausärzten, Fachärzten und Spezialzentren sowie eine verbesserte Dateninfrastruktur. In Österreich plant die Stadt Wien für Mitte 2027 die Eröffnung einer spezialisierten Ambulanz für postakute Infektionssyndrome im Diabeteszentrum Donaufeld, angeschlossen an die Klinik Hietzing.
Wer sich mit den Ursachen von Erschöpfung und chronischen Beschwerden befasst, sollte auch das eigene Nervensystem in den Blick nehmen. Dieser kostenlose Report enthüllt, wie Sie diesen „Gesundheitsschalter“ ganz einfach selbst aktivieren können. Vagus-Therapie: Selbstheilungskräfte jetzt aktivieren
Als leitender Oberarzt soll Martin Komenda-Lett die rein auf Zuweisungen ausgelegte Einrichtung betreuen. Zugangsvoraussetzung sind mindestens zwölf Wochen anhaltende, multisystemische Beschwerden nach einem immunologischen Ereignis sowie eine deutliche Einschränkung der Alltags- oder Berufsfähigkeit.
Richtiger Umgang mit Rekonvaleszenz und Sport
Für den Weg zurück zur körperlichen Belastbarkeit nach Infektionen mahnen Mediziner zur Vorsicht. Der Hamburger Arzt Dr. Keihan Ahmadi-Simab formuliert die Grundregel, dass nach dem Abklingen der Symptome noch mindestens zwei Tage Sportpause eingehalten werden sollten.
Nach fieberhaften Erkrankungen mit über 38,5 Grad sei eine Wartezeit von mindestens einer Woche nach dem Fieberabfall ratsam, ebenso nach einer echten Grippe. Ein verfrühter Trainingsbeginn berge Gefahren wie Herzmuskelentzündungen, Rückfälle oder chronische Bronchitis.
Nach einer schweren Bronchitis oder Lungenentzündung seien mindestens zwei Wochen Ruhe samt ärztlicher Kontrolle geboten. Während sportlich Aktive laut einer Cochrane-Meta-Analyse bei Atemwegsinfekten im Schnitt mildere Symptome aufweisen, gilt bei akutem Fieber, Schüttelfrost oder Brustschmerzen ein striktes Trainingsverbot.
Oft bleiben nach einer Infektion Müdigkeit und Gelenkbeschwerden zurück, die auf versteckte Prozesse im Körper hindeuten können. Ein kostenloser Selbsttest verrät, ob Ihr Körper heimlich unter Entzündungen leidet – und was Sie dagegen tun können. 12 natürliche Entzündungs-Killer gratis entdecken
Ernährung und Unterstützung des Immunsystems
Neben ausreichender Schonung rücken Maßnahmen zur Ernährungs- und Mikronährstoffversorgung in den Blick. Eine Cochrane-Übersicht von 29 Studien mit über 11.000 Probanden ergab, dass eine vorbeugende Zufuhr von Vitamin C eine Erkältung zwar nicht verhindern kann, ihre Dauer jedoch im Schnitt um rund einen halben Tag verkürzt. Zu den reichhaltigen Quellen zählen etwa Kiwis, Sanddorn oder schwarze Johannisbeeren.
Der Rosenheimer Sportmediziner Dr. Lutz Graumann rät bei akuten Infekten von Alkohol ab, da dieser die Immunabwehr schwächt, und empfiehlt stattdessen Zubereitungen aus frisch gepresster Bio-Limette in heißem Wasser, ergänzt um Honig bei unter 40 Grad.
Zudem zeigen Labordaten zu mediterranen Gewürzen wie Oregano und Kurkuma immunmodulierende oder antioxidative Eigenschaften, wobei vor hochdosierten Nahrungsergänzungen stets ärztlicher Rat eingeholt werden sollte.
Für eine stabile Grundversorgung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gesunden Erwachsenen eine tägliche Proteinzufuhr von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, ab 65 Jahren 1,0 Gramm, da ein nachgewiesener Zusatznutzen über die Empfehlungen hinaus für das Immunsystem im Breitensport nicht belegt ist.
