Pilates zum Jubiläum: Was Experten über Körperkontrolle und Kraft sagen
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 07:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vor einem Jahrhundert legte Joseph Pilates den Grundstein für ein Bewegungssystem, das die Fitnesswelt bis heute prägt. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Methode rückt deren Bedeutung für die gezielte Muskelkontrolle und die Stabilisierung des Körperzentrums erneut in den Fokus von Fachleuten.
Was einst unter dem Namen Contrology begann, hat sich zu einer weltweit verbreiteten Trainingsform entwickelt, deren Nutzen und Grenzen von Sportwissenschaftlern differenziert bewertet werden.
Von New York in die weltweiten Studios
Die Geschichte des Systems geht auf das Jahr 1926 zurück, als Joseph Pilates sein erstes Studio in New York eröffnete. Der ursprüngliche Ansatz der Contrology basierte darauf, den Geist einzusetzen, um Muskeln präzise zu steuern.
Im Mittelpunkt stand dabei das sogenannte Powerhouse, das funktionelle Zentrum des Körpers. Heute wird die Methode als kontrolliertes Krafttraining verstanden, das eine bewusste Atmung, exakte Körperpositionen und muskuläre Kraft miteinander verbindet.
In der Praxis existieren im Wesentlichen zwei Ansätze: das Mattentraining (Mat Pilates), das primär auf das eigene Körpergewicht und die Schwerkraft setzt, sowie das Reformer-Pilates.
Bei letzterem kommen spezielle Geräte zum Einsatz, deren Federsysteme den Übenden wahlweise Unterstützung bieten oder zusätzlichen Widerstand erzeugen. Diese Vielseitigkeit sorgt dafür, dass sich das Training für unterschiedliche Altersgruppen eignet und als Ausgleich für Lauf-, Kraft- und Rotationssportarten eingesetzt werden kann.
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Der wissenschaftliche Blick auf Rücken und Muskulatur
Trotz der langjährigen Popularität mahnen Experten zu einer realistischen Einordnung der gesundheitlichen Effekte. Der Sportwissenschaftler Oliver Faude weist darauf hin, dass Studien zur Linderung von Rückenschmerzen durch Pilates überwiegend klein ausfallen. Zwar gebe es durchaus Hinweise auf einen positiven Nutzen, zugleich könne jedoch grundsätzlich jede schmerzverträgliche Form der Bewegung Beschwerden lindern.
Zudem betonen Fachleute die Grenzen der Trainingsform: Pilates kräftigt zwar gezielt, ermöglicht jedoch keinen ausgeprägten Muskelaufbau. Um dem altersbedingten Abbau von Muskelmasse effektiv entgegenzuwirken oder Ausdauer und Gleichgewicht optimal zu schulen, reicht das System allein nicht aus. Eine umfassende Fitness erfordert daher ergänzende Trainingsreize.
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Stetige Verbreitung und prominenter Zuspruch
Ungeachtet der wissenschaftlichen Differenzierung verzeichnet der Markt weiterhin eine rege Nachfrage. Die Trainingskonzepte werden international fortlaufend erweitert. In Mailand eröffnete das Unternehmen Benefit Circle in der Via Cosimo del Fante 6 einen zweiten Standort, während der bestehende Betrieb in der Via Maddalena nach über neun Jahren weiterläuft.
Die dortige Leiterin Mareike Stapel unterrichtet seit 24 Jahren; das Team wurde an der 1989 gegründeten BASI-Pilates-Schule ausgebildet. Das neue Loft umfasst drei Säle für Geräte-Pilates, Matwork, Yoga und Gyrotonic, ergänzt durch geplante Angebote in Osteopathie, Massage, Ernährungsberatung und psychologischer Unterstützung.
Auch im Umfeld prominenter Persönlichkeiten bleibt die Nachfrage nach Reformer-Formaten ungebrochen. So nimmt Herzogin Meghan laut Medienberichten seit einigen Wochen regelmäßig an entsprechenden Kursen im Soho Farmhouse in der englischen Grafschaft Oxfordshire teil, um abzuschalten und persönliche Kontakte zu pflegen. Hundert Jahre nach ihren Anfängen bleibt die Methode damit fest im modernen Lebensstil verankert.
