Physical AI: Markt wächst von 5 auf 44 Milliarden Euro bis 2033
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 03:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Großkonzerne und Regierungen treiben die industrielle KI-Revolution massiv voran – mit Milliardeninvestitionen und strategischen Partnerschaften.
Eine Welle von Partnerschaften und nationalen Förderprogrammen zeigt: Physical AI tritt in eine beschleunigte Wachstumsphase ein. Angesichts von Fachkräftemangel und Lieferkettenrisiken verlagert sich der Sektor von Forschungsprojekten hin zu großflächigen Fabrik- und Handelseinführungen. Der globale Markt für Physical AI – also KI, die in Maschinen und Robotern steckt – soll von umgerechnet rund 5 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf über 44 Milliarden Euro im Jahr 2033 wachsen. Das entspricht einer jährlichen Steigerung von über 32 Prozent.
Siemens und IFS schließen strategische Allianz
Am 11. Juli 2026 gaben Siemens und IFS eine Partnerschaft bekannt, die einen geschlossenen digitalen Zwilling für die Industrie schaffen soll. Die Zusammenarbeit verbindet Konstruktionsdaten aus der Siemens-Xcelerator-Plattform mit Produktions- und Anlagendaten von IFS. Herzstück ist eine KI-Schicht, die besonders auf Prüfbarkeit und Governance in der Schwerindustrie achtet.
„Die Kombination von Engineering-Daten mit Echtzeit-Produktionsdaten ist der Schlüssel zur nächsten Stufe der Industrieautomation", heißt es in der gemeinsamen Erklärung.
SoftBank plant Milliarden-Deal mit 7-Eleven
Parallel dazu zeichnet sich eine massive Investition im Einzelhandel ab. SoftBank und seine Fintech-Tochter PayPay verhandeln über eine Beteiligung von bis zu 300 Milliarden Yen (rund 1,8 Milliarden Euro) an Seven & i Holdings, dem Mutterkonzern von 7-Eleven. Ziel ist der Einsatz autonomer Roboter und KI-gesteuerter Filialverwaltung in über 22.000 japanischen Standorten – eine direkte Antwort auf den akuten Arbeitskräftemangel.
Der Schritt fügt sich in SoftBanks Gesamtstrategie ein: Der Konzern wird bis Ende 2026 voraussichtlich über 60 Milliarden Dollar in OpenAI investiert haben.
Südkorea setzt auf autonome Fabriken
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Südkorea forciert seine Ambitionen im Bereich KI-gesteuerter Fertigung. Am 10. Juli 2026 kündigte die Regierung ein 1,4 Billionen Won schweres F&E-Programm an. Schwerpunkt sind sogenannte „Moving-Target"-Projekte in den Regionen Jeonbuk und Süd-Gyeongsang. Ziel ist der Aufbau nationaler Referenzfabriken – mit Fokus auf Datenpipelines und Betriebsabläufe, nicht auf humanoide Roboter.
Das Programm ist Teil eines größeren 7,5 Milliarden Dollar schweren nationalen Fertigungsplans aus dem Jahr 2024, der bis 2030 die Schaffung von 100 KI-basierten Produktionszonen vorsieht.
LG entwickelt eigenes „Weltmodell"
Ebenfalls am 10. Juli 2026 legte LG Group seine Strategie für Physical AI offen. LG Electronics führt ein Konsortium mit der Universität KAIST und Maum AI an, um ein nationales „K-World Model" zu entwickeln. LG plant, bis 2030 rund 9,4 Billionen Won (etwa 6,7 Milliarden Euro) in Robotik und Physical AI zu investieren.
Das Unternehmen setzt auf ein eigenes „Kerngehirn" für KI-Systeme, will aber bestehende globale Hardware-Infrastruktur nutzen. Ein Ansatz, der an die Strategie deutscher Autobauer erinnert, die ebenfalls auf eigene Softwareplattformen setzen.
Die Automatisierungslücke: 80 Prozent der US-Fabriken ohne Roboter
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Trotz aller Fortschritte klafft eine gewaltige Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Aktuelle Daten zeigen: 80 Prozent der US-Fabriken arbeiten noch völlig ohne Automatisierung. Eine Deloitte-Studie von 2025 ergab, dass zwar 92 Prozent der Hersteller intelligente Fertigung für wettbewerbsentscheidend halten, aber nur 14 Prozent KI-Lösungen breit einsetzen.
Die Hürden sind bekannt: hohe Anschaffungskosten, komplexe Integration und das „Sim2Real-Problem" – trainierte KI-Modelle versagen oft in der realen Fabrikumgebung.
Neue Lösungen senken Einstiegshürden
Um diese Barrieren abzubauen, brachten mehrere Hersteller Anfang Juli 2026 neue Produkte auf den Markt. ABB, ARBOR und Cambrian Robotics bieten einfachere Einstiegslösungen. Der Trend zu Robotik-as-a-Service (RaaS) und No-Code-Plattformen – etwa Lackier-Roboter von Hirebotics – ermöglicht den Einsatz ohne tiefgehende Programmierkenntnisse.
Diese Entwicklungen folgen auf eine Anhörung vor einem US-Kongressausschuss im April 2026. Dort wurde deutlich gemacht, dass Physical AI die heimische Fertigungsindustrie wiederbeleben könnte – deren Beschäftigtenzahl von 20 Millionen im Jahr 1979 auf heute rund 13 Millionen gesunken ist.
Die großen Infrastrukturlieferanten wie NVIDIA, ABB, Siemens, Boston Dynamics und FANUC kontrollieren derzeit knapp die Hälfte des Marktes. Mit den neuen Investitionen und Programmen dürfte sich der Wettbewerb jedoch deutlich verschärfen.
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