Philippinen-Zahlungsverkehr: 214 Milliarden Euro in fünf Monaten
26.06.2026 - 21:35:21 | boerse-global.de
Insgesamt wurden Transaktionen im Wert von umgerechnet rund 214 Milliarden Euro abgewickelt – ein Plus von 44,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Neue Regeln der Zentralbank beenden Gebührenstopp
Die philippinische Zentralbank (BSP) hatte Anfang Juni mit dem Rundschreiben Nr. 1238 einen fünfjährigen Moratorium für Gebührenerhöhungen bei den elektronischen Zahlungssystemen InstaPay und PESONet beendet. Die neuen Regelungen, die Mitte Juni in Kraft traten, schreiben vor, dass Banken für kleine Händlerzahlungen eine gebührenfreie Option anbieten müssen. Zudem müssen Überweisungen zwischen Privatpersonen günstiger bleiben als Schaltertransaktionen – ein klares Signal für die weitere Förderung digitaler Zahlungen.
Finanzminister Frederick Go drängt sogar auf noch niedrigere Gebühren und schlägt einen Zielwert von umgerechnet etwa 3 Cent pro Transaktion vor. Die BSP will mit diesem Spagat zweierlei erreichen: die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Zahlungsdienstleister sichern und gleichzeitig die finanzielle Inklusion vorantreiben.
Transaktionsvolumen verdreifacht
Noch beeindruckender als der Wert ist die schiere Menge der Transaktionen: Zwischen Januar und Mai 2026 wurden 3,48 Milliarden Zahlungen abgewickelt – dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Allein im Mai lag das Volumen bei 761,4 Millionen Transaktionen, mehr als eine Verdopplung gegenüber Mai 2025.
Die beiden wichtigsten Zahlungssysteme entwickelten sich dabei unterschiedlich:
- PESONet: Der Wert der Transaktionen stieg um 30,7 Prozent auf umgerechnet rund 107 Milliarden Euro, abgewickelt wurden etwa 52,5 Millionen Überweisungen.
- InstaPay: Hier legte der Transaktionswert um über 60 Prozent auf rund 106 Milliarden Euro zu – bei beeindruckenden 3,43 Milliarden Einzelüberweisungen.
Ruben Carlo Asuncion, Chefvolkswirt bei der UnionBank, sieht digitale Zahlungen längst als Standard für Haushalte und Unternehmen. Die Integration in bestehende Ökosysteme und die gestiegene Bequemlichkeit hätten den Durchbruch gebracht.
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Infrastruktur und Wettbewerb als Erfolgsfaktoren
Das philippinische Nationale System für den Einzelhandelszahlungsverkehr (NRPS) bildet das Rückgrat der digitalen Transformation. Es stellt über InstaPay, PESONet und den QR-Code-Standard QR Ph sicher, dass verschiedene Banken und E-Wallets miteinander kompatibel sind. Diese gemeinsame Infrastruktur zwingt Anbieter wie GCash und Maya, vor allem über Benutzerfreundlichkeit zu konkurrieren – nicht über exklusive Netzwerke.
GCash, das mehr als 90 Millionen registrierte Nutzer zählt, bereitet offenbar einen Rekord-Börsengang vor. Die Muttergesellschaft Mynt Inc. will durch den Verkauf von 9,23 Milliarden Aktien bis zu 1,5 Milliarden Euro einsammeln. Ein Erfolg würde sämtliche bisherigen Kapitalrekorde auf dem philippinischen Markt brechen.
Die Zentralbank hat unterdessen mit Project Agila zwar die Möglichkeiten digitaler Währungen ausgelotet, sich aber gegen einen digitalen Peso für den Massenmarkt entschieden. Stattdessen setzt man auf Großhandels-CBDCs und die bestehende Infrastruktur.
Langfristige Trends und verbleibende Hürden
Die Pandemie gab dem digitalen Wandel entscheidenden Schub. Eine Studie von PayPal aus dem Jahr 2020 zeigte, dass 87 Prozent der Filipinos ihre digitalen Zahlungen während der Krise ausweiteten – Sicherheit und Bequemlichkeit waren die Hauptgründe. Der Anteil digitaler Zahlungen am Einzelhandel stieg von 42,1 Prozent (2022) auf 52,8 Prozent (2023) und erreichte 2024 bereits 57,4 Prozent.
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Die BSP peilt bis 2028 einen Anteil von 60 bis 70 Prozent an. Branchenkenner warnen jedoch vor anhaltenden Problemen: Bargeld bleibt in bestimmten Segmenten dominant, und die unzuverlässige Stromversorgung in ländlichen Gebieten bremst die digitale Durchdringung.
Die Zukunft der Finanzbranche steht auch im Mittelpunkt der World Financial Innovation Series (WFIS) Philippines 2026, die am 25. und 26. August in Manila stattfindet. Top-Manager von BDO, UnionBank und Security Bank werden dort über Open Finance und digitale Banklizenzen diskutieren.
