Pflegekrise, Deutschland

Pflegekrise in Deutschland: Fast sechs Millionen Menschen sind pflegebedürftig

05.05.2026 - 16:21:17 | boerse-global.de

Fast sechs Millionen Pflegebedürftige belasten die Kassen. Das Ministerium plant ein Reformpaket gegen das Milliardendefizit.

Pflegekrise in Deutschland: Fast sechs Millionen Menschen sind pflegebedürftig - Foto: über boerse-global.de
Pflegekrise in Deutschland: Fast sechs Millionen Menschen sind pflegebedürftig - Foto: über boerse-global.de

Eine neue Studie des IGES-Instituts zeigt: Knapp sechs Millionen Menschen in Deutschland sind aktuell auf Pflege angewiesen. 2017 waren es noch drei Millionen. Die gesetzliche Pflegeversicherung steuert auf ein Defizit von sechs Milliarden Euro zu. Das Bundesgesundheitsministerium will noch im Mai ein Reformpaket vorlegen. Ob das reicht, ist fraglich.

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Jüngere Menschen immer häufiger betroffen

Die demografische Alterung ist nicht der einzige Treiber. Die IGES-Studie belegt einen alarmierenden Trend: Der Anteil der Pflegebedürftigen unter 65 Jahren stieg von 17,5 Prozent im Jahr 2017 auf knapp 24 Prozent im Jahr 2024. Der GKV-Spitzenverband fordert deshalb eine Überprüfung der Einstufungskriterien. Offenbar greifen die seit der letzten Reform geltenden Pflegegrad-Regeln nicht mehr richtig.

Die Kosten explodieren parallel. Laut Statistischem Bundesamt lagen die Pflegeausgaben 2024 bei 136 Milliarden Euro – mehr als doppelt so viel wie 2014 (65 Milliarden Euro). Pflege verschlingt inzwischen 25 Prozent aller Gesundheitsausgaben, vor zehn Jahren waren es 20 Prozent. Haupttreiber: die erweiterte Definition von Pflegebedürftigkeit seit 2017 und steigende Personalkosten. Der durchschnittliche Stundenlohn für Pflegekräfte soll 2025 bei 23,70 Euro liegen – ein Plus von fünf Prozent.

Regierung unter Zugzwang

Staatssekretärin Nina Warken (CDU) kündigte an, dass Mitte Mai ein Reform-Entwurf vorliegen soll. Erwartet werden strengere Kriterien für die Einstufung in Pflegegrade und eine Drosselung der Zuschüsse für Heimbewohner. Der Druck ist enorm: Die Pflegeversicherung schreibt tiefrote Zahlen.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) legte am 4. Mai einen eigenen Fünf-Punkte-Notfallplan vor. PKV-Chef Thomas Brahm lehnt höhere Beiträge oder eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze ab. Stattdessen schlägt er einen „Stabilitätspakt“ vor: ein einheitliches Pflegebudget für ambulante und stationäre Versorgung sowie die Streichung des Entlastungsbetrags für Pflegegrad 1. Das würde nach PKV-Berechnung 1,2 Milliarden Euro einsparen. Pflicht-Erstberatungen und ein zentrales Pflegeportal sollen die Effizienz steigern.

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Widerstand von Sozialverbänden und Ärzten

Die geplanten Kürzungen stoßen auf heftige Gegenwehr. Eine YouGov-Umfrage im Auftrag des VdK zeigt: 77 Prozent der Befragten lehnen strengere Zugangsvoraussetzungen zu Pflegegraden ab. 72 Prozent sind gegen eine Erschwerung von Höherstufungen, 71 Prozent gegen Leistungskürzungen in Pflegegrad 1. VdK-Präsidentin Verena Bentele warnt vor „Krisensituationen für pflegende Angehörige“ und fordert mehr Investitionen in Prävention und Rehabilitation.

Auch die Klinikärzte schlagen Alarm. Der Bundesverband Geriatrie kritisierte das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz: Eine Rückkehr zur Grundlohnrate bei der Krankenhausvergütung gefährde die Refinanzierung neuer Qualitätsstandards und Personalvorgaben. Dabei sei die Geriatrie kein Kostentreiber, sondern entlaste die Pflegekassen durch frühzeitige Rehabilitation nachhaltig. Auf dem Internistenkongress in Wiesbaden betonten Experten zudem, dass spezialisierte Wohnraumberatung für Hochbetagte essenziell sei, um teure Heimunterbringung zu vermeiden.

Die stille Last der pflegenden Angehörigen

Die Belastung des professionellen Systems spiegelt sich in den privaten Haushalten wider. Eine RKI-Erhebung vom 5. Mai zeigt: 13 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer pflegen aktuell Angehörige. Ein Drittel von ihnen fühlt sich stark belastet. 2023 bezogen rund 6,8 Prozent der Gesamtbevölkerung Pflegeleistungen, die große Mehrheit (5,9 Prozent) ambulant.

Das RKI rechnet mit einem weiteren Anstieg der Pflegebedürftigkeit um 30 Prozent in den kommenden Jahren. Besonders brisant: Der wirtschaftliche Wert der unbezahlten Pflegearbeit liegt nach Angaben von „wir pflegen e.V.“ und „Pflegende Angehörige e.V.“ bei über 200 Milliarden Euro jährlich. Die Verbände befürchten, dass die geplante Zusammenlegung von Leistungen in zwei Budgets für manche Familien zu Kürzungen von bis zu 60 Prozent führen könnte.

Entscheidende Wochen für die Pflegepolitik

Die nächsten zwei Wochen werden richtungsweisend sein. Das Bundesgesundheitsministerium muss die sechs Milliarden Euro schwere Finanzlücke schließen, ohne die Versorgung von fast sechs Millionen Pflegebedürftigen zu gefährden. Hinzu kommen administrative Änderungen ab Juli 2026 bei Rentendaten und Steuerklassen, die für manche Senioren zu Rentenkürzungen führen könnten.

Ob die Reform den Systemkollaps abwendet oder die Last weiter auf die Familien abgewälzt wird – das entscheidet sich jetzt.

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