Pflegekrise, Defizit

Pflegekrise 2026: Defizit von 770 Millionen Euro im ersten Halbjahr

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der GKV-Spitzenverband verlangt verbindliche Digitalregeln für die Pflege, während Defizite und steigende Ausgaben die Kassen belasten.

GKV fordert Digitalpakt Pflege trotz Milliardenlücke
Ein leerer Tablet-Computer auf einem Pflegeschreibtisch in einer modernen medizinischen Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Der GKV-Spitzenverband hat ein Positionspapier zur Beschleunigung der Digitalisierung in der Pflegebranche vorgelegt. Darin wird die Etablierung eines sogenannten Digitalpakts Pflege gefordert, der neben technischen Standards insbesondere klare Regeln für die Finanzierung festschreiben soll.

Ziel des Vorstoßes ist es, den Rückstand bei der digitalen Vernetzung pflegerischer Einrichtungen abzubauen und die Integration in die bestehende Gesundheitsinfrastruktur zu forcieren.

Defizite bei der Anbindung an die Telematikinfrastruktur

Ein zentraler Aspekt des Positionspapiers ist die Forderung, die Pflege deutlich stärker in die elektronische Patientenakte (ePA) einzubinden. Bisherige Erhebungen verdeutlichen eine strukturelle Lücke in der Vernetzung. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes waren mit Stand Mai 2026 lediglich zwei Drittel der Pflegeeinrichtungen im Adressbuch der Telematikinfrastruktur (TI) verzeichnet.

Noch geringer fiel die Nutzung spezifischer Anwendungen aus: Nur ein Drittel der Einrichtungen griff zu diesem Zeitpunkt auf den Dienst Kommunikation im Medizinwesen (KIM) zurück. Um diesen Prozess zu beschleunigen, sieht der Verband die Notwendigkeit eines koordinierten Vorgehens zwischen Leistungserbringern, Kassen und dem Gesetzgeber, um die digitale Transformation im Pflegealltag flächendeckend zu verankern.

Prekäre Finanzlage der Pflegekassen im Jahr 2026

Die Forderungen nach einem Digitalpakt fallen in eine Phase erheblicher finanzieller Instabilität der Pflegeversicherung. Für das erste Halbjahr 2026 verzeichneten die Pflegekassen ein Defizit von 770 Millionen Euro. Die Ausgaben stiegen in diesem Zeitraum um 11 Prozent auf insgesamt 39,5 Milliarden Euro, während die Einnahmen lediglich um 5,4 Prozent auf 38,7 Milliarden Euro zunahmen.

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Bis zum Jahresende 2026 wird eine Finanzlücke von 500 Millionen Euro erwartet. Dieser Wert ist jedoch durch ein Bundesdarlehen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro gestützt. Ohne diese Unterstützung würde das Defizit im laufenden Jahr bei 4,4 Milliarden Euro liegen.

Für das Jahr 2027 prognostiziert der GKV-Spitzenverband einen weiteren Anstieg des Finanzbedarfs auf rund 10 Milliarden Euro. GKV-Chef Oliver Blatt bezeichnete die aktuelle Situation als kritisch und warnte vor einer Alarmstufe Rot für die Pflegeversicherung.

Demografischer Druck und politische Forderungen

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Ein wesentlicher Faktor für die finanzielle Belastung ist die steigende Zahl der Pflegebedürftigen. Im Jahr 2026 erhöhte sich deren Anzahl um 6,5 Prozent beziehungsweise 370.000 Personen. Seit dem Jahr 2017 hat sich der Kreis der pflegebedürftigen Menschen damit auf fast 6 Millionen fast verdoppelt.

Um die finanzielle Tragfähigkeit wiederherzustellen, verbindet der GKV-Spitzenverband sein Digitalisierungskonzept mit konkreten politischen Forderungen.

So wird die Rückzahlung von Corona-bedingten Schulden in Höhe von 5,2 Milliarden Euro durch den Bund sowie die Übernahme der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige aus Steuermitteln verlangt, was ein Volumen von 5,3 Milliarden Euro darstellt. Zudem wird gefordert, dass die Bundesländer die Investitionskosten der Pflegeeinrichtungen vollständig übernehmen.

Seitens der Interessenvertretungen der Pflegekräfte wird der Vorstoß grundsätzlich unterstützt. Thomas Meißner vom Deutschen Pflegerat (DPR) begrüßte die Initiative zur Digitalisierung, mahnte jedoch an, dass die Umsetzung zwingend an verlässliche Refinanzierungsregeln gekoppelt sein müsse, um die Einrichtungen nicht zusätzlich wirtschaftlich zu belasten.

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