Pflegeversicherung, Defizit

Pflegeversicherung: Defizit wächst von 8 auf 15 Milliarden Euro

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 05:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Expertenrunde soll bis 2027 Reformvorschläge vorlegen, während Milliardenlücken und steigende Pflegebedürftigkeit den Handlungsdruck erhöhen.

Union plant Pflegekommission für grundlegenden Systemumbau
Ein heller, leerer Flur in einer modernen Pflegeeinrichtung mit großen Fenstern und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts der zunehmenden finanziellen und demografischen Herausforderungen in der Pflegeversicherung plant die Union eine umfassende Neuausrichtung des Systems. Carsten Linnemann (CDU) kündigte die Einsetzung einer Strukturkommission Pflege an, die mit unabhängigen Fachleuten und Wissenschaftlern besetzt werden soll.

Ziel dieses Gremiums ist es, bis zum Jahr 2027 konkrete Vorschläge für eine grundlegende Strukturreform zu erarbeiten, um die langfristige Stabilität der Versorgung zu gewährleisten.

Finanzielle Schieflage und demografische Prognosen

In Berichten von Mitte September 2026 warnte Linnemann davor, dass das Pflegesystem ohne einen grundlegenden Umbau in den 2030er-Jahren kollabieren könnte. Die aktuelle Finanzlage der sozialen Pflegeversicherung bezeichnete er im Bundestag als desaströs.

Den Berechnungen zufolge belaufen sich die jährlichen Pflegeausgaben derzeit auf rund 75 Mrd. Euro. Linnemann strebt hierbei Einsparungen in Höhe von zehn Prozent an, um Doppelstrukturen, ineffiziente Abläufe und Fehlanreize zu beseitigen.

Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen wird für das Jahr 2027 ein Defizit von 8 Mrd. Euro prognostiziert, das bis 2028 auf mehr als 15 Mrd. Euro ansteigen könnte. Auch der GKV-Spitzenverband erwartet für das kommende Jahr einen Fehlbetrag von bis zu 10 Mrd. Euro.

Die Dringlichkeit der Reform wird zudem durch die demografische Entwicklung unterstrichen: Die Zahl der Pflegebedürftigen soll von aktuell etwa 6 Millionen auf rund 7,5 Millionen im Jahr 2050 ansteigen.

Exemplarisch für diese Entwicklung stehen Daten der Diakonie Michaelshoven für den Raum Köln, wonach dort die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2050 von 61.200 auf 72.600 steigen werde, was einen Bedarf an 4.500 neuen stationären Plätzen und 5.000 zusätzlichen Mitarbeitern nach sich ziehe.

Strategien zur kurz- und langfristigen Stabilisierung

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Die Pflegeversicherung steht vor einer ihrer größten Finanzierungsdebatten: Für 2027 wird ein Defizit von 8 Milliarden Euro prognostiziert, bis 2028 könnten es mehr als 15 Milliarden Euro werden. Eine Strukturkommission soll bis 2027 Vorschläge für eine grundlegende Reform erarbeiten. Wer heute für die Pflege von Angehörigen oder die eigene Vorsorge plant, findet in diesem kostenlosen Report eine sachliche Einordnung der geplanten Schritte. Kostenlosen Pflege-Report jetzt anfordern

Um das drohende Defizit für 2027 aufzufangen und die Beiträge stabil zu halten, soll der PNOG-Entwurf der CDU-Politikerin Warken herangezogen werden. Dieser sieht Ausgabenbremsen sowie Mehreinnahmen vor. Eine Befassung des Kabinetts ist für September 2026 geplant. Linnemann stellte dabei klar, dass Kürzungen bei den Renteneinzahlungen pflegender Angehöriger nicht Teil der Planungen seien.

Einen Finanzausgleich zwischen der privaten und der gesetzlichen Pflegeversicherung lehnt die Union aus verfassungsrechtlichen Gründen ebenso ab wie die Einführung eines „Pflegesoli“ für privat Versicherte.

Unterstützung für diesen Kurs signalisierten der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) sowie der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP). Aus den Reihen der CSU betonte der Abgeordnete Pilsinger, dass ein Zugriff auf Alterungsrückstellungen einer Enteignung gleichkäme.

Kritik von Verbänden und politischen Akteuren

Die Ankündigung der Expertenkommission stieß auf geteilte Reaktionen. Ines Schwerdtner, Vorsitzende der Linken, bezeichnete das Vorhaben als nächste Kürzungsrunde und als Kürzungsprogramm. Auch aus der SPD kamen Forderungen nach einem verbindlichen Zeitpfad statt einer bloßen Kommission.

Die Grünen sowie die Linke äußerten Skepsis hinsichtlich der Notwendigkeit einer weiteren Kommission oder lehnten Leistungskürzungen strikt ab. Die AfD forderte hingegen eine vollständige Steuerfinanzierung der Pflege.

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Die Zahl der Pflegebedürftigen soll von rund 6 Millionen auf etwa 7,5 Millionen im Jahr 2050 steigen – und mit ihr der Druck auf Beiträge und Eigenanteile. Der geplante PNOG-Entwurf soll Ausgaben bremsen und Mehreinnahmen sichern, doch die Reform befindet sich noch in der Abstimmung. Dieser Leitfaden zeigt, welche Leistungen heute gelten und welche Punkte für Angehörige und Vorsorge-Betroffene jetzt wichtig werden. Leitfaden Pflegevorsorge jetzt sichern

Deutliche Kritik kam zudem vom ver.di-Bundesvorstand. Sylvia Bühler erklärte, es gebe kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit. Sie forderte einen Finanzausgleich zwischen den Versicherungssystemen sowie die Einbeziehung aller Einkommensarten, wie etwa Mieteinnahmen und Aktiengewinne, in die Beitragsbemessung.

Die Caritas sieht die Pflegeversicherung vor ihrer eigentlichen Bewährungsprobe, während die Diakonie aufgrund der geringeren Ausgabenlast der privaten Versicherung im Vergleich zur gesetzlichen weiterhin einen Pflege-Soli befürwortet. Auch Patientenschützer sowie Vertreter des VdK-NRW äußerten sich kritisch zu den Plänen.

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