Pilgern und Psyche: Meta-Analyse belegt weniger Depressionen und Ängste
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Immer mehr Menschen suchen einen Ausgleich zu den Belastungen des modernen Alltags. Aktuelle Berichte zeigen, dass Pilgern und spirituelle Besinnungstage zunehmend als wirksame Methoden wahrgenommen werden, um durch Einfachheit, Langsamkeit und gelebte Gemeinschaft neue Kraft zu schöpfen.
In der Diözese Linz, wo unter anderem in Schärding der sogenannte Frauenkraftweg eröffnet wurde, wird das Pilgern als deutlicher Gegenpol zur alltäglichen Schnelllebigkeit beschrieben.
Wie Andrea Reisinger von der Diözese darlegte, führe das Gehen die Menschen zurück zu Langsamkeit und Reduktion auf das Wesentliche. Entsprechende Pilgerstudien untermauern dieses Bedürfnis: Demnach suchen drei Viertel der Pilgernden gezielt die spirituelle Dimension des Unterwegsseins.
Wissenschaftliche Belege für Bewegung und psychische Entlastung
Dass die mit dem Pilgern verbundene körperliche Aktivität messbare positive Effekte auf die Psyche hat, bestätigen umfassende wissenschaftliche Erhebungen. Eine Meta-Meta-Analyse der James Cook University, die 63 Reviews mit 1.079 randomisierten kontrollierten Studien und insgesamt 79.551 Teilnehmenden auswertete, belegt, dass Bewegung Depressionen und Ängste verringert.
Die Forscher stellten bei Depression eine Effektstärke von -0,61 und bei Angst von -0,47 fest. Bei reinem Ausdauertraining lag die Effektstärke im Zusammenhang mit Depression sogar bei -0,81.
Die stärksten Effekte zeigten sich bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren sowie bei Frauen nach der Geburt. Während bei Depressionen eine moderate Intensität und Programme über 24 Wochen besonders wirksam waren, erzielten bei Angst bereits niedrigere Intensitäten und kurze Programme von bis zu 8 Wochen Erfolge.
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Gruppentrainings und betreute Programme erwiesen sich dabei als wirksamer im Vergleich zu unbegleiteten Einzelaktivitäten. Insgesamt erreichen die festgestellten Effektstärken ein Niveau, das dem von Medikamenten und Psychotherapie ähnelt.
Gemeinschaft und entschleunigte Lebensweisen als Schutzfaktoren
Neben der reinen Bewegung tragen die Reduktion von Stress und der soziale Rückhalt entscheidend zur Erholung bei. Welche Auswirkungen eine dauerhaft entschleunigte und strukturierte Lebensweise haben kann, veranschaulicht die Deutsch-Österreichische Klosterstudie.
Die Untersuchung von Daten zu mehr als 16.000 Mitgliedern aus 16 Ordensgemeinschaften ergab, dass Ordensmänner im Schnitt fünf Jahre länger leben als der Durchschnittsmann in der Bevölkerung. Zudem schrumpft der Lebenserwartungsunterschied zwischen Nonnen und Mönchen auf ein Jahr zusammen, während er in der Gesellschaft viereinhalb Jahre beträgt.
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Der Bevölkerungsforscher Marc Luy führt diesen Vorteil maßgeblich auf Lebensstilfaktoren zurück. Dazu zählen der Verzicht auf das Rauchen und Drogen, ein geringer Alkoholkonsum, ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung, soziale Kontakte sowie eine konsequente Stressreduktion. Ordensleute weisen demnach ein nachweisbar niedrigeres Stresslevel auf.
Vielfältige Formate für Besinnung und Neuorientierung
Die Sehnsucht nach Rückzug und Neuausrichtung spiegelt sich in einer Reihe unterschiedlicher Formate wider. So bieten etwa die Bildungs- und Tagungshäuser Vierzehnheiligen Besinnungstage für verwitwete Frauen an. Das Konzept stellt den Gedanken in den Mittelpunkt, dass das Leben nach einem Verlust zwar nie wieder so wird wie zuvor, aber neu und anders werden kann.
Andere Einrichtungen setzen auf die Kraft des Schweigens: Die Trappistenabtei Tre Fontane in Rom stellt beispielsweise zehn Gästezimmer als Oase der Stille zur Verfügung, die nahezu durchgehend belegt sind. Ergänzt wird dieses Spektrum durch gemeinschaftliche Fußwallfahrten, bei denen Menschen bewusst weite Strecken zu Fuß zurücklegen, um im gemeinsamen Gehen innere Ruhe und Orientierung zu finden.

