KI-Alterskontrolle, EU-Staaten

Meta weitet KI-Alterskontrolle auf 27 EU-Staaten aus

05.05.2026 - 16:15:52 | boerse-global.de

Meta startet KI-basierte Alterskontrolle in 27 EU-Staaten und Brasilien. Der Schritt folgt auf scharfe Kritik der EU-Kommission am Jugendschutz.

Meta weitet KI-Alterskontrolle auf 27 EU-Staaten aus - Foto: über boerse-global.de
Meta weitet KI-Alterskontrolle auf 27 EU-Staaten aus - Foto: über boerse-global.de

Ab sofort kommt die Technologie in 27 EU-Ländern und Brasilien zum Einsatz. Der Schritt erfolgt nur Tage, nachdem die EU-Kommission dem Konzern mangelnden Jugendschutz vorgeworfen hat.

Die neue Software analysiert Fotos und Videos auf körperliche Merkmale, um das Alter von Nutzern zu schätzen. Selbst wenn sich jemand bei der Registrierung als volljährig ausgegeben hat, kann das System Verdachtsfälle automatisch in eingeschränkte „Teenager-Konten" verschieben.

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Wie der „Adult Classifier“ funktioniert

Im Zentrum steht ein sogenannter „Adult Classifier“ – ein Algorithmus, der Nutzer in zwei Gruppen einteilt: über 18 und unter 18. Die KI wertet dafür Profile aus: Welche Accounts werden verfolgt? Welche Inhalte werden geliked? Gibt es Hinweise im Benutzernamen oder in der Bio?

Besonders raffiniert: Das System sucht nach sozialen Signalen wie „Alles Gute zum Geburtstag“-Nachrichten von Freunden oder Erwähnungen von Schulnoten. Die neue Bildanalyse scannt Faktoren wie Körpergröße und Knochenstruktur – allerdings ohne Gesichtserkennung, betont Meta.

Wird ein Account als mutmaßlich minderjährig eingestuft, greifen automatisch strenge Schutzmaßnahmen: Wer darf Kontakt aufnehmen? Welche Inhalte sind sichtbar? Nächtliche Benachrichtigungen werden blockiert. Bei Verdacht auf unter 13 Jahre droht sogar die vollständige Deaktivierung – bis der Nutzer einen Ausweis oder eine Altersschätzung per Video-Selfie vorgelegt hat.

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EU-Kommission erhöht den Druck

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Am 29. April 2026 veröffentlichte die EU-Kommission vorläufige Ergebnisse einer mehrjährigen Untersuchung. Das Fazit: Metas bisherige Maßnahmen sind unzureichend, um Kinder unter 13 Jahren von Facebook und Instagram fernzuhalten.

Die Kommission schätzt, dass rund 10 bis 12 Prozent der unter 13-Jährigen in der EU aktiv auf Metas Plattformen unterwegs sind – obwohl die Nutzungsbedingungen das verbieten. Das Problem: Die Registrierung per selbst eingegebenem Geburtsdatum lässt sich leicht umgehen. Und die Meldefunktionen für Minderjährige sind zu kompliziert – bis zu sieben Klicks sind nötig.

Der Digital Services Act (DSA) verlangt von großen Plattformen, systematische Risiken für Minderjährige zu erkennen und zu minimieren. Versagt Meta dabei, drohen empfindliche Strafen. Bei einem Umsatz von 201 Milliarden Dollar (2025) wären bis zu sechs Prozent des globalen Jahresumsatzes fällig – rund zwölf Milliarden Dollar.

App-Stores in der Pflicht?

Meta geht noch einen Schritt weiter. Der Konzern fordert, dass die Altersverifikation künftig zentral auf App-Store-Ebene erfolgen sollte – also direkt beim Gerätehersteller oder beim Download. Das wäre nicht nur einheitlicher, sondern auch datenschutzfreundlicher, argumentiert Meta.

Die EU-Kommission arbeitet parallel an einer eigenen Lösung. Noch 2026 soll eine EU-weite Altersverifikations-App kommen. Sie nutzt Zero-Knowledge-Beweise: Nutzer weisen ihr Alter über eine offizielle digitale Brieftasche nach, ohne ihre vollständige Identität preiszugeben.

Erste Erfolge – und nächste Schritte

Der „Adult Classifier“ wurde bereits in den USA, Großbritannien, Kanada und Australien getestet. Die Bilanz: 96 Prozent der Teenager, die auf Instagram ihr Geburtsdatum von unter 18 auf 18 oder älter ändern wollten, wurden gestoppt.

Die Einführung erfolgt stufenweise. Seit dem 5. Mai läuft die KI-Kontrolle auf Instagram in der EU und Brasilien. Für Facebook startet sie diese Woche in den USA. Großbritannien und weitere EU-Märkte folgen im Juni 2026.

Meta arbeitet weiter mit dem britischen Identitätsdienst Yoti zusammen. Dessen Technologie schätzt das Alter anhand eines kurzen Video-Selfies – und löscht die Daten sofort. 81 Prozent der befragten Teenager bevorzugen diese Methode gegenüber dem Hochladen von Ausweisen.

Die EU-Kommission betont, dass die vorläufigen Ergebnisse nicht das endgültige Urteil sind. Meta darf noch Stellung nehmen. Klar ist aber: Die Ära der bloßen Absichtserklärungen ist vorbei. Gefordert sind messbare Ergebnisse. Sollte Metas KI die Zahl der Minderjährigen nicht deutlich senken, dürfte der Druck auf gesetzlich verpflichtende, staatlich gestützte Identitätsverfahren weiter steigen – auch in Spanien, Frankreich und den Niederlanden, wo noch schärfere Social-Media-Verbote für Minderjährige diskutiert werden.

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